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Vom Naturell und den Eigenschaften

Naturell der Katze

Das ist gar ein listig Tier, sagt Jacobus, es sieht so scharf, dass es die Maus in größter Finsternis sieht. [3]

Nicht ganz richtig. Katzen können zwar auch in der Dämmerung gut sehen, da das Katzenauge entsprechend aufgebaut ist, bei völliger Dunkelheit hingegen sieht auch eine Katze nichts.

Es ist die Katze eni vierfüßiges, schmeichelndes, geschwindes, listiges Thier, welches alle Arthen von Mäusen verfolget. [7]

Die Katze hat ihresgleichen so lieb, dass wenn sie oben an einem tiefen Brunnen sitzt und sieht ihren Schein unten im Wasser, so meint sie es sei dort eine Katze, wie sie und springt willentlich in den Brunnen. Und das geschieht meist, wenn die Katze den Kater sucht in der Brunst, unkeusch ist und am häufigsten jungen Katzen, die sich noch nicht erfahren haben. [3]

Ihr Naturell, das sich oft in Falschheit, Tücke und Genäschigkeit äußert, bleibt immer dasselbe, und zeigt sich, wenn sie von ungefähr in die Wildniß kommt, wieder in seiner ganzen Stärke. [1]

Kehrt die zahme Katze in die Wälder zurück, so nimmt sie einen völlig wilden Charakter wieder an. [2]

Bedingt richtig, Hauskatzen verwildern schnell. Das "in die Wälder zurückkehren, lässt allerdings auf die Vermutung schließen, die Hauskatze stamme von der europäischen Wildkatze ab, die ja in den Wäldern lebt. Diese Annahme ist jedoch falsch.

Bei uns ist sie ein nothwendiges Übel, um die Vermehrung der Ratten und Mäuse zu beschränken; wegen ihrer sonstigen Eigenschaften ist sie es nicht werth, in der Reihe unserer Hausthiere zu stehn. [2]

Sie hat den unwiderstehlichen Trieb zu schaden, zu morden und zu rauben. Sie nimmt ein artiges, schmeichelhaftes, gefälliges Äussere an, aus blosser Furcht vor Strafe. [2]

Ihr Blick verräth Misstraun, sie wagt es nicht, selbst ihren Wohlthäter gerade anzusehn. [2]

Grundsätzlich korrekt, Katzen blicken ihr Gegenüber eher nicht direkt an. Die Schlussfolgerung ist allerdings falsch, denn die Katze ist bei solchem Verhalten, unter kätzischen Gesichtpunkten, höflich.

Der Katze ist weder die Gelehrigkeit, noