Ernährung der Katze

Die Ernährung der Katze

Katze in Istanbul

Hauskatze

© Marcus Skupin

Ausgewogen ist wichtig
von Marcus Skupin | Welt der Katzen

Die Ernährung unserer Katzen scheint auf den ersten Blick kein großes Thema mehr zu sein. In Zoohandlungen, Supermärkten und auf Katzen-Ausstellungen finden wir eine kaum überschaubare Auswahl an Fertigfuttern, die als Alleinfuttermittel alles enthalten sollen, was eine gesunde und aktive Katze benötigt.

Doch trotz dieser Vielfalt lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Nicht jedes Futter hält, was die Hersteller versprechen, und die Qualität kann erheblich variieren. Eine Katze bleibt ein anspruchsvoller Fleischfresser. Ihre Ernährung hat direkten Einfluss auf Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensdauer.

In diesem Artikel erfährst Du, welche Nährstoffe Katzen wirklich brauchen, wie sich ihre natürlichen Fressgewohnheiten auf die Fütterung auswirken und woran man gutes Katzenfutter erkennt.

Nahrungsbedürfnisse

Großkatzenfutter

Großkatzenfutter

© Marcus Skupin

Zunächst sollten wir uns einmal mit den Nahrungsbedürfnissen von Katzen vertraut machen.

Unsere Katzen sind Beutegreifer/Raubtiere und gehören zu den Karnivoren. Sie sind reine Fleischfresser. Auch wenn sie sich an das Leben mit dem Menschen angepasst haben, bleibt dieser grundlegende Satz entscheidend für ihre Ernährung.

Die Nahrung wild lebender Katzen besteht überwiegend aus kleinen und mittleren Beutetieren wie Mäusen, Ratten, Insekten oder kleinen Vögeln. Untersuchungen zeigen weltweit ähnliche Mageninhalte solcher Beutetiere. Mit ihnen nehmen Katzen auch geringe Mengen vorverdauter Pflanzenbestandteile auf, die im Magen der Beute bereits aufgeschlossen sind und daher teilweise verwertet werden können.

Aus den Nahrungsgewohnheiten wilder Katzenarten ergeben sich auch klare Anforderungen an die Ernährung der Hauskatze:

~ Hoher Anteil tierischer Proteine
~ Tierische Fette als wichtigste Energiequelle
~ Nur geringe Mengen Kohlenhydrate
~ Essenzielle Aminosäuren wie Taurin, die ausschließlich in tierischem Gewebe vorkommen

Die sechs Nährstoffklassen

Katze in Cadiz

Katze in Cadiz

© 2020, Marcus Skupin

Die Nahrung einer Katze setzt sich aus sechs Nährstoffklassen zusammen, die für Wachstum, Erhaltung und Gesundheit notwendig sind: Wasser, Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Vitamine.

Wasser ist der wichtigste Bestandteil, da es nahezu alle Körperfunktionen unterstützt.

Proteine liefern essentielle Aminosäuren, die Katzen für Muskeln, Organe, Fell und Immunsystem benötigen.

Fette sind die wichtigste Energiequelle und liefern essentielle Fettsäuren.

Kohlenhydrate spielen eine untergeordnete Rolle, können aber in kleinen Mengen Energie liefern.

Mineralstoffe sind wichtig für Knochen, Nerven und Stoffwechsel.

Vitamine unterstützen zahlreiche Körperfunktionen.

Zusätzlich können Ballaststoffe (Rohfaser) die Verdauung unterstützen und zur Sättigung beitragen. Zu den Ballaststoffen zählen Zellulose und Pflanzenkleber.

Die benötigten Nährstoffe dienen insbesondere auch zur

  • Bildung der Bausteine aller Körpersubstanzen

  • Förderung und Steuerung chemischer Reaktionen im Körper

  • Regelung der Körpertemperatur

  • Energielieferung

  • Beeinflussung des Geschmacks und somit auch der Nahrungsaufnahme

Einzelheiten zu den Nährstoffklassen

Ausgewogen ist wichtig!

Der Energiebedarf einer Katze hängt von Alter, Aktivität, Gesundheitszustand und Kastration ab.

Wohnungskatzen benötigen im Durchschnitt weniger Energie als aktive Freigänger. Kitten haben einen deutlich höheren Bedarf, da sie wachsen.

Wichtig ist nicht nur die Menge, sondern auch das Verhältnis der Nährstoffe zueinander – insbesondere das Kalzium-Phosphor-Verhältnis, das idealerweise bei etwa 1,2 : 1 liegt.

Eine ausgewogene Ernährung ist entscheidend, um Mangelerscheinungen, Übergewicht oder Stoffwechselprobleme zu vermeiden.

Der Brennwert (Energiekonzentration) der einzelnen Bestandteile, wie auch der Gesamtnahrung wird in Kilojoule gemessen. Ein Joule entspricht etwa 0,239 Kalorien.

Fett hat mit etwa 39 kJ je Gramm den höchsten Brennwert. Eiweiße haben einen Brennwert von etwa 24 kJ, Kohlehydrate von 17 kJ/G.

Die folgende Tabelle zeigt den Bedarf an Energie in Kilojoule je Kilogramm Körpergewicht der Katze. (Effem GmbH, et al.)

