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Gepard
Hauskatzen am Topkapi

Kapitel 22 - Flecken

ein Kapitel für Katzenkenner und solche, die er werden wollen

Am 3. Dezember 1964 bekam Aurelia drei winzige Babys. Milagro war noch einmal der Vater von drei "nicht möglich erachteten" Oncilla-Abessinier-Hybriden geworden. Die Überraschung war, daß sie alle ganz gleichmäßig gemustert waren und zwar mit einem kleinen Fleckenmuster, genau wie Gloria. Noch lagen die Flecken so nah beieinander, daß sie fast wie Streifen aussahen und das Muster war sehr dicht. Auch fiel es fast nicht auf, daß das Muster horizontal geordnet war, statt vertikal wie bei den meisten Feliden. Die Nachkommen von zwei unterschiedlichen Katzenarten, noch dazu aus zwei verschiedenen Müttern (dies allerdings von der gleichen "Rasse") sahen völlig identisch aus.

Die meisten Wildkatzen sind vertikal gestreift oder haben vertikal angeordnete Streifen oder auch unterbrochene Streifen, die wie längliche Flecken aussehen. Der Tiger, der Leopard, die Europäische Wildkatze, sie alle haben eine vertikale Fleckenzeichnung. Auch bei der Falbkatze und der Rohrkatze, die beide nur ein etwas verschwommenes Fleckenmuster haben, das kurz nach der Geburt noch gut zu sehen ist, aber im Laufe der ersten Monate verschwindet, sieht man die vertikalen Flecken. "Geisterzeichnung" nennt man diese Zeichnung bei den Jungtieren, aber sie hat schon eine Funktion. Im Nest, dort wo die Jungen aufwachsen, dient es vorzüglich zur Tarnung. Wenn die Jungen später auf die offene meist sandige Fläche kommen, ist es überflüssig. Auch das Jugendfell der Löwen ist mit vertikalen Flecken gezeichnet.

Andererseits haben Jaguar, Ozelot, Margay und Oncilla deutlich horizontal angeordnete Flecken. Auch bei unserer Kleinfleckkatze "Margaytje" waren die Flecken horizontal angeordnet. Alle diese Wildkatzen leben in Südamerika. Aber wie steht es mit dem Nebelparder? Er ist in Hinterindien, in Sumatra und auf Borneo zu Hause, so weit es ihn noch gibt. Auch seine, allerdings sehr großen und "wie Nebelwolken" über den Körper verteilten Flecken scheinen horizontal angeordnet zu sein. Und er ist es, der noch eine andere Eigenschaft mit den Margays gemeinsam hat: er hat ebenso wie diese ein bewegliches Gelenk an den Hinterpfoten, das es ihm möglich macht, mit dem Kopf nach unten von Bäumen herabzuklettern. In "Das große Buch der Wildkatzen" von Dr. Siegfried Seiffert und Peter Müller las ich, daß man den Nebelparder als eine Zwischenform der Großkatzen und der kleinen wilden Katzen betrachtet. Wieder drängt sich die Frage nach den Zusammenhängen auf.

Im oben genannten Buch fand ich auch einen Bericht über eine bisher unbekannte Wildkatze. der Iriomotekatze. Das Buch stammt aus dem Jahre 1987 und es ist wohl eins der ersten, das überhaupt diese seltene Katze wenn auch nur kurz beschreibt.

Die nachfolgenden Informationen bekam ich, viele Jahre später, von Frau Barbara Leyhausen. Vor allem Professor Leyhausen setzte sich sehr für eine wissenschaftliche Untersuchung und auch für die Erhaltung ihres Lebensraumes (eine einzige Insel, auf der sich immer mehr Tourismus gefördert und immer mehr Natur zerstört wird) ein.

Die Iriomotekatze wurde 1966 von Dr. Takara von der Ryukyu-Universität zusammen mit einem naturwissenschaftlichen Schriftsteller namens Togawa entdeckt. Das Material wurde vom japanischen Biologen Dr. Y. Imaizumu untersucht, der die Katze 1967 zuerst beschrieb. Er fand, sie sei etwas Einmaliges und wies sie in eine eigene Gattung als "Mayailurus iriomotensis" ein. Diese Einschätzung, daß die Katze etwas Einmaliges war, wurde auch von Professor Leyhausen geteilt. Er hielt die Möglichkeit offen, daß sie trotzdem zur Gattung Prionalurus gehören könnte, aber seine bisherigen Schädeluntersuchungen sind nicht ganz schlüssig.

Mehrere Wissenschaftler haben sich mit dem Problem der Verwandtschaft der Iriomotekatze befaßt. Für die 1993 erschienene Veröffentlichung „Mammal Species of the World“ der Smithsonian Institution, Washington D.C., schrieb nun der amerikanische Wissenschaftler Dr. W.C. Wozencraft eine neue Systematik der Feliden, in der er die Iriomotekatze zu einer Unterart der Bengalkatze, Prionalilurus bengalensis degradiert. Diese Veröffentlichung gilt als „offiziell“ und wird allgemein akzeptiert, so auch von IUCN, was leider Auswirkungen auf die Einschätzung des Grads der Gefährdung der Iriomotekatze für die Belange des Washingtoner Artenabkommen (Cites) hat: Als nur „Unterart“ der Bengalkatze genießt sie relativ wenig Schutz, weil die Bengalkatze nicht als „vom Aussterben bedroht“ gilt.

