Alles Tarnung, die verschwindende Katze
Marcus Skupin | Welt der Katzen (Stand: 10. Juli 2026)
Wer einen Tiger oder auch einen Leoparden betrachtet, dem fällt unmittelbar die rötliche oder auch mehr oder weniger starke orange Grundfärbung des Fells, verbunden mit den typischen Flecken oder Streifen auf.
Streifen und Flecken
Das Streifen und Flecken im Laubwerk der Bäume, im Gras oder im Schilf der Tarnung dienen und der kätzische Jäger so mit seiner Umgebung verschmilzt, leuchtet uns ein.
Fellmuster wie Streifen und Flecken entstehen durch die Interaktion von Agouti‑Signalprotein und Tabby‑Genvarianten. Evolutionär begünstigen sie das Überleben, weil sie die Konturen des Körpers im Habitat auflösen [2].
Müssten hingegen die Katzen mit ihrer auffälligen Grundfarbe nicht von ihrer Beute schon von weitem gesehen werden? Schließlich sind die Rottöne im Fell doch eine deutliche Signalfarbe.
Tatsächlich ist die rötliche Färbung vieler Katzenarten in ihrer natürlichen Umgebung keinerlei Nachteil.
Die rötliche Fellfarbe vieler Katzenarten korreliert mit Habitaten, in denen braun‑grüne Vegetation dominiert. Evolutionär wird sie als Form der Hintergrundanpassung interpretiert [3].
Hinzu kommt, dass viele Säugetiere die Farbe rot und ihre Abwandlungen gar nichtals solche erkennen können.
Säugetieraugen weisen auf der Netzhaut sogenannte Zäpfchen und Stäbchen auf, die das einfallende Licht aufnehmen und die Impulse über Nervenbahnen ans Gehirn weiterleiten. Die Zapfen sind dabei für das "Farbsehen" zuständig. Die meisten Säugetiere besitzen nur zwei Zapfentypen (S- und M‑Zapfen) und sind daher dichromatisch. Ihnen fehlt der L‑Zapfen, der beim Menschen für die Wahrnehmung von Rot verantwortlich ist [1]. Da vielen Säugetieraugen die Zapfen für das Sehen von "Rot" fehlen, wird diese Farbe von Ihnen als "gelb- bis grünlich" empfunden.
Hinzu kommt noch, dass das "Rot" im Fell der oft dämmerungsaktiven Katzen von möglichen Beutetieren in der Dunkelheit lediglich als dunkler Fleck wahrgenommen werden kann.
Sichtweise von Mensch und Hirsch
Die Fotos oben machen plastisch deutlich, wie sich das Sehen von Mensch und beispielsweise Hirsch unterscheidet.
Während der Mensch die rötliche Grundfärbung des Tigergesichtes deutlich erkennt, nimmt ein Hirsch oder ein anderes Beutetier lediglich Schattierungen von "Grün" sowie die schwarz-weißen Flächen im Tigergesicht wahr.
In der Dämmerung bleiben für beide nur Schattierungen, die sich kaum noch vom Hell-Dunkel-Farbspiel der Blätter unterscheiden.
Interessant zu wissen:
Wildtiere (Säugetiere) verstehen "Rot" nicht als Warnung (eher als Helligkeitskontrast), da sie diese Farbe nicht als solche wahrnehmen.
Stattdessen löst bei ihnen die Farbe "Blau" Aufmerksamkeit auf, da diese in der natürlichen Umgebung kaum vorkommt und oft als "störend" wahrgenommen wird; ein Grund warum an Straßen beispielsweise blaue Reflektoren angebracht werden, durch deren Einsatz die Zahl der Wildunfälle meist erheblich gesenkt werden kann.
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Quellen
[1] Jacobs, G.H. (1993): The distribution and nature of colour vision among the mammals. Biol Rev Camb Philos Soc., 68(3):413-71. DOI: 10.1111/j.1469-185x.1993.tb00738.x.
[2] Kaelin, C. B., & Barsh, G. S. (2013). Genetics of pigmentation in dogs and cats. Annual Review of Animal Biosciences, 1, 1–18.
[3] Caro, T. (2005). The adaptive significance of coloration in mammals. BioScience, 55(2), 125–136.
Artikelinformation
Skupin, Marcus (2026), Alles Tarnung, die verschwindende Katze | Welt der Katzen <online>
Autor: Marcus Skupin
Erstveröffentlichung: o.J.
Aktualisierung: 10. Juli 2026
URL: https://www.welt-der-katzen.de/katzenhaltung/biologie/tarnung/alles_tarnung.html



