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Hauskatzen am Topkapi

1748 - Irdisches Vergnügen in Gott

Irdisches Vergnügen in Gott...

Irdisches Vergnügen in Gott: bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten
von Barthold Heinrich Brockes, 1748

Die Katze

Auch dies ist ein besonder Thier, wofür dem Schöpfer Dank gebühret,
wovon sowohl im Haus als Felde man wahr- und großen Nutzen spüret,
da es den Mausen und den Ratzen, und anderm Ungeziefer feind,
die uns dadurch, daß sie so sehr und monatlich fast sich vermehren,
auf eine Weise, die nicht leidlich, mehr als man fast gedenkt, beschweren,
uns schaden und uns plagen wurden. Ja gegen diesen Zufall scheint
die Katze recht mit Fleiß geschaffen. Derselben Unverdrossenheit,
gelenker Körper, schnelle Glieder, Geduld, beherzte Schlauigkeit,
ein scharf Gehör, nebst dem Geruch, und, über alles, solche Augen,
die in der dunklen Nacht zu sehn, nicht minder als am Tage, taugen,
daß ein verborgner Zug in ihnen, wie wild sie gleich, sie zahmen kann:
Dieß alles zeiget Absicht, Weisheit und Lieb unwider sprechlich an
von einem allgemeinen Schöpfer. Man kann auch an den Katzen sehn,
wie alle Dinge, die geschehen, nach Maaß und Ordnungen geschehn.
Die kleinen sind recht lacherlich, ihr Gaukeln, ihr vossterlichs Springen
kann oft den, dem es nicht ums Herz zu lachen, doch zum Lachen zwingen.
Man findet wilde Katzen auch, die in den dicken Waldern wohnen
und das, was sie erbeuten können, als sehr gefraßig, nicht verschonen:
Doch werden ihre schöne Balge mit großen, Nutzen abgesetzt,
zumal man selbe gegen Flüsse für ein bewehrtes Mittel schatzt,
imgleichen für die Wassersucht. Daß also Katzen auch imgleichen,
nicht weniger als andre Thier, uns mannichfache Vortheil reichen.