Hauskatze
Heilige Birmakatze
Sandkatze
Eurasischer Luchs
Gepard
Hauskatzen am Topkapi

Chinesische Katze

Hängeohr

Chinesische Katze

Die chinesische oder hängeohrige Katze (Fig. 18) dürfte die interessanteste sein, denn sie liefert den Beweis, daß durch fortwährende Nichtbenutzung eines Organes, dessen ursprüngliche Beschaffenheit allmählich einbüßt rest. zurückgeht. So bei der chinesischen Katze das Gehör bezw. die Ohren. "Die Chinesen, sagt Michel, verehren die Katze nicht nur in Porzellan, sondern auch nach kulinarischer Seite wissen sie deren Wert zu schätzen. Die Katzen werden als besondere Leckerbissen betrachtet und eigens, an Ketten (?) liegend, mit Reis gemästet".

Die Katze wird eigens zum Zwecke der Fleischproduktion gezüchtet, und gilt den Chinesen als bevorzugter Leckerbissen; es darf dies nicht Wunder nehmen, wenn man in Erwägung zieht, daß der Chinese alles das verzehrt, bei dessen Anblick der Magen eines Europäers rebellisch würde. In engen Bambuskäfigen werden die armen Viehcher eingesperrt und wenn auch nicht nach der Art der Gänse genudelt, so doch mit reichlichen Portionen dick und fett gefüttert. Mit solchen armen Miezen wird dann noch ein umfangreicher Handel nach den anderen Teilen Asiens getrieben und die schlauen Chinesen sollen dabei die Klugheit anwenden, keine Kater fortzugeben, damit ihnen die einträgliche Erwerbsquelle nicht verstopft werde.

Infolge der einengenden Verhältnissen und dadurch, daß man die Katze ihrer eigentlichen Verwendung entfremdete, ist das Gehör zurückgegangen; weil ihr die Erlangung der Nahrung durch eigenes Geschick versagt wurde, mußte sich da ihre Wachsamkeit nicht mehr zur Geltung gelangte, das scharfe Hören nach versteckter Beute unnütz wurde, das Gehör abstumpfen und die natürliche Folge war, daß das Ohr in der langen Zeitfolge an Straffheit verlor, sich allmählich senkte und zum Hängeohr ausbildete. Dies ist denn auch das charakteristische Merkzeichen der chinesischen Katze.

Wenn man zum erstenmale eine Katze erblickt, ist man überrascht, doch der komische Eindruck verliert sich bei nährerer Betrachtung und man kann auch diese Katze, wenn man von der Eigenart der Ohren absieht, schön finden. Den Körper bedeckt, ähnlich wie bei der Angora-Katze, ein langes dichtes Haarkleid, welches jedoch nicht so reich ist wie bei dieser. Das Haar ist seidenweich, glänzend, die Farbe meist ein lichtes gelb (isabellfarbig), oder auch ein schmutziges weißgelb, doch kommen auch die üblichen Färbungen der gemeinen Hauskatze vor. In der Größe übertrifft sie diese um ein ziemliches, ist stärker und neigt, wie erklärlich, gern zum Fettwerden. Die Ohren hängen vollständig, wie bei unseren Jagdhunden und sind im Verhältnis zu denen der übrigen Katzen von beträchtlicher Größe.

Obschon die chinesische Katze in ihrer Heimat in ziemlicher Anzahl gezüchtet wird, gelangt sie doch höchst selten auf den europäischen Tiermarkt. Ein einziges Stück ist uns zu Gesicht gekommen und dieses erwarben wir vor Jahren in Hamburg, von einem aus China heimkehrenden Seemann. Nach diesem lebenden Exemplare ist die beigegebene Abbildung gefertigt.

Von Charakter ist sie entschieden noch träger wie die Angora-Katze, beinahe faul zu nennen und sozusagen ohne Leben; auch liegt sie am liebsten hinter dem warmen Ofen, ist wenig empfänglich für Schmeichelei, hört schlecht und entwickelt höchstens Leben, wenn sie den Milch- oder Freßnapf erblickt. Wirklich anziehende Eigenschaften besitzt sie nicht und höchstens die eigenartige Erscheinung könnte zur Haltung des immerhin merkwürdigen Vertreters des Hauskatzengeschlechts verleiten.