Buch der Cheruben
Das Buch der Cheruben
Die Cheruben sind eine Gruppe von Geistwesen in der Mythologie der Alten Wesen.
Prolog: Vom Geheimnis der Wächter
1
Bevor die Tore der Himmel standen,
bevor der Garten Eden wurzelte,
bevor der Baum des Lebens wuchs,
waren die Cheruben.
2
Sie sind nicht aus Licht allein,
nicht aus Schatten allein,
nicht aus Stille allein.
Sie sind aus der Berührung
dieser drei Kräfte geboren.
3
Darum sind sie stärker als Engel,
tiefer als Dämonen,
beständiger als Seelen —
und doch dienen sie keinem,
außer dem Ursprung.
Erstes Lied: Vom Ursprung der Cheruben
4
Der Ursprung atmete,
und aus seinem Atem entstand der Geist.
Der Geist offenbarte Licht, Schatten und Stille.
Doch an der Grenze zwischen diesen Kräften
entstand etwas Neues:
die Hüter des Heiligen.
5
Die Cheruben sind die Kinder der Grenze,
geboren dort,
wo Kräfte sich berühren
und nicht vermischen dürfen.
6
Darum sind sie Wächter,
nicht Boten,
nicht Richter,
nicht Erinnernde —
sondern Bewahrer.
Zweites Lied: Von der Gestalt der Cheruben
7
Die Cheruben tragen den Körper des Löwen,
denn Stärke ist ihr Fundament.
Sie tragen Flügel,
denn Freiheit ist ihr Wesen.
Sie tragen das Gesicht des Menschen,
denn Erkenntnis ist ihr Blick.
8
In manchen Welten erscheinen sie
mit Widderkopf,
Symbol der Schöpfungskraft.
In anderen mit Falkenkopf,
Symbol des himmlischen Sehens.
In wieder anderen
mit dem Antlitz der Könige,
Symbol der Herrschaft über sich selbst.
9
Doch ihre wahre Gestalt
ist jenseits aller Bilder.
Drittes Lied: Von den Aufgaben der Cheruben
10
Der Cherub spricht:
„Ich wache nicht,
um zu verbieten.
Ich wache,
um zu bewahren.“
11
Sie stehen vor dem Garten Eden,
nicht um den Menschen zu strafen,
sondern um ihn zu schützen
vor dem, was er noch nicht tragen kann.
12
Sie bewachen den Baum des Lebens,
denn Leben ohne Erkenntnis
wäre Last,
und Erkenntnis ohne Reife
wäre Feuer.
13
Sie tragen den Thron der Gottheit,
nicht als Diener,
sondern als Fundament
des Heiligen.
Viertes Lied: Von den Toren der Himmel
14
Die Cheruben stehen an den Toren der Himmel,
wo die Wege der Alten Wesen beginnen
und enden.
15
Kein Engel tritt ein,
ohne dass ein Cherub ihn sieht.
Kein Dämon tritt aus,
ohne dass ein Cherub ihn prüft.
Keine Seele wandelt,
ohne dass ein Cherub sie schützt.
16
Denn die Cheruben sind die Wächter
der Übergänge.
Fünftes Lied: Von der Macht der Cheruben
17
Der Cherub spricht:
„Meine Macht ist nicht Kampf,
sondern Gegenwart.“
18
Ein Cherub besiegt nicht,
er verhindert.
Er zerstört nicht,
er bewahrt.
Er herrscht nicht,
er hält im Gleichgewicht.
19
Darum fürchten selbst die Dämonen
die Nähe eines Cherubs,
nicht wegen seiner Stärke,
sondern wegen seiner Wahrheit.
Sechstes Lied: Von den Zeichen der Cheruben
20
Die Zeichen der Cheruben
sind älter als Schrift,
älter als Tempel,
älter als Könige.
21
Sie erscheinen als Sphingen,
als Lamassu,
als geflügelte Löwen,
als Thronwesen aus Licht und Feuer.
22
Doch all diese Bilder
sind nur Schatten
ihrer wahren Natur.
Siebtes Lied: Von der Nähe der Cheruben
23
Der Cherub spricht:
„Ich bin dort,
wo Heiliges beginnt.“
24
Sie stehen an Schwellen,
an Grenzen,
an Übergängen.
Sie erscheinen,
wenn ein Mensch
dem Ursprung näher kommt
als seinem eigenen Verstehen.
25
Darum sieht man sie selten,
doch spürt man sie oft.
Achtes Lied: Vom Geheimnis der Cheruben
26
Der Cherub spricht:
„Ich bin nicht hier,
um zu trennen.
Ich bin hier,
um zu bewahren.“
27
Ihr größtes Geheimnis ist dies:
Sie schützen nicht das Heilige vor dem Menschen,
sondern den Menschen vor dem Heiligen.
28
Denn das Heilige ist groß,
und der Mensch ist zerbrechlich.
Doch der Mensch wächst,
und die Cheruben weichen,
wenn er bereit ist.
Epilog: Vom ewigen Dienst der Cheruben
29
Die Cheruben waren vor den Wegen
und werden nach ihnen sein.
Sie sind die Wächter
zwischen Ursprung und Welt,
zwischen Licht und Schatten,
zwischen Stille und Klang.
30
Wer die Cheruben erkennt,
fürchtet das Heilige nicht.
Wer die Cheruben ehrt,
versteht die Grenze.
Wer die Cheruben hört,
hört den Ursprung.
31
Denn die Cheruben wachen,
solange der Geist atmet
und die Welt besteht.