Energiebedarfstabelle

Alter

Gewicht der Katze in Gramm

Energiebedarf je 1000 Gramm Körpergewicht in kcal

Energiebedarf je 1000 Gramm Körpergewicht in KJ

6.-8. Woche

600

251

1050

3.-4. Monat

900 - 1200

203 -179

850-750

5.-6. Monat

1500 - 1900

155 - 131

650-550

7.-9. Monat

2300 - 2400

115 - 100

480-420

10.-12. Monat

2600 - 2700

380 - 341

380-340

ausgewachsen (aktiv, nicht kastriert)

3000 - 5000 (und mehr)

79

330

Nährstoffgehalt

Der Nährstoffgehalt eines Katzenfutters lässt sich am zuverlässigsten durch eine Laboranalyse bestimmen. Die gesetzlich vorgeschriebene „garantierte Inhaltsangabe“ der Hersteller kann eine solche Analyse nicht ersetzen. Sie gibt lediglich Mindestgehalte an Proteinen und Fett sowie Höchstgehalte an Rohasche, Rohfasern und Wasser an – und selbst diese Angaben werden nicht immer konsequent eingehalten.

Diese Werte erlauben jedoch keinen Rückschluss auf die Qualität der enthaltenen Proteine und Fette. Entscheidend ist nämlich nicht nur die Menge, sondern vor allem die Verdaulichkeit und biologische Wertigkeit der Nährstoffe.

Warum steht oft nur 4–5 % Fleisch auf der Dose?

Die Inhaltsstoffe werden vor der Verarbeitung gewogen. Wird einer Rezeptur z. B. 20 % Fleisch zugesetzt, kann der Anteil nach dem Kochprozess auf etwa 4 % sinken.

Zudem dürfen Hersteller verschiedene Varianten desselben Rohstoffs getrennt aufführen (z. B. „Geflügelprotein“, „Geflügelfett“, „Geflügelleber“), was den tatsächlichen Fleischanteil optisch verwässert.

Was bedeutet „mit Lamm“?

Die Bezeichnung „mit Lamm“ bedeutet lediglich, dass mindestens 4 % Lamm enthalten sind.

Der restliche Fleischanteil kann aus völlig anderen Tierarten bestehen – etwa Rind, Schwein oder Geflügel. Dadurch kann es passieren, dass dieselbe Futtersorte von der Katze einmal gern gefressen wird und ein anderes Mal nicht, weil die Zusammensetzung der übrigen Fleischbestandteile variiert.

Ein Futter, das 4 % Lamm, 4 % Rind und 4 % Geflügel enthält, darf je nach Verpackung als „mit Lamm“, „mit Rind“ oder „mit Geflügel“ verkauft werden.

Hersteller argumentieren damit, Katzen könnten aufgrund ihres feinen Geruchs- und Geschmackssinns den jeweiligen Anteil „herausriechen“.

Tierische Nebenerzeugnisse und BSE

Bereits 1996 erklärten Futtermittelhersteller, dass sie kein britisches Rindfleisch und keine als risikoreich eingestuften Teile wie Gehirn, Rückenmark oder Därme verwenden.

Unappetitliche Bestandteile können dennoch vorkommen, allerdings wohl nicht mehr in der extremen Form des oben genannten Beispiels. Das Thema bleibt kontrovers, wie frühere Berichte zeigen.

Rohfütterung (BARF)

Selbst zubereitete Katzennahrung

Wer sich intensiv mit der Materie beschäftigt, kann seiner Katze ein ausgewogenes Menü selbst zusammenstellen – idealerweise in Kombination mit Rohfütterung (BARF) - wobei folgende Punkte zu beachten sind:

Eine reine Fleischfütterung ohne Ergänzungen ist nicht empfehlenswert, da Fleisch allein zu wenig Kalzium enthält. Das kann zu Skelettproblemen und Knochenbrüchen führen.

Wer roh füttert, muss:

~ Kalzium ergänzen (z. B. über Knochen)
~ Parasiten- und Bakterienrisiken beachten (z. B. Salmonellen)
~ auf mögliche Viruserkrankungen achten (z. B. Aujeszky bei Schweinefleisch)
~ beachten, dass Leber viel Vitamin A enthält und nur in kleinen Mengen gefüttert werden sollte.

Bei Fertigfutter sind diese Risiken weitgehend ausgeschlossen. Ein regelmäßiger Wechsel der Marke oder Sorte kann helfen, eventuelle Mängel einzelner Produkte auszugleichen und verhindert eine zu starke Prägung auf ein bestimmtes Futter.

Bis zu 20 % Rohfutteranteil können übrigens ohne zusätzliche Supplemente gefüttert werden.

Mangelerscheinungen und Risiken

Mangelerscheinungen entstehen vor allem durch:

~ für Katzen ungeeignete Hausmannskost
~ falsch zusammengestellte, selbst gekochte Mahlzeiten
~ Überversorgung mit Vitaminpräparaten (z. B. Vitamin-A-Vergiftung)

Auch manche Alleinfuttermittel enthalten hohe Vitamin-A-Mengen. Katzen benötigen daher eine ausgewogene Ernährung, die ausreichend tierische Proteine und Fette liefert. Eine vegetarische Ernährung ist ungeeignet, da Katzen bestimmte Nährstoffe ausschließlich aus tierischem Eiweiß beziehen können.

Was Sie noch wissen sollten...

Meinungen zum Thema

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Ernährung, weitere Quellen

[1] von Reider J.E., Hahn, K.W.: Gemeinnützige Naturgeschichte der Tiere Bayerns, Die zahme oder Hauskatze (1832)

Liebe ist das höchste Gut der Welt! Wo Du sie findest, halte sie fest - denn ohne sie kannst Du nicht leben.

Marcus Skupin, 1982

Katzensprache

Katzensprache

Kompendium der Katzensprache Edition Welt der Katzen, Band 8 Die Katze setzt neben der Lautsprache, die weit mehr ist, als ein einfaches "Miau", zahlreiche Ausdrucksmöglichkeiten der Körpersprache...

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