Dr. Y. Imaizumu beschreibt die Katze als ein kleines, graubraunes Tier, das horizontal gestreifte, verschwommene Flecken hat. Es scheint sicher zu sein, daß diese Katze mit Felis bengalensis verwandt ist. Für uns ist interessant, daß Dr. Imaizumu auch eine gewisse Ähnlichkeit mit südamerikanischen Katzen zu sehen meint, allerdings nicht der Fellzeichnung, sondern gewissen Details des Schädels wegen, die denen der Nachtkatze (Oncifelis guigna) und des Jaguarundi zu ähneln scheinen.

Zur Zeit der Entdeckung (1967) gab es nur etwa 300 Tiere und als oben genanntes Buch 1987 erschien, gab es nur noch 50 dieser Katzen. Gegenwärtig schätzt das Iriomote Wildlife Center den Bestand auf etwa 150 Exemplare. Trotzdem muss man befürchten, daß das Rätsel der Verwandtschaft der Iriomotekatze wohl ungelöst bleiben wird. Allerdings soll Dr. Imaizumu an einem Buch über die Iriomotekatze schreiben.

Das Rätsel der Streifenzeichnung unserer Hybriden war nicht das einzige Rätsel, das unsere Hybriden uns aufgaben, wie man noch sehen wird. Frau Dr. Wolff gab dem neuen Fleckenmuster den Namen: "Forellentüpfelung", ein Name der sich inzwischen auch international völlig eingebürgert hat.

Später, 1966, als ein Bericht von Professor Leyhausen im "International Zoo Yearbook" (6:176-182) erschien, wobei freundlicherweise mein Name als Mitautorin genannt wurde, obschon ich nur die Daten und Beobachtungen beigetragen hatte, wurde gerade dieses Fleckenmuster besonders hervorgehoben. Es wurde ein Vergleich zur Kleinfleckkatze angestellt.

In der ersten Ausgabe von Grzimeks "Tierleben, Enzyklopädie des Tierreichs" von 1970 wird über meine Oncilla-Hybriden in demselben Sinn berichtet, ebenfalls mit dem Vergleich zur Kleinfleckkatze und auch zur Nachtkatze (Leopardus guigna).

Gloria und ihre jungen Halbschwestern hatten verschiedene Abessiniermütter aber denselben Vater. Das ließ vermuten, daß die Fleckenzeichnung das Erbe des Vaters sein würde, dachten wir. Ich habe das damals ohne weiteres hingenommen, aber heute habe ich so meine eigene Theorie darüber. Später hat sich gezeigt, daß eine kleingefleckte (Forellen-) Zeichnung auch bei anderen Hybriden aus Kreuzungen mit Abessiniern mit anderen, nicht verwandten Katzen zum Vorschein gekommen ist, aber ausschließlich dann, wenn ein Elternteil Abessinier war. Darum gehe ich persönlich davon aus, daß diese "Forellenflecken" auch im Hintergrund der Abessinier zu suchen sind. Ich selbst hatte einmal Jungtiere von einem Abessinierkater und der Katze Ruby, deren Vater ein Hauskater, die Mutter aber eine sudanesische Wildkatze war. Auch bei dieser Paarung (also Abessinier - Falbkatze - Hauskatze) hatten die Jungen ein sehr kleines Forellenfleckenmuster. Das Foto von einem der Jungen, das des Katers Caruso, zeigt das deutlich.

