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Tierversuche für Tiernahrung

Tierversuche für Tiernahrung

von Astrid Reinke, Tierärztin
mit freundlicher Genehmigung der Datenbank-Tierversuche

In deutschen Haushalten werden rund 23 Millionen Heimtiere (ohne Fische, Amphibien und Reptilien) gehalten. Fast alle fressen Fertigfutter. Kaum einem Tierhalter ist bewusst, dass täglich unzählige Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen, Pferde, Schafe, Schweine, Vögel und viele andere Tiere in Versuchslaboren für Tierfutter leiden müssen.

Futtermittelhersteller behaupten gerne, lediglich harmlose Geschmackstests durchzuführen. Dass wir solchen Auskünften nicht trauen dürfen, hat kürzlich das Beispiel der Firma »Iams« gezeigt. Die Tierrechtsorganisation PeTA hatte bei Iams in den USA undercover dokumentieren können, wie Hunde und Katzen in dunklen Käfigen ohne Unterlage vor sich hinvegetierten. In Massenabfertigung wurden chirurgische Eingriffe an Hunden vorgenommen. Die einzeln in winzigen Käfigen gehaltenen Tiere zeigten schwerste Verhaltensstörungen. Andere Futtermittelhersteller verweisen darauf, mit Tierernährungsinstituten von Universitäten zusammenzuarbeiten. In unserer Datenbank sind zahlreiche Beispiele auch aus Deutschland dokumentiert.



Experimente im Tierernährungsbereich

Vögel
36 gesunde Unzertrennliche (Kleinpapageien) werden paarweise in 80x 40x 40 cm großen Stoffwechselkäfigen (1) gehalten. Der Käfig ist an drei Seiten geschlossen, seine Einrichtung besteht aus 2 Sitzstangen an der Gitterseite und einem Wasserspender. Die Tiere werden mit einem Fertigfutter gefüttert, welches unterschiedliche Mengen Vitamin K3 enthält. Diverse Blutproben werden entnommen. Ein Teil der Vögel wird nach sechs Monaten getötet. Ihre Organe werden untersucht. Mit den verbliebenen Tieren wird der Versuch noch weitere vier Monate fortgesetzt (2)

Katzen
An 8 gesunde Katzen wird viele Wochen lang Futter unterschiedlichen Eiweißgehaltes verfüttert. Die Tiere werden mehrmals 8 Tage lang einzeln in Stoffwechselkäfigen (1) gehalten. Dabei dürfen sie sich einmal täglich während der Käfigreinigung frei im Raum bewegen. Am Ende jeden Versuchsdurchganges wird ihnen für mindestens 36 Stunden das Futter entzogen. In Narkose werden je fünf Gewebeproben aus dem Darm entnommen. Danach gehen die Versuche mit einem anders zusammengesetzten Futter weiter (3)

Hunde
Welpen werden mit Mineralstoffen oder Vitaminen über- oder unterversorgt, zum Teil bis sich deutliche Symptome wie z.B. Appetitlosigkeit, Gelenkprobleme, Wachstumsverzögerungen, Fellveränderungen usw. zeigen. Ein Welpe stirbt während der Versuche. Das weitere Schicksal der anderen Tiere wird nicht beschrieben (4).

Viele Futtermittelhersteller unterhalten Tierlabors im Ausland oder arbeiten mit ausländischen Universitäten zusammen. So wird Hunden z.B. im Anschluss an Futtertests, der Bauch geöffnet und Proben aus dem Darm entnommen, oft mehrere Male hintereinander, nach verschiedenen Fütterungstests. Oder man probiert, ob die Fütterung einer Nierendiät Vorteile bringt, wenn man gesunden jungen Hunden künstlich einen Nierenschaden zufügt (5).



Warum Tierversuche?

Das Versuchstier wird als Messinstrument benutzt. Man füllt vorne etwas hinein und misst an anderer Stelle was herauskommt. Aus »Nutztieren« will man die maximale Leistung herausholen. Bei »Heimtieren« geht es darum, sich durch neue Futterzusammensetzungen Marktvorteile zu sichern.

Für verschiedenste Erkrankungen gibt es bereits wirksame Diäten, zudem sind zahlreiche Rezepturen zum Selberkochen bekannt, z.B. Herz- Kreislauf-, Nieren-, Leber-, Diabetes-, Arthrosediäten. Bei der Entwicklung solcher Diäten für Menschen brauchte man keine belastenden Menschenversuche. An Versuchstieren dürfen jedoch grausame Quälereien verübt werden, damit der Hund, die Katze oder das Meerschweinchen im Privathaushalt das bestverkäuflichste Futter erhält.

