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Katzenfleisch?

Menschen essen keine Katzen. Zumindest nicht die Menschen in der "zivilisierten Welt", also hier bei uns, in unserer Umgebung und in den Ländern, die wir allgemein als zivilisiert betrachten.

Doch stimmt diese Behauptung eigentlich?

Die deutsche Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung (Tier-LMHV) bestätigt, dass es verboten ist, Fleisch von Hunden, Katzen, anderen hundeartigen und katzenartigen Tieren (Caniden und Feliden) sowie von Affen zum Zwecke des menschlichen Verzehrs zu gewinnen oder in den Verkehr zu bringen (§ 22 Abs. 1a Tier-LMHV). Auch eine Einfuhr derartiger Lebensmittel ist in Deutschland nicht zulässig (§ 13 Lebensmitteleinfuhrverordnung, LMEV).

Ähnliche Regelungen bestehen auch in anderen europäischen Ländern. Das österreichische Tierschutzgesetz regelt ein entsprechendes Verbot unter § 6 Abs. 2 Tierschutzgesetz. Dort heisst es: "Es ist verboten, Hunde oder Katzen zur Gewinnung von Nahrung oder anderen Produkten zu töten." Bereits im schweizerischen Recht gibt es eine Ausnahme, denn das Lebensmittelgesetz (LMG) gilt gemäß Artikel 2 Absatz 4a nicht für "die Primärproduktion von Lebensmitteln für die private häusliche Verwendung".

Die Auffassung, dass Katzen und Hunde nicht gegessen werden - und erst recht, dass es entsprechende gesetzliche Regelungen gibt - ist allerdings selbst in Europa noch recht jung. Die scherzhafte Bezeichnung der Katze als "Dachhase" geht nicht zuletzt darauf zurück, dass insbesondere - aber vielleicht nicht nur - in Notzeiten statt eines Hasen auch die Katze, die ja aufs Dach konnte, in der Pfanne gelandet ist. Eine gehäutete Katze ist ohne Kopf, Schwanz und Pfoten schwer von einem Hasen (oder Kaninchen) zu unterscheiden.

Entsprechende Berichte sind bereits aus der Zeit der Belagerung Wiens durch die Türken (1683) sowie aus dem Bericht eines Pfarrers im Erzgebirge (um 1770) bekannt und auch aus anderen Regionen wie Schlesien und dem mitteldeutschen Eichsfeld verbürgt. Im Zweiten Weltkrieg blieb den Menschen häufig ebenfalls nichts anderes übrig, als auch Katzen und Hunde zu essen, wenn sie nicht verhungern wollten.

Aus dem 17. Jahrhundert ist zudem bekannt, dass "Bestandteilen der Katze" wie Katzenfett, Katzenfell, Katzenblut oder Katzenurin ein medizinischer Nutzen zugeschrieben wurde (vgl. Zoologia 1662, J.J. Becher). Es ist unwahrscheinlich, dass das Fleisch der zu medizinischen Zwecken getöteten Tiere zu dieser Zeit keine Verwendung gefunden hätte. Doch neben den, dem Katzenfleisch zugeschriebenen, guten medizinischen Eigenschaften, sollen von dessen Genuss auch Gefahren ausgegangen sein.

Im 18. Jahrhundert schreibt Johann Christoph Sartorius in seinem Werk Neues Thierbuch oder merckwürdige Beschreibung der Thieren und Vögeln (Prag, 1717 - zu finden bey Caspar Buffin im Jahr 1718): "Die Katzen werden zwar von einigen zur Speise genossen, und an Geschmack mit den Hasen-Fleisch verglichen. So ist doch von etwelchen angemerckt worden, daß sie einen gifftigen Dampff und Schwindsucht verursachen. Katzen-Fleisch ist hitzig, heylet den Schmerzen der gülden Adern, erwärmet die Nieren und dienet auch für das Jucken der Krätze."

Auch Anton Müller, berichtet in "Die Reiche der Natur" (1814): "Im Jahr 1523 verloren mehrere Menschen ihr Leben, die vom Katzengehirn gegessen, dass für den Menschen tödlich sein soll."

Doch nicht nur die Hauskatze sondern auch andere Katzenarten sind scheinbar vor dem Menschen nicht sicher gewesen. So schreibt Donndorf im Jahr 1792: "Das Fleisch des Löwen wird am Geschmack mit dem Kalbfleisch verglichen."

In Asien (China, Vietnam, Korea), Afrika und Südamerika (Argentinien, Peru) wird Katzenfleisch teilweise bis in die heutige Zeit konsumiert.

Auch in Italien, Frankreich, Spanien und anderen Ländern gehörte das Fleisch von Katzen früher wohl gelegentlich auf den Speiseplan.

"Das Fleisch derselben scheint hart zu sein, und hat man bey uns dasselbe zu essen einen Abscheu. "Obwohl, wie Geßner sagt, das Fleisch der einheimischen Katzen an verschiedenen Orten und vernehmlich in Spanien gegessen wird. Wie sie denn auch im bange doch von einigen gespeist werden sollen. Jedoch müssen sie vorher zwey oder drey Tage an die Luft gehangen werden, damit sie etwas mürbe werden und den widrigen Geruch verlieren."

Gottfried Mayer in Versuch einer Katzengeschichte; Augsburg, 1772

Objektiv betrachtet sind Katzen und Hunde mögliche Lieferanten tierischer Proteine, wie auch Hasen, Kühe oder Schweine und viele andere Tierarten. Unter subjektiven Gesichtspunkten betrachtet sind sie allerdings Freunde. Und Freunde isst man nicht!

Tatsächlich dürfte es sich bei den Berichten über das Verspeisen von Katzen - außerhalb der bereits erwähnten Notzeiten - eher um Ausnahmen handeln und gehandelt haben, was meines Erachtens bereits duch das Vorhandensein solcher Berichte belegt wird. Denn wäre es üblich (gewesen) Katzen zu essen, hätten sich solche Berichte, die ja früher wie heute eine Nachricht wert sein mussten - also eher reisserisch bzw. ungewöhnlich gewesen sein dürften, erübrigt. Nicht ganz unwesentlich ist auch, dass die Zucht von Katzen zur Ernährung des Menschen viel zu aufwendig und teuer wäre um wirtschaftlich, also "lohnend" zu sein, was natürlich nicht bedeutet, dass bereits vorhandene Katzen nicht gegessen worden sind. Doch auch dann würde es sich eher um Ausnahmefälle handeln.

Ob man Katzen und auch Hunde essen darf, ist letztlich eine ethische, in manchen Fällen zudem auch eine religiöse Frage. So ist es in der jüdischen und islamischen Speise-Tradition nicht zulässig, Katzen zu verspeisen.

Mir persönlich dreht sich allein bei dem Gedanken daran, Katzen zu essen, der Magen um. Allerdings käme ich auch nicht auf die Idee Heuschrecken, Skorpione, Würmer oder Ratten und was sonst noch so alles "geniessbar wäre", zu mir nehmen zu wollen.

Artikeldaten

Skupin, Marcus: Katzenfleisch?, Welt der Katzen, online (25. September 2019)