Eine holländische Familie hatte Rubys Mutter, die Falbkatze, von einer Reise durch den Sudan mitgebracht. Ein Biologe bestimmte das Tier als eine "Felis silvestris rubida", eine der vielen Unterarten aus der Silvestris-Gruppe. Felis silvestris rubida wird als eine braun-rötliche Katze mit mehr oder weniger schwacher Fleckenzeichnung beschrieben. Bei der Wildkatze, die nach Holland mitgebracht wurde, waren tatsächlich nur ganz schwache Flecken zu sehen, aber es stellte sich später heraus, daß sie trotzdem fest im Erbbild verankert waren. Wieder in Holland zurückgekommen, versuchten die Besitzer der Wildkatze, sie wie eine normale Hauskatze zu halten.
Das klappte auch insofern, als sie immer brav von ihren langen Ausflügen in ihr neues Heim zurückkehrte. Leider stellte sich aber bald heraus, daß ihre Ausflüge dem Zweck der Ausrottung des Hühnerbestandes auf den umliegenden Bauernhöfen dienten. Das gab natürlich Schwierigkeiten, und als die Sudanesin sich auch noch mit einem Nachbarkater eingelassen hatte, einem roten Tabbykater, und von ihm zwei Junge bekam, entschied man sie Fortzugeben. Leider hörte ich zu spät, daß für diese interessante Katze ein neues Heim gesucht wurde. Sie landete erst bei jemandem, der einen kleinen Privatzoo hatte, und später im Tiergarten "Artis" in Amsterdam. Die zwei Jungtiere allerdings, zwei Weibchen, durfte ich haben. Sie waren lieb und zahm. Äußerlich konnte man sie kaum von Hauskatzen unterscheiden. Nur hatten sie völlig andere Stimmen, rau und durchdringend, fast kreischend, wenn sie etwas wollten. Außerdem hatten sie bedeutend längere Eckzähne als unsere anderen Katzen. Aber das war auch schon der einzige Unterschied. Wir mussten ihnen natürlich Namen geben und wollten gern sowohl die Abstammung als die Stimmgewalt der beiden darin verarbeiten, und da grade in der Zeit die beiden Sängerinnen Maria Callas und Renata Tibaldi bekannt und berühmt waren, wurden die zwei Halbsudanesen "Sylvi M. Callas" und "Ruby R. Tibaldi" genannt. Das „Sylvi“ stand für "silvestris" und das Ruby für "rubida".

Sylvi war schwarz-rot gefleckt und hatte die Figur eines der ägyptischen Bilder im Louvre. Sie war bedeutend hübscher als ihre Schwester Ruby, die kräftiger und weniger elegant war. Ruby hatte eine sandfarbige Grundfarbe und ein schwarzgraues Streifenmuster, das hier und da von ein paar roten Tüpfelchen unterbrochen wurde. Von Sylvi ist leider nicht viel zu erzählen. Meine Tochter nahm sie mit nach Groningen und dort ist Sylvi schon bald fortgelaufen. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Ruby blieb bei uns und bekam mehrere Würfe mit interessanten Jungtieren. Vom ersten Wurf war Sothis der Vater. Darunter waren der bereits oben erwähnte Kater Caruso, sein roter Bruder und zwei Schwestern. Caruso, der Forellengetüpfelte, kam zu einer Dame in München, die eine Bekannte von Frau Dr. Wolff war. Mit ihm wurde gezüchtet. Eins der Kätzchen, die schöne Columbine, fand später eine neues Heim bei einem Ehepaar in Düsseldorf, bei Herrn und Frau Taubert. Herr Taubert ist ein sehr bekannter Kunstmaler.
Ende der siebziger Jahre sprach mich auf einer Ausstellung eine Dame an: "Ihre Abessinier gefallen mir gut." sagte sie, "Aber die schönste Abessinierkatze habe ich bei einem phantastischen Künstler in Düsseldorf gesehen. Sie ähnelte zwar ihren Katzen, aber sie war wirklich noch schöner. Herr Taubert hat sie sogar porträtiert."
"Düsseldorf?" dachte ich und fragte, "Wie hier denn der Maler des Katzengemäldes?"

"Sein Name ist Gerhard Taubert. Er malt eigentlich Landschaften, aber von seiner Katze hat er wundervolle Zeichnungen und das bewusste Gemälde gemalt." erzählte die Dame.

"Dann stammte die Katze, die Sie so schön finden, aus meiner Zucht." sagte ich. Ich bin mir gar nicht sicher, ob die Dame mir das geglaubt hat.

Herr Taubert hat mir freundlicherweise ein Foto von Columbine für dieses Buch zur Verfügung gestellt. Jedes Jahr zu Weihnachten bekam ich einen Bericht von Herrn und Frau Taubert, in dem über das Wohlergehen von Columbine berichtet wurde, dreiundzwanzig Jahr lang. Dann kam die Nachricht, daß die so geliebte Katze gestorben war. Nie wieder hat eine meiner Katzen ein so hohes Alter erreicht. Rubys roter Sohn wurde einundzwanzig Jahre alt. Ich denke, daß das frische, wilde Erbgut der Grund für soviel Vitalität ist. Leider ist mir nicht bekannt, wie alt Caruso geworden ist.

Gleich nach der Geburt hatten Caruso und die beiden Töchter von Ruby fast schwarz ausgesehen. Später entwickelten die beiden Kätzchen sich zu äußerlich wunderschönen Abessiniern. Sie hatten zwar noch Streifen um die Pfoten, wie die ersten Abessinier sie auch noch gehabt hatten, aber ihr "ticking" (also die kleinen Ringe, die jedes Haar hat, auch „Agouti" genannt) war dreifach und sehr deutlich, auf warm orange-brauner Basis, der Wunschtraum des Abessinierzüchters.