Auch in der Tierernährung wäre es, wie im Bereich der Ernährungswissenschaften des Menschen, machbar, weitere Verbesserungen durch gründliche Auswertung bekannter Tatsachen, durch Beobachtung und Erstellen epidemiologischer Studien zu erreichen. Erforschen von Ursachen und Zusammenarbeit mit Tierärzten und Tierhaltern sind weitere Wege Futtermittel ohne Einsatz von Versuchstieren zu entwickeln. Dass trotzdem Tierversuche hinter verschlossenen Türen und unter künstlichen Laborbedingungen durchgeführt werden, legt den Verdacht nahe, dass die Ergebnisse der Untersuchungen im eigenen Interesse beeinflusst werden. Die Futtermittelbranche boomt. Tierfutter wird üblicherweise nicht aus Sicht des Tieres, sondern aus Sicht des Tierhalters gekauft. Dem Kaninchen sind die Regenbogenfarben und die Form seiner Futterherzchen egal. Der Katze schmecken Cräcker in Katzenkopfform ebenso wie im Fischlook. Aufgrund von Umfrageergebnissen werden Futtermittel mit Merkmalen entwickelt, für die Tierhalter am meisten Geld auszugeben bereit sind.



Werbung mit niedlichen Szenen glücklicher Tiere

Kaum ein Tierhalter weiß, dass Firmen, die aufwendige Fotowerbekampagnen mit verspielten, niedlichen und vor allem glücklichen Tieren zeigen an anderer Stelle Versuchstiere quälen. Qualitätstierfutter sind im allgemeinen ausgewogen und Tierärzte sehen kaum Abmagerung oder Mangelerscheinungen infolge minderwertigen Fertigfutters. Trotzdem werden weiter Tierversuche gemacht, ständig werden Farbe, Bröckchengröße oder Geschmack des Futters geändert, werden neue Inhaltsstoffe hineingemischt, die fantasievolle Namen tragen und von denen kurze Zeit später niemand mehr spricht.

Neuerdings werden Futtersorten für bestimmte Rassen angeboten. Statt züchtungsbedingte Defekte wie z.B. Haarprobleme der Perserkatzen, Haut-, Verdauungs-, und Gelenkprobleme des Deutschen Schäferhundes und viele andere mehr durch eine Änderung des »Rassestandards« ursächlich anzugehen, bleiben die bekannten Schwachstellen der Rassen bestehen und Tierhalter werden gedrängt, die gesundheitlichen Probleme mit einem speziellen Futter zu entschärfen.

Tierexperimentelle Tierernährung - ein Beispiel für grausame und sinnlose Tierversuche; Tierversuche, die niemand braucht, weder Mensch noch Tier.

Literatur und Erläuterungen:
(1) Ein Stoffwechselkäfig ist eine kleine Kammer, kaum größer als das entsprechende Tier selbst, die eine Messung der ein- und ausströmenden Luftmenge, der aufgenommenen Nahrungsmenge sowie der ausgeschiedenen Kot- und Harnmenge erlaubt
(2) Untersuchungen an Ziervögeln (Agapornis spp.) zur Verträglichkeit unterschiedlich hoher Vitamin-K-3-Gehalte im Alleinfutter, Carolin Hupfeld, Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Dissertation 2003
(3) Einfluss der Proteinversorgung auf einige mikrobielle Metaboliten im Darmlumen und Harn sowie die Histologie des Kolons bei Katzen, Susanne Oldenhage, Institut für Tierernährung der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Dissertation 2003
(4) Röntgenologische und sonografische Überprüfung ausgewählter Parameter des Knochenwachstums an mit Calcium, Phosphor oder Vitamin A fehlversorgten Beagles und Foxhound-Boxer-Labrador-Mischlingen, Susanne Flinspach, Institut für Physiologie, Physiologische Chemie und Tierernährung, Lehrstuhl für Tierernährung und Diätetik der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, Dissertation 2003
(5) Recent Advances in Canine and Feline Nutritional Research- Proceedings of the 1996 Iams International Nutrition Symposium, Ohio 1996 S. 51ff und S.143ff

Anmerkung:
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tierversuchsfreier Futtermarken.