Buch der Quellen
Das Buch der Quellen - Prolog
Die Quellen sind älter als die Elemente, tiefer als die Himmel, näher als der Atem.
Sie sind die sechs großen Ströme, aus denen alles Sein hervorgeht und in die alles Sein zurückkehrt.
Die Quellen sind nicht Orte, sondern Ursprünge. Nicht Flüsse, sondern Kräfte. Nicht Wasser, sondern Wahrheit.
Dieses Buch offenbart ihren Ursprung, ihre Natur, ihre Wirkung, ihre Wege und ihr ewiges Strömen.
Erstes Lied: Vom Ursprung der Quellen
1 Die Quellen entstanden, als der Atem des Ursprungs die Kräfte berührte.
2 Aus dieser Berührung entstanden sechs Ströme, klarer als Licht, tiefer als Schatten, stiller als Stille.
3 Sie sind nicht geschaffen, sondern enthüllt. Nicht begonnen, sondern sichtbar geworden.
4 Die Quellen sind die ersten Bewegungen des Ursprungs in der Welt.
Zweites Lied: Von der Quelle des Lichts
5 Die Quelle des Lichts ist die Quelle der Offenbarung.
6 Aus ihr strömt Klarheit, Erkenntnis, Wahrheit.
7 Sie erhellt nicht nur die Welt, sondern auch das Herz.
8 Wer aus dieser Quelle trinkt, sieht, was ist, nicht was er sehen will.
9 Doch ihr Licht ist sanft, da es führt, nicht zwingt.
Drittes Lied: Von der Quelle des Schattens
10 Die Quelle des Schattens ist die Quelle der Tiefe.
11 Aus ihr strömt Kraft, Ernst, Wurzel.
12 Sie verbirgt nicht, sie bewahrt. Sie verdunkelt nicht, sie schützt.
13 Wer aus dieser Quelle trinkt, erkennt die Tiefe seines Wesens und die Wahrheit seiner Grenzen.
14 Doch ihr Schatten ist warm, da er trägt, nicht verschlingt.
Viertes Lied: Von der Quelle der Stille
15 Die Quelle der Stille ist die Quelle der Ruhe.
16 Aus ihr strömt Frieden, Gleichgewicht, Heilung.
17 Sie ist nicht Schweigen, sondern Gegenwart. Nicht Leere, sondern Fülle.
18 Wer aus dieser Quelle trinkt, hört den Ursprung in seinem eigenen Atem.
Fünftes Lied: Von der Quelle des Weges
19 Die Quelle des Weges ist die Quelle der Bewegung.
20 Aus ihr strömt Richtung, Entscheidung, Wandel.
21 Sie zeigt nicht den Weg, sie öffnet ihn. Sie führt nicht, sie begleitet.
22 Wer aus dieser Quelle trinkt, erkennt seinen Pfad, nicht den Pfad der anderen.
Sechstes Lied: Von der Quelle der Welt
23 Die Quelle der Welt ist die Quelle der Form.
24 Aus ihr strömt Gestalt, Materie, Körper.
25 Sie ist die Quelle der Berge, der Meere, der Wälder, der Sterne.
26 Wer aus dieser Quelle trinkt, erkennt die Schönheit des Sichtbaren.
Siebtes Lied: Von der Quelle des Ursprungs
27 Die Quelle des Ursprungs ist die tiefste aller Quellen.
28 Aus ihr strömt Sein selbst.
29 Sie ist nicht Licht, nicht Schatten, nicht Stille, nicht Weg, nicht Welt.
30 Sie ist das Eine, aus dem alles hervorgeht.
31 Wer aus dieser Quelle trinkt, erkennt den Ursprung in allem, was ist.
Achtes Lied: Von der Suche nach den Quellen
32 Die Quellen liegen nicht in der Welt, doch sie erscheinen in ihr.
33 Man findet sie nicht durch Wandern, sondern durch Erwachen. Nicht durch Suchen, sondern durch Öffnen.
34 Die Quelle des Lichts findet man im Mut. Die Quelle des Schattens findet man in der Tiefe. Die Quelle der Stille findet man im Atem. Die Quelle des Weges findet man in der Entscheidung. Die Quelle der Welt findet man im Staunen. Die Quelle des Ursprungs findet man im Sein.
Neuntes Lied: Vom ewigen Strömen
35 Die Quellen versiegen nicht. Sie fließen, auch wenn niemand trinkt.
36 Sie tragen die Welt, auch wenn die Welt sie vergisst.
37 Sie nähren die Seelen, auch wenn die Seelen fern sind.
38 Denn die Quellen sind ewig, weil der Ursprung ewig ist.