Rubys Nachkommen bestätigten die Theorie der afrikanischen Abstammung der Abessinier. Der erste Wurf von der Sudanesen-Abessinierhybridin - Ruby ließ eine deutliche Übereinstimmung im Erbgut der beiden Elternteile vermuten. Der zweite dagegen war fast noch erstaunlicher. Ruby war, zwar nicht geplant aber auch nicht verhindert, von einem lilac-point siamesischen Kater gedeckt (die Anwesenheit der Siamesen muss ich später noch ausführlicher beichten). Auf einmal hatten wir einen Wurf kleingefleckter Kätzchen, nicht forellengefleckt dieses Mal, sondern überdeckt von kleinen, sehr gleichmäßigen Flecken. Es waren Prachttierchen, die vom Vater auch noch einen Schatz von Farbgenen (Verdünnungsfaktoren) mitbekommen hatten. In späteren Generationen erschienen nicht nur schwarzgefleckte sondern auch chocolate-(braun)gefleckte, lilac- und blaugefleckte Kätzchen.

Mir kam der Gedanke, daß dies die Lösung eines Problems war, das ich kannte, seit so viele Besucher die Oncillas gesehen hatten. Es wollten so viele Leute gern wild aussehende, gefleckte Katzen haben, die nicht erst gezähmt zu werden brauchten. Es war die Idee! Ich muss wohl dabei sagen, daß die verschiedenen gefleckten Katzen, die es gegenwärtig gibt, noch nicht bestanden.

Die Idee wurde ein Reinfall. Ich stellte einen sehr schönen, braungefleckten Kater "Choco Spot" auf der Internationalen Katzenausstellung in Amsterdam aus, aber er wurde von den Besuchern kaum eines Blickes würdig gefunden. Der Richterbericht der englischen Richterin war verheerend: "Dieses Tier gehört keiner mir bekannten Rasse an. Wahrscheinlich ist es ein Mischling und hat auf einer Rassekatzenausstellung nichts zu suchen."

Jemand mit mehr Kampfbereitschaft hätte wahrscheinlich jetzt drei Generationen gezüchtet und dann um die Anerkennung gekämpft, aber dazu hatte ich nun wirklich keine Lust. Warum und für wen? Es kam noch dazu, daß in jener Zeit (es war die "Hippie-Zeit") gerade die Pelzmäntel aus Katzenfellen modern wurden und ich dachte mit Schreck an die Versuchung, die von gefleckten Katzenfellen ausgehen würde. (Heutzutage bedroht, wie ich hörte, eine andere Gefahr alle freilaufenden Katzen, nämlich die einer Katzenmafia, die die armen Tiere auf grausamste Weise fängt und tötet, um ihre Felle zu Rheumadecken zu verarbeiten, die kein anständiger Mensch kauft.)

Ich behielt also meine gefleckten Katzen wieder einmal allein für mich, und als aus den Würfen auch einfarbige Tiere geboren wurden, die den "guten" Typ des siamesischen Vorvaters hatten, habe ich die als experimentelle Orientalen ausgestellt. Diese Katzen wurden wohl gut beurteilt. Da gab es auf einmal verschiedene Farbschläge. Die schwarzen wurden "Ebony" genannt, die schokoladenbraunen "Havannas", die schieferfarbigen hießen "blaue Orientalen" und eine Zwischenfarbe, die dann entstand, als beide Eltern sowohl das blau als das braun im Erbgut hatten, hier "lavendel"; und später tauchte auch noch, ausgerechnet in meiner Zucht, kurz bevor sie auch in England auftauchten, milchschokoladebraune Orientalen auf, die wir "cinnamon" (Englisch für Zimt) nannten. Eigentlich waren das alles natürlich nur "Verdünnungen" der ursprünglich schwarzen Färbung des Felles (Mutationen also).

Um die Anerkennung der Ebonys hatte sich Frau Dagmar Thies aus Celle, die Autorin vieler Bücher über Katzenzucht, verdient gemacht. Die schokoladenfarbigen, blau- und lilafarbigen wurden im Laufe der Zeit in England anerkannt, aber die cinnamonfarbigen waren nun einmal bei mir aufgetaucht, noch ehe sie irgendwo anders in Erscheinung getreten waren, also durfte ich - etwas später natürlich - die Lorbeeren für die Präsentation eines neuen Farbschlages ernten. Von Zuchterfolg wurde gesprochen und von einer völlig neuen Farbvariation. Immerhin gab es Richard Dawkins' Buch von den unsterblichen, selbstsüchtigen Genen noch nicht und die Katzenzüchter sind nicht die einzigen Menschen, die gern so tun, als ob sie die Wunder dieser Erde erfunden haben.

Meine Orientalen sind für diese Geschichte nicht weiter wichtig, obwohl sie auf Ausstellungen immer recht viel Erfolg hatten. Es genügt zu melden, daß ich sehr liebe und schöne Tiere dieser Art hatte, an die ich mich gern und dankbar erinnere. Die meisten von ihnen konnten ihre gefleckten sudanesischen Vorfahren doch nicht verleugnen. Im Sonnenlicht sah man, vor allem bei jüngeren Tieren, die "Geisterzeichnung", das Erbe der gefleckten Vorfahren. So ab und zu tauchte bei dem einen oder anderen Nachkommen noch einmal ein Tierchen auf, das ausgesprochene Wildkatzenzüge hatte. Das gab schon einmal Komplikationen, aber niemals ernsthafte.

