Hauskatze
Heilige Birmakatze
Sandkatze
Eurasischer Luchs
Gepard
Hauskatzen am Topkapi

Surinam, 1854

Auszug aus:

SECHS JAHRE IN SURINAM

ODER

BILDER AUS DEM MILITÄRISCHEN LEBEN
DIESER COLONIE,

UND

SKIZZEN ZUR KENNTNISS SEINER SOCIALEN UND
NATURWISSENSCHAFTLICHEN VERHÄLTNISSE

VON

A. KAPPLER,
früher in holländischen Militärdiensten

STUTTGART
E. SCHWEIZERBART'SCHE VERLAGSHANDLUNG UND DRUCKEREI, 1854

Seite 75

In den Savannen sind viele Termitennester, die in kleinen, spitzigen Kegeln aus der Erde steigen, jedoch nie über 4' hoch sind. Hier nennt man diese kleinen, den Ameisen ähnlichen Insekten, deren Hinterleib weisslich und weich, der Kopf aber mit scharfen Zangen bewaffnet ist, Holzläuse. Sie leben gesellig wie die Ameisen und in solcher Anzahl, dass sie dieselben an Menge noch zu übertreffen scheinen. In den Wäldern findet man ihre Nester beinahe an jedem Baum und zuweilen so gross, dass alte Bäume unter ihrer Last erliegen. In alten Häusern, wo sie ihre centnerschweren Nester, welche oft zwei bis drei Fuss im Durchmesser haben, ans Gebälke bauen, sind sie eine grosse Plage. Die Nester bestehen aus zernagtem Holz oder Erde; das Material hiezu wird manchmal weit hergeholt. Nichts ist vor ihnen sicher, und man hat Beispiele davon, dass Kleidungsstücke, welche in einem verschlossenen Koffer waren, in einer Nacht total aufgefressen wurden. Man bekommt sie aber nie zu sehen, weil sie bei ihren Raubzügen von zernagtem Holze oder Erde einen Gang bilden, der nach bestimmten Orten hinleitet. Bäume, Balken und dergleichen werden auch nur von innen ausgefressen, so dass man von aussen nichts bemerkt, obwohl diess bis zur Dicke eines Kartenblatts geschieht. Sie sind immer thätig und arbeiten Tag und Nacht an ihren Nestern, in welche, wenn sie verlassen werden, die Sabacarra (eine grosse Eidechse) häufig ihre Eier legen. Hühner werden von ihnen fett.

Tiger, Ameisenfresser und Hirsche sind die Bewohner der Savannen, und in den sie begrenzenden Wäldern sind Armadille und Kaninchen, sowie hühnerartige Vögel, als Powisen und Agamis, sehr häufig.

An manchen Stellen, wiewohl selten, findet man die Agave americana mit ihren manchmal 30' hohen Blüthenstengeln. Man macht von dieser nützlichen Pflanze keinen Gebrauch; nur Buschneger und Sklaven gebrauchen zuweilen ihre dicken Blätter als Seife, wesshalb man sie hier Ingisopo nennt.

Auf dem 2½ Stunden von Gelderland entfernten kleinen Posten Frederiksdorp blieben wir während der grössten Hitze des Tages. Drei Soldaten, zwei weisse und ein schwarzer, sind die ganze Besatzung. Sie müssen wechselweise die von Mauritzburg und Gelderland kommenden Briefe nach beiden Posten besorgen und ihren Lebensunterhalt von ersterem Posten auf dem Rücken herbeitragen; sonst lebt jeder nach seiner Weise. Manchmal passirt in 14 Tagen kein Mensch diesen Posten.

Das Land ist unfruchtbar und bringt nichts hervor; dennoch hielten diese Menschen wohl 100 Hühner auf dem Posten, die sich beinahe allein von Termiten und Heuschrecken nährten.

Seiten 87-89

Anfangs Juni an einem Sonntage musste ich Briefe nach Imotappie bringen. Der Weg war schlecht, und überdiess hatte ich noch 36 Pack Patronen bei mir, die für die Besatzung dieses Postens bestimmt waren. Ein Fuss langer, alter Hauer war meine einzige Waffe. Schon hatte ich die Hälfte des Weges zurückgelegt, als ich auf einem etwas trockenen Platze einen ganz jungen Tiger von der Grösse einer Katze liegen sah, der, sobald er mich erblickte, sich auf den Rücken legte, und nach Katzenart mit den Pfoten um sich schlug. Ich steckte ihn in meine Mütze, welche ohne Futter einen grossen Sack bildete. Ausser mir vor Freude, dachte ich gar nicht an die Gefahr, von seiner Mutter, die sicher in der Nähe war, aufgespürt zu werden. An Vertheidigung wäre nicht zu denken gewesen; denn obgleich der Jaguar niemals Menschen angreift, hätte er mich doch in diesem Falle zerrissen. Daran zu denken, hatte ich aber keine Zeit. Ohne Kopfbedeckung und nur mit dem Thierchen beschäftigt, das unaufhörlich schrie und miaute, lief ich aus Leibeskräften, um so schnell als möglich nach Imotappie zu kommen. Ich kam daselbst so erhitzt an, dass ich keinen Laut von mir geben konnte.

