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Hauskatzen am Topkapi

Kapitel 27 - Zum Geburtstag

viel Glück

Die Zeitschrift, die der Verein publizierte, der das Züchten und Liebhaben von Katzen fördern wollte und bei dem ich Mitglied war, fragte immer wieder um Beiträge für seine Zeitschrift. Trotz vieler Arbeit und einem chronischen Mangel an genügend Schlaf, setzte ich mich ab und zu an die Schreibmaschine und schrieb meine Katzenzüchter-Erfahrungen auf.

Die Geschichte von Miranda und ihrer Stieftochter Cilla erschien mir interessant genug zu sein, um einen kleinen Bericht darüber zu verfassen. Das Schlimme war, daß auch wieder eine Abessinierkatze genannt werden mußte. Miranda war schließlich die Heldin der Geschichte. Dazu kam, daß ich gerade einen Bericht an eine Zeitschrift in England geschickt hatte, in dem ich feurig für den Erhalt des ursprünglichen Abessiniertyps plädiert hatte. Damit hatte ich mir bei denen Feinde gemacht, die grade Abessinierkatzen aus den USA importiert hatten, die den ursprünglichen kaum noch ähnlich sahen. Und obendrein hatten nicht nur Assunta und Dalila auf Ausstellungen höchste Auszeichnungen errungen, sondern waren auch ihre Nachkommen genauso schön und erfolgreich. Der Gefahr, die Erfolg mit sich bringt, war ich mir damals noch nicht bewusst. Das sollte sich aber schnell ändern.

Es war am 15. März. Das weiß ich so genau, weil ich am 15. März Geburtstag habe. Ich hatte, wie immer, eine Geburtstagstorte gebacken und dick mit Schlagsahne garniert, denn die Vokabel "Cholesterinspiegel" gehörte zu der Zeit noch nicht zu meinem Wortschatz. Die Torte stand mitten auf dem Tisch und ich stand noch in der Nähe und bewunderte mein Werk.

Die Türglocke klingelte! - So früh schon? - Blumen?- die Post?

Ich öffnete. Zwei Herren in grauen Anzügen standen vor der Tür. "Wir sind vom Tierschutzverein. Es liegt eine Anzeige gegen sie vor. Sie sollen wilde Tiere in viel zu kleinen Käfigen halten oder jedenfalls nicht artgemäß. Dürfen wir hereinkommen?"

- Hätte ich "nein" sagen sollen? Hätte ich sagen sollen: "Wenn Sie nicht einmal die Namen der Tiere kennen, deren Haltung Sie kontrollieren wollen, was tun Sie dann hier?" Es hätte keinen Zweck gehabt und sowieso, warum? Es kamen schließlich eine Menge Leute, um "das" zu sehen. Nur an meinem Geburtstag passte es nicht grade gut.

"Bitte, kommen sie nur herein." Ich schloss die Haustür und öffnete die Tür zum Wohnzimmer.

Da stand die Torte auf dem Tisch und da stand Milagro, sehr unartgemäß, mitten in der Torte mit einem Schnäuzchen, das voller Schlagsahne war. Er störte sich auch nicht an den fremden Leuten. Milagro störte sich an niemand.

Ehe ich nun den Vorwurf bekommen würde, daß ich meine Katzen mit unartgemäßer Schlagsahne misshandele, sagte ich matt: "Ich habe nämlich gerade Geburtstag. Darf ich Ihnen ein Stück Torte anbieten?"

Die zwei übten Chorsprechen: "Nein, danke!" sagten sie, wie aus einem Munde.

Mir zitterten noch immer die Knie, ich rief in die Küche: "Saskia, bitte ruf mal schnell bei meinem Mann an. Er soll so schnell wie möglich nach Hause kommen!"

"Eine Tasse Kaffee, vielleicht?" fragte ich das Duo. Die wollten sie wohl annehmen. Irgendwie merkte man, daß die Akzente sich langsam verschoben.

Saskia brachte den Kaffee. - "Der in der Torte, das ist Milagro, ein Oncillakater", sagte ich, "Und da, beim Fernseher, das ist eine von meinen Abessinierinnen, sie heißt Cleo. Die rote, da oben auf dem Schrank, heißt Dalila. Da auf dem Sessel liegt Candy, unser Oncillaweibchen, und neben ihr, das ist Scampolo. Den hat irgendwer mal im Park Sonsbeek ausgesetzt. Eine Dame vom Tierschutz brachte ihn mir und seitdem wohnt er hier, weil im Tierheim kein Platz für ihn war. Und da vor dem Fenster sitzt Jantje. Der lag, etwa vier Wochen alt, auf dem Steinboden im Tierheim ihres Tierschutzvereins, als ich ihn fand."

Ich dachte: "Man muss doch Auskunft geben."

"Was bekommen Ihre Katzen zu fressen, wenn sie nicht gerade Schlagsahne haben?" fragte der eine Herr noch. Ich erzählte es ihm.

"Und wo schlafen sie?"