Die Vererbung der Flecken ist eine verzwickte Geschichte. Es ist wissenschaftlich erwiesen, daß unsere gegenwärtigen Hauskatzen ursprünglich von afrikanischen, mehr oder weniger gefleckten Katzen abstammen. Darum ist es nicht so erstaunlich, daß bei freilaufenden Katzen immer wieder gefleckte Exemplare auftauchen, das Erbe der Vorfahren ... . Unser gefleckter Jantje war keine Ausnahme; auf Bauernhöfen kann man oft wundervoll gefleckte Katzen sehen. Auch in Tierheimen findet man sie. Wer gern eine schöne, gefleckte Katze haben will, wird sie zweifellos mit etwas Geduld im Tierheim finden. Derjenige hat dann mit ihr ein Ebenbild der Urkatze und obendrein einen dankbaren Hausgenossen. Denn Katzen, die man aus dem Tierheim holt, sind, insofern sie nicht schon vorher so misshandelt sind, daß ihr Vertrauen zum Menschen zerstört ist, die besten und dankbarsten Freunde, die man sich wünschen kann. Das haben wir an unserem Jantje gesehen, aber auch an Panda, Romy, Vosje und Scampolo.

Zur Zeit hat auch die Rassekatzenwelt den natürlichen Charme des Fleckenmusters bei Katzen entdeckt. Heute würde selbst keine auch noch so konservative englische Richterin auf die Idee kommen, in einer Katze mit perfektem Fleckenmuster einen Bastard zu sehen, nur weil sie dafür keinen Standard kennt. Fast jede kurzhaarige Rasse kennt eine Variation mit Fleckenmuster. Die Orientalen, die Europäer (die komischerweise so heißen, weil die echten, ursprünglichen Hauskatzen mit Hilfe von den Persern schwerer im auf Ausstellungen erwünschten Typ geworden sind) aber auch neue Variationen wie die bezaubernden Ocicats, die als Hauptzutat Abessiniernblut haben, die Leopardcats und schließlich die Bengalen. Die Bengalen sind tatsächlich ein Versuch, ein wenig Wildkatzenblut in die Rassekatzen hinein zu retten. Der Ursprung liegt in Amerika. Felis bengalensis ist eine asiatische Wildkatze (am Ende des Buches gibt es ein Foto von einer bengalischen Wildkatze aus dem Besitz von Herrn Heiko von Glovcewski).

Kreuzungen mit Kurzhaarkatzen ergaben Jungtiere mit mehr oder weniger gutem Fleckenmuster, die inzwischen offiziell als Rassekatzen unter dem Namen "Bengalen" anerkannt sind. Es stellte sich heraus, daß die Nachkommen von diesen Kreuzungen fruchtbare Jungen hervor brachten. Das war auch zu erwarten, weil Felis bengalensis auch 19 Paar, also 38, Chromosomen hat.
Es gab sogar einmal die Theorie, daß Felis bengalensis der Vorfahre der Siamesen sein sollte. Diese Theorie hat man aber später wieder fallen gelassen. Trotzdem ist die Zucht dieser Bengalensis-Hybriden nicht ohne Probleme. Manche Nachkommen dieser Kreuzungen haben nämlich merkwürdigerweise nur 36 gepaarte (also 18 Paar) Chromosomen und zwei einzelne Chromosomen, die nicht „gepaart“ sind. Die Nachkommen dieser Hybriden sind zwar fruchtbar, aber die Kater, die aus dieser Verbindung geboren werden, sind steril; nur die weiblichen Tiere sind fruchtbar. Man hat versucht, die Nachkommen dieser und der folgenden Generationen zu Felis bengalensis zurück zu kreuzen, aber das hat wenig Erfolg, weil das Problem der sterilen Kater sich dadurch stets wiederholt. Trotzdem gibt es hier in Holland sehr ernst zunehmende Versuche, auf diese Weise ein zahmes Haustier zu züchten, das uns die Schönheit der Wildkatzen näher bringt und das wundervolle Fellmuster bewahrt. Ich habe bei einer bekannten Züchterin hier Tiere gesehen, die mich sehr begeistert haben. Die Züchterin war freundlicherweise bereit, mir ein Foto von dieser wunderschönen Katze für dieses Buch zur Verfügung zu stellen. Allerdings muss ich bekennen, daß man auf Ausstellungen manchmal Katzen unter dem Titel „Bengalkatzen“ sehen kann, mit denen jede Hauskatze konkurrieren kann. Ich vermute, daß man durch Ungeduld und verkehrte Zuchtwahl (z.B. das Einkreuzen von nicht geeigneten Katzen anderer Rassen) sehr schnell am hochgesteckten Ziel der ernsthaften Züchter vorbei schießen könnte. Da die „Bengalen“ genannte Katzenrasse jetzt grade auch noch eine Modekatze geworden ist und zu unglaublich hohen Preise verkauft wird, sollte man auch dringend vor Überproduktion warnen! Es täte mir leid, wenn mangelnder Sachverstand mancher Züchter dem Projekt schaden würde, einem Projekt, das ich wichtig finde, weil damit ein Fleckenmuster erhalten bleiben könnte, das, wie so viele andere, in der Natur auszusterben droht.
Die Bengalen, die ich bisher sah, sind teilweise recht zahm, sicher in der zweiten und dritten Generation. Das schönste Exemplar, das ich sah, war eine Katze der ersten Generation der Kreuzung von Wild- und Hauskatze. Sie war allerdings auch im Verhalten noch eine wirkliche Wildkatze. Zweifellos werden auch in zukünftigen Generationen Exemplare auftauchen, die den Charakter der wilden Vorfahren geerbt haben.