Der Lieutenant, dem ich meine Briefe übergab, sowie alle umstehenden Soldaten des Postens, wunderten sich theils über das niedliche Thier, theils über meine Kühnheit, es mitgenommen zu haben. Man rieth mir, es zu tödten und erst den andern Morgen nach meinem Posten zurückzukehren, um nicht der Alten, die das Junge suchen werde, in die Klauen zu fallen; allein ich schämte mich, Furcht zu verrathen und trat Nachmittags gegen 2 Uhr den Rückweg an. Ich setzte den jungen Jaguar, der immer noch schrie, in den Batatta, worin ich die Patronen gebracht hatte, und lief so schnell, als es der schlechte Weg erlaubte. Doch schon beim Anfange des Weges bereute ich es, mich so unnöthig in solche Gefahr begeben zu haben. Das kleinste Geräusch im Busche trieb mir die Haare in die Höhe, und ich bekenne, dass ich nie herzlicher gebetet habe, als wie ich mich der Stelle näherte, wo ich den kleinen Schreier gefunden hatte. Glücklich erreichte ich mein Haus, wo Brokkodjokko, nichts vermuthend, mir den Batatta abnahm, dann aber, als er des Tigers ansichtig wurde, wie ein Narr vor Freude in der Kammer herumsprang und mich mit Lobeserhebungen überhäufte. Er wollte sogleich nach Mauritzburg, um das Wunder zu erzählen und die Briefe zu überbringen.

Ich schlachtete alsbald einen Hahn, von welchem mein kleiner Gast etwa den vierten Theil frass.

Am andern Morgen fand ich rund um das Haus die Fussspuren eines grossen Jaguars, der verschiedene Male um dasselbe gelaufen seyn musste. Doch, obwohl Brokkodjokko mit schwergeladenem Gewehr die Umgegend durchstreifte, konnte er ihn nicht mehr finden.

Denselben Tag waren 10 Zimmerneger unter der Leitung eines gleichfalls schwarzen Meisters angekommen, um aus dem alten Hause ein kleineres neues zu machen, freilich so wohlfeil als möglich. Dieses sollte, 18' im Quadrat, unten und oben eine Kammer enthalten und 27' im Giebel hoch seyn. Unter das Dach der Küche, das ohne alle Seitenwände blos auf vier 12' hohen Pfosten ruhte, wurden Bretter gelegt, um mir indessen zur Wohnung zu dienen, die man vermittelst einer Leiter bestieg. Sie war gerade so lang, dass man eine Hängematte hängen, und so hoch, dass man in der Mitte etwas gebückt stehen konnte; dabei wimmelte es von Fledermäusen, die Jahre lang diess Haus in ungestörter Ruhe besessen hatten, und hundertmal von mir verjagt, immer wieder zurückkamen. (Hier habe ich die zwei grössten Tausendfüsse gefangen, die über 10" lang waren.) Fenster gab es nicht, auch hatte ich sie nicht nöthig, da ich mich meistens unter dem Hause im Freien aufhielt.

Der Guide schlief in dem Schuppen, den die Zimmerneger für sich aufgerichtet hatten. Ich war also mit meinem Tiger, der schon den zweiten Tag viel von seiner Wildheit verloren hatte, und sich ganz wie eine junge Katze betrug, des Nachts allein. Seine Stimme war rauher und sein Gang unbeholfener als bei einer Katze. Alle zwei Tage schlachtete ich ein Huhn für ihn, da er durchaus nichts anderes fressen wollte. Er hielt sich stets in meiner Nähe auf und spielte mit dem kleinen Hund des Guide wie mit seines Gleichen.

Eilf Morgen hintereinander sahen wir die Spuren des Alten, der ums Haus herumschlich und sich sogar in den Kamp der Zimmerneger wagte, wo er einen Neger, der Bananen röstete, so erschreckte, dass dieser ein Zetergeschrei erhob, und Alles mit Aexten und Hauern bewaffnet herbeieilte. Da ich etwa 50 Schritte davon entfernt allein schlief, so hielt ich es für rathsam, jede Nacht die Leiter heraufzuziehen, und mich so auf diese Weise förmlich zu verschanzen. Weder der Wachsamkeit Brokkodjokkos, noch der Zimmerneger gelang es, auf den Tiger schiessen zu können, der endlich von selbst wegblieb. Fünf Wochen lang hatte ich den jungen Tiger beinahe ausschliesslich mit Hühnern gefüttert; als diese zu Ende waren, musste ich ihm abgezogene Fledermäuse vorsetzen. Er frass sie zwar, doch bekamen sie ihm so schlecht, dass er vier Tage nachher starb. Für seinen Kopf bekam ich acht Gulden Schussgeld vom Gouvernement.