Hauskatze
Heilige Birmakatze
Sandkatze
Eurasischer Luchs
Gepard
Hauskatzen am Topkapi

Vorwort

Es liest sich so einfach: „Dieses ist eine vom Aussterben bedrohte Tierart.“ Uns steht dabei ein biologischer Begriff vor Augen. Wenn dagegen jemand sagen würde "Die Menschheit stirbt aus", dann würden wir ganz anders reagieren, wir würden an unsere Nachkommen denken, an einzelne Personen, Individuen, nicht an eine "Art".

Ich habe einige Exemplare von bedrohten Tierarten höchst persönlich und als sehr spezifische Individuen kennen gelernt und diese, so besondere Erfahrung verpflichtet mich, von ihnen zu berichten.

Eigentlich sollte dieses Buch eine Fotoreportage werden. Schließlich sprechen die meisten Fotos schon für sich. Doch die einzigartigen Erfahrungen mit meinen so seltsamen Tieren bedurften der Beschreibung.

Meine Erkenntnisse und meine Überzeugung, dass jedes Tier seinen ganz persönlichen Charakter und Wert hat und die Schlüsse, die ich aus diesen Erkenntnissen ziehe, stehen in diesem Buch.

Die holländische Ausgabe dieses Buches erschien 1996. Angefangen es zu schreiben hatte ich 1992. Nachdem hatte ich ungefähr jedes Jahr noch einmal die Zahlen korrigiert, die ich hier und da mit Bezug auf ökologische Themen genannt hatte. Jedes Mal musste ich meine Zahlen in negativer Richtung korrigieren. Jetzt, beim Erscheinen der deutschen Version versuche ich das nicht mehr. Morgen wären auch diese Zahlen wieder überholt. Ich glaube, es ist wirksamer, wenn man vergleichen kann und sehen, wie schnell alles verändert. Es ist schließlich längst an der Zeit, grade darüber nachzudenken und zu handeln.

Mein ganz persönliches Anliegen an jeden, der dieses Buch zu lesen bekommt ist vor allem dieses: Niemand möge dieses Buch als Anreiz auffassen, sich jetzt eine Tigerkatze (oder ein anderes exotisches Tier) an zu schaffen.
Keiner weiß besser als ich, wie schwer es ist, ein solches Tier wenigstens annähernd artgerecht zu halten.
Die in diesem Buch beschriebenen Erfahrungen habe ich vor vierzig Jahren gemacht, als die Umstände noch so waren, dass diese Tiere zwar auch bereits bedroht waren, aber noch nicht kurz vor der gänzlichen Ausrottung standen. Heute würde ich nicht im Traume mehr daran denken, mir eine Tigerkatze oder dergleichen einfach zu bestellen, auch wenn man das Tier noch kaufen und importieren könnte. Und Tiere, die man im leider immer noch blühenden illegalen Handel erstehen kann, sollte man darum nicht kaufen, weil man diesen Handel nicht unterstützen sollte. Aber wer, aus welchem Anlass auch immer, legal an eins dieser Tiere gerät, weil er es aus einer erbärmlichen Situation retten möchte, sollte bedenken, dass es einen großen materiellen und zeitlichen Aufwand kostet und dass man sein ganzes Privatleben auf diese Verantwortung einstellen muss. Wem das nicht möglich ist, der sollte solch ein Tier lieber einer dieser Rettungsstationen, die es zum Glück gegenwärtig gibt, anvertrauen. Schließlich hat sich jetzt endlich auch bei vielen Tiergärten die Einsicht durchgesetzt, dass es besser und sogar dem Publikum angenehmer ist, wenn man nicht „schreckliche Bestien“ zur Schau stellt, sondern Tiere aus bedrängten Situationen rettet. Man denke an das Projekt „Berenbos“ das ich in diesem Buch beschreibe.

Doorwerth (Niederlande), 2001

Maria Falkena-Röhrle