Wer einer solchen Möglichkeit nicht Rechnung tragen kann, sollte lieber vom Kauf eines Bengalen absehen. Dem Tier und sich selbst zuliebe. Möglicherweise tritt bei der neuen Rasse der Bengalen auch der erfreuliche Effekt ein, den ich bei den Nachkommen der sudanesischen Falbkatze wahrnahm, nämlich daß das reine Erbgut der ursprünglichen Wildkatzen die Vitalität der Rasse günstig beeinflusst und so die Lebensdauer bei sachgemäßer Haltung länger sein dürfte als bei den anderen Rassekatzen.

Es gibt unter den wilden Bengalkatzen solche mit soliden, also geschlossenen Flecken und - allerdings seltener - solche mit "offenen" Flecken, dem Rosettenmuster der Südamerikaner ähnlich. Bis heute habe ich noch keine Exemplare der neuen Rasse, die „Bengale“ genannt wird, mit diesem offenen Muster zu sehen bekommen.

Ich habe darüber so meine eigene Theorie, aber ich hoffe, daß sie falsch ist, weil damit die Hoffnung, gerade diese wundervolle Wildkatzenzeichnung des Rosettenmusters über die Rassekatzenzucht erhalten zu können, zunichte gemacht würde.

Das Rosettenmuster ist nämlich das weitaus interessanteste von allen Fleckenmustern. Wie kein anderes ist es Ausdruck des vollkommenen Mimikry im Dschungel: Licht und Schatten, die Kreise, die die Sonne auf den Boden des Waldes wirft. Im Vererbungsbild der Rassekatzen gibt (oder gab?) es bisher kein Rosettenmuster. Bei den wilden Katzen ist es Kennzeichen der Panther, der Jaguars, der Ozelots, Margays und Oncillas. Auch bei den Schleichkatzen, den ältesten Vorfahren der Wildkatzen, gibt es dieses Fleckenmuster. Ich bin fast überzeugt, daß dieses Kennzeichen der pantherartigen Wildkatzen einen ganz eigenen genetischen Code hat. Es ist die Frage ,ob er auch auf andere Katzen zu übertragen ist. Es wird verloren gehen, wenn man die Wildkatzen verloren gehen lässt. Ein paar Pelzmäntel und ein paar präparierte Felle im Museum werden dann die letzten Zeugen von diesem schönen und eindrucksvollen Resultat der Evolution sein. Einmal ausgerottet sind sie der Welt abhanden gekommen und keiner unserer schlauen Wissenschaftler, die unserer Neuzeit soviel Fortschritte erdacht haben, ist im Stande, sie wieder zu erschaffen.

Das Wort von Arthur Beetle Hough hat sicher in nicht geringem Maße seine Bedeutung in Bezug auf die gefleckten Wildkatzen, die ihrer schönen Felle wegen durch die Jahrhunderte hin vom Menschen verfolgt und getötet werden.

Dass das Rosettenmuster seinen eigenen genetischen Code hat, ist keineswegs unwahrscheinlich. Um nicht zu technisch zu werden, kann ich das hier nur ganz kurz andeuten. Erfahrenen, seriösen Katzenzüchtern erzähle ich nichts Neues, wenn ich daran erinnere, daß auch die drei verschiedenen Fleckenmuster der gefleckten Haus- und Rassekatzen jedes seinen eigenen Vererbungscode hat. Die „Forellengetüpfelten“ sind mit den „Ticked-Tabbys“ verwandt, also mit den Katzen, die wie die Abessinier ein Fell haben, dessen Haarpunkte dunkler gefärbt sind. Die grobgefleckten Katzen gehören zur Familie der „Blotched Tabbys“, deren Fell ein Muster hat, das im Nicht-Fachjargon „Marmor- oder Räderzeichnung“ genannt wird, und die etwa dazwischen liegenden kleineren, aber nicht forellengetüpfelten Fleckenmuster sind mit den schmaler gestreiften Tabbykatzen verwandt.

Dreißig Jahre lang habe ich in engem Kontakt zur Katzenzucht gestanden. Ich kenne die Stammbaumprobleme, die Diskussionen über die wohl oder nicht Anerkennung von neuen Rassen und das Lieben und Leiden der Produkte all' dieser Aktivitäten: der Katzen. Ich kenne den Ernst, mit dem das Spielchen des Wettstreits auf den Ausstellungen gespielt wird. Trotz des zweifelhaften Nutzens des Ganzen war diese Periode für mich keine völlig verlorene Zeit. Sie hat mir einige Erkenntnisse in die Hintergründe der genetischen Gesetzmäßigkeit der Vererbung gegeben. Dieser kleine Einblick in das Rezeptbüchlein der Natur war, abgesehen natürlich von der Hauptsache, den Katzen selbst, mit Abstand das Beste an der ganzen Katzenzucht.

Der neue Trend zu gefleckten Katzen, namentlich die - hoffentlich nicht vorübergehende - Begeisterung für die Bengalen und andere gefleckte Rassekatzen, könnte das Interesse der Katzenliebhaber wieder in eine natürlichere Richtung lenken. Weg von der Industrialisierung der Katzenzucht, die den Käufer mit immer neuen, meist unnatürlichen „Modellen“ locken will, die mit der wahren Katzenart fast nichts mehr gemein haben, als die vier Pfoten, die bei manchen Rassen zum Laufen und Springen nicht mehr taugen, einen Kopf, dessen Nase zu kurz zum Atmen ist, die Schnauze, die nicht mehr zum Beißen und schon gar nicht zum Beutefang taucht oder Ohren, die durch Erbfehler zu klein oder gar gefaltet sind. Dazu kommen Fellkonstruktionen, die bei Regen zum Hindernis werden, statt zum Schutz, und Fellfarben, die in der Natur nur als Defizit gelten könnten. Das alles soll dem Käufer vorspiegeln, daß er etwas „Besonderes“ kauft.

Ich habe immer geglaubt, daß unsere Hauskatzen sich im Notfall auch unsere Hilfe erhalten können sollten. Man weiß ja, daß Notfälle, in denen Menschen mehr oder weniger durch menschliche Schuld aus dem Alltag herausgerissen werden, in unserer „zivilisierten“ Welt nicht auszuschließen sind. Eine gesunde, gefleckte Katze, sicher wenn sie wie bei den Bengalen noch etwas „Naturblut“ in sich trägt, sollte einer solchen Anforderung gewachsen sein. Obendrein lenkt das Bild der gefleckten Katzen den Blick zurück zum Ursprung der Feliden. Eine gute Sache also für den Naturschutz.

Unsere drei neuen Oncilla-Hybriden, schön und sehr urwüchsig aussehend, waren zwar äußerlich völlig gleich, im Charakter aber gab es große Unterschiede. Jedes von ihnen hatte seine Eigenheiten, seine Gewohnheiten, Anti- und Sympathien. Das stellte sich schon bald heraus. Auch Aurelia schien zu fühlen, daß sie keine "gewöhnlichen" Katzenkinder aufzog. Sie war unruhig, wahrscheinlich weil ihre Babys ungewöhnlich lebendig waren. Immer wieder zog sie mit den Kleinen um, mal auf einen Sessel, mal in ein Eckchen unter dem Tisch mitten im Zimmer, oder sie zog ausgerechnet ein Weihnachtsdeckchen mitsamt den darauf stehenden Weihnachtsplätzchen herunter und machte daraus einen Schlafplatz, eine neue Version der Weihnachtsdekoration.

Als die Jungen anfingen, sich selbständig zu machen und das Haus zu erobern, war ihr Abenteuerdrang kaum zu bändigen. Sie hatten niemals Angst vor den anderen Katzen und sogar Buena zog sich auf ihren Korb oben auf dem Schrank zurück, wenn sie zu dritt angestürmt kamen.

Ich hatte erwartet, daß die drei Gloria als ihre Halbschwester erkennen würden, aber sie hatten genug aneinander. Gloria ihrerseits suchte gern die Gesellschaft ihrer so schön wilden, jungen Halbschwestern.
Gloria war eben eine sehr gesellige Katze, sie suchte immer Kontakt, zu den anderen Katzen und auch zu uns Menschen.

Gladys, die kleinste von Aurelias Babys, hatte ebenfalls einen sehr anhänglichen, richtig abessinierhaften Charakter. Glamour war etwas kräftiger, etwas reservierter, aber doch sehr umgänglich und zutraulich. Nur Glauca war eigentlich eine richtige Wildkatze. Sie fauchte, sobald man sie anfasste, kratzte auch wenn ihr das grade so auskam, kurzum bei ihr machte das wilde Erbe sich bemerkbar. Natürlich wurden alle gleich behandelt, daran konnte es nicht liegen. Gerade mit Glauca habe ich mich extra viel beschäftigt, um sie zu "zähmen", aber ich kann nicht behaupten, daß ich damit viel Erfolg gehabt habe. Auch den anderen Katzen gegenüber wurde sie im Laufe ihres Lebens immer schwieriger. Das gab erst kleine, später ernsthafte Probleme. Heute würde ich kaum noch wagen, ein Tier wie Milagro mit seinem wilden Erbgut mit einer Katze unserer domestizierten Rassen zu kreuzen. Mir ist inzwischen deutlich geworden, daß jede Spezies oder Subspezies ihren eigenen Entwicklungsweg hat, der an seine Lebensbedingungen angepasst ist. Ein zahme Wildkatze oder ein zahmes Wildtier überhaupt, tarnt ungewollt sein wildes Erbgut dem Menschen gegenüber. Zähmung ist nicht erblich. Durch die Zusammenfügung des so sorgfältig selektierten Genmaterials entsteht das Risiko eines Konfliktes der erblichen Eigenschaften, die entweder verdoppelt werden können (z.B. normaler Verteidigungsdrang entartet in Aggression), oder die einander aufheben. Im letzten Fall bekommt man dann ein ganz besonders sanftes Tier.

