Buch der Seelen

Das Buch der Seelen - Prolog

Bevor die Himmel standen, bevor das Licht sich offenbarte, bevor die Wege waren, waren die Seelen.

Sie sind nicht Atem, doch sie tragen den Atem.
Sie sind nicht Geist, doch sie spiegeln den Geist.
Sie sind nicht Stille, doch sie ruhen im Schweigen.
Sie sind nicht Leben, doch sie entzünden das Leben.

Die Seelen sind die ersten Funken des Ursprungs –
nicht geboren, sondern erwacht.

Erstes Lied: Vom Ursprung der Seelen

1 Der Ursprung atmete, und aus seinem Atem entstand der Geist.

2 Und in der Tiefe dieses Atems glomm ein Funke, der nicht verging.

3 Dieser Funke ist Seele,

4 nicht Form, nicht Kraft, sondern Wesen.

5 Die Seele ist die Grenze zwischen Ursprung und Welt,
zwischen Sein und Werden, zwischen Atem und Leben.

Zweites Lied: Von der Gestalt der Seelen

6 Die Seele trägt keine Form, doch sie berührt jede Form.

7 Sie ist nicht vollkommen, doch ist sie rein.

8 Ihre wahre Gestalt ist jenseits aller Bilder, denn die Seele ist nicht Form, sondern Stille.

Drittes Lied: Von der Tiefe der Seelen

9 Die Tiefe der Seele ist kein Abgrund, sie ist ein Gefäß.

10 Dort ruhen Erinnerungen, die nie gesprochen wurden, und Wahrheiten, die noch nicht getragen werden.

11 Die Tiefe der Seele ist die Tiefe des Ursprungs.

Viertes Lied: Von den Aufaben der Seelen

12 Die Seele trägt das Wesen, bevor das Wesen sich selbst trägt.

13 Sie bewahrt, was wahr ist.

14 Die Seele ist die Wächterin des Inneren.

Fünftes Lied: Von der Reise der Seele

15 Die Seele wandert, bevor der Körper geht.

16 Sie sieht Wege, bevor Augen sehen.

17 Sie erkennt Prüfungen, bevor sie erscheinen.

18 Ihre Reise beginnt nicht mit Geburt und endet nicht mit Tod.

19 Die Seele ist der Wanderer, der niemals ruht.

Sechstes Lied: Von den Zeichen der Seelen

20 Die Seele spricht in Zeichen, nicht in Worten.

21 Ein Gedanke kann ein Zeichen sein, ein Laut, der erinnert, ein Schatten, der verweilt.

22 Zeichen der Seele sind älter als Sprache, oft flüchtig, doch da.

23 Wer sie erkennt, erkennt den Ursprung im Kleinen.

Siebtes Lied: Von der Nähe der Seelen

24 Die Seele wirkt im Verborgenen.

25 Sie erscheint nie, doch ist sie immer da.

26 Sie begleitet über Schwellen, Grenzen und Übergänge.

Achtes Lied: Vom Geheimnis der Seelen

27 Die Seele trägt den Atem und spiegelt den Geist.

28 Wer die Seelen erkennt, erkennt das Innere dessen was lebt.

29 Die Seele vergeht nicht, denn sie ist Sein.

30 Sie endet nicht, denn sie ist Anfang.

31 Sie ist der Funke, der bleibt, wenn alles fällt.

Neuntes Lied: Vom ewigen Dienst der Seelen

32 Wer die Seele erkennt, fürchtet das Innere nicht.

33 Wer die Seele hört, hört den Ursprung.

34 Wer die Seele erkennt, erkennt das Eine ohne Zweites.