"Och, eigentlich überall hier im Haus. Sie haben alle ihre eigenen Gewohnheiten und feste Schlafplätze. Das heißt, ganz oben, im dritten Stock, da schlafen nur mein Mann und ich und Jantje. Der schläft immer auf unserem Bett."

"Haben Sie einen Tierarzt für ihre Katzen?"

"Ich habe zwei, Dr. van Werven und Dr. Evers. Sie sind beide ganz sicher bereit, Ihnen alle Informationen über den Zustand meiner Katzen zu geben."

Die Herren standen auf: "Es muss wohl ein Irrtum im Spiel sein."

Ich begleitete sie hinaus. Im Flur kam Buena die Treppe herunter geschwebt. Sie schwebte immer mehr, als daß sie lief. Ihre Beinmuskeln waren so stark, daß ihre Füße kaum den Boden berührten.

Halbwegs auf der Treppe blieb sie stehen. Sie sah die beiden Besucher an. Blieb nur stehen und sah sie mit ihren blauschwarzen Scheinwerferaugen an. Diese stille Beobachtungshaltung nannte ich immer ihre "Kontrollstation".

Ich sagte: "Das ist Buena, unser Baumozelot. Sie dürfen sie streicheln, wenn sie wollen. Sie tut Ihnen nichts."

Der Tierschutz verzichtete auf das Privileg, endlich einmal im Leben eine Margay streicheln zu dürfen.

Mit der Hand auf der Türklinke fragte ich dann: "Was hätten Sie getan, wenn meine Tierhaltung ihren Ansprüchen nicht genügt hätte?"

"Wir hätten die Tiere beschlagnahmt und ins Tierheim gebracht....oder in den Zoo....", sagte der eine Herr mit einem Blick auf Buena. Es fehlte nur noch, daß er sagte: "Wir hätten sie ZU IHREM BESTEN ins Tierheim gebracht." - in DAS Tierheim!

"Und würden Sie mir bitte jetzt auch sagen, wer die Anzeige erstattet hat?"

"Nein, darüber geben wir keine Auskunft."

Buena, die ein genau so feines Gefühl für drohende Situationen hatte wie später meine Deutsche Dogge "Honey" und die mich, genau so wie Honey, noch vor dem Teufel verteidigt haben würde, Buena, die königliche, kam etwas näher. Mit einem eleganten Sprung landete sie auf der Flurgarderobe. Die Herren machten einen Schritt weiter in Richtung Haustür. Ich selbst stand noch immer mit dem Rücken gegen die Tür gelehnt.

"Aber finden Sie nicht, daß ich ein Recht darauf habe, zu wissen, wer mir und meinen Tieren so etwas antun möchte?"

Sie sahen sich an. Schließlich sagte der Eine: "Es war Mevrouw O. vom Verein F., bei dem Sie Mitglied sind."
("Oh Gott", dachte ich, "Frau O., die tapfere Verteidigerin des amerikanischen Typs der Abessinier, die sich so über meinen Artikel aufgeregt hat!")

"Danke", sagte ich, "und Guten Tag."

Buena zuckte ein wenig zusammen, als ich die Tür hinter der Tierschutzdelegation schloss. Die Tür war mir wohl etwas hart aus der Hand gerutscht. Buena war Geräuschen gegenüber nun einmal empfindlich.

"Sei nicht böse, Buena", sagte ich zu ihr, "Ich konnte nichts dafür, die Tür fiel mir aus der Hand. Und die Leute, da eben, die konnten auch nichts dafür. Die taten nur ihre Pflicht."

Gleich darauf kam mein Mann: "Was ist los? Saskia rief an und sagte, daß ich ganz schnell nach Hause kommen müsste. Sie tat, als ob das Haus in Brand stände."

"Es ist schon vorbei", sagte ich, "Ich hatte Besuch. Willst Du ein Stückchen Torte? Viel Sahne ist nicht mehr drauf."

Mein Mann legte die Blumen, die er noch in der Hand hatte, weg und beklagte sich: "Und dafür muss ich also fast ein Strafmandat für Geschwindigkeitsübertretung riskieren?"

Beim Tässchen Kaffee, während Milagro in aller Ruhe die Blumen Stück für Stück aus der Vase zog, in die ich sie schnell gesetzt hatte, erzählte ich meinem Mann, was vorgefallen war.

"Nette Freunde hast du in deinem Katzenverein", sagte er.
"Sie sind nicht alle so."

"L'enfer, c'est les autres." sagte mein Mann.
"Wie bitte?"
"Sartre: 'Die Hölle, das sind die anderen!'" sagte er wieder.
Und ich: "Sartre muss Mitglied bei einem Katzenverein gewesen sein."
"Nein, nicht nötig. Er war nur ein Mitglied der Menschheit ... . Gut, und wie geht's dir jetzt?"
"Ich fühle mich, als ob die Katzen und ich gerade dem Tode entronnen sind. Wie neugeboren, reinkarniert, sozusagen."
"Na dann, viel Glück zum Geburtstag!“ sagte mein Mann.