Mir fiel wieder auf, daß es eigentlich niemand richtig interessierte, wenn ich darüber sprach, wie verschieden diese vier äußerlich so gleichen Oncilla-Hybriden waren. Ein freundliches "Ja, ja", war die stärkste Reaktion. Dabei war gerade das so aufschlussreich. Nur Professor Leyhausen zitierte philosophisch den Faust zu dem Thema: "Es wohnen eben zwei Seelen in ihrer Brust." Er wußte um das Problem des verschiedenen Erbgutes der Eltern. Mir war es schon recht, daß er das Wort Seele im Zusammenhang mit den Katzen gebrauchte.

Das war für damalige Begriffe sehr fortschrittlich. Eine oder gleich zwei, das war nicht so wichtig. Nach meiner Meinung, - und das ist heute nicht mehr ungewöhnlich - hat jedes Tier eine eigene Seele, aber die kann, genau wie bei den Menschen, ziemlich kompliziert sein. Ob Mensch oder Tier, um die Eigenschaften dieses merkwürdigen Mechanismus, den wir Seele nennen, kommen wir nicht umhin. Nur für Menschen gibt es zur Behandlung von Komplikationen irgendwelche, wenn auch oft umstrittene Seelenklempner. Die Tiere müssen allein mit ihren Problemen fertig werden.

Henri Milne Edwards schreibt: "Die Wissenschaft zeigt zwischen dem Wirken der Intelligenz bei Menschen und bei bestimmten Tieren keine Unterschiede auf, die radikal genug wären, um die Behauptung zu erlauben, daß die Seele der Letzteren von anderer Natur sei. wäre als die menschliche Seele."

Mit Seele meine ich übrigens nicht den mystischen Begriff, wie ihn die Religionen anbieten, sondern eher die Interpretation des Wortes Seele der holländischen Anthropologin Barbara Noske, die die Begriffe "die Innerlichkeit" oder "das Selbst" benutzt. Auch "das Innerliche" der Tiere, um bei dem Terminus von Barbara Noske zu bleiben, kann kompliziert sein, genau wie das der Menschen. Bei Glamour, der schwierigsten der Hybriden, ist mir das mehr als deutlich geworden.

Von meinen Tieren waren keine zwei gleich. Jedes hatte seine Eigentümlichkeiten, seine Vorlieben und Antipathien. Das zu beobachten hatte ich genügend Gelegenheit.

Man braucht sich sicher nicht vorzustellen, daß es bei uns keine Langeweile gab. Da war Buena, da war der Kinkajou, da war Milagro, den man je länger je mehr unter Kontrolle halten mußte, erstens weil er den anderen Katzen gegenüber ziemlich herrschsüchtig geworden war, zweitens, weil er nun wirklich nicht noch eins der Abessiniermädchen erwischen sollte, wenn sie rollig war. Das wäre zuviel des Guten gewesen.

Da war Candy, die jetzt mit ihren Kindern das Haus eroberte, oder Gloria, die ich immer wieder zu Anuschka und deren Kindern zurückbringen mußte, weil sie am liebsten den ganzen Tag an meinen Beinen hängen wollte. Das alles noch einmal abgesehen von den anderen "pflegeleichteren" zwei- und vierbeinigen Hausinsassen.

Und jetzt war da wieder das Trio von Aurelia. Schon weil man nicht wissen konnte, wie sie sich entwickeln würden, mussten die drei viel Zuwendung haben.

Weihnachten - Neujahr - Karten schreiben - telefonieren - Katzen füttern - Menschen nicht vergessen -

"Wer hat meinen linken Handschuh gesehen?"-

"Der liegt unterm Schrank, mit dem spielt Gloria!

Keine Zeit, keine Zeit zum Nachdenken! - Nur ab und zu hatte ich das Gefühl, daß ich etwas vergessen hatte, irgend etwas das ich hätte tun sollen....

Im Januar, als der Weihnachtsrummel vorüber war, wußte ich, was ich verdrängt hatte: ich hätte längst Herrn van der Hoest, dem Pressechef der Firma Verolme, von der Geburt der jungen Oncillas berichten müssen. Es waren schließlich Candys Junge und ich hatte sie im Grunde der Firma Verolme zu verdanken. Ich nahm mir vor, das Versäumte nun bald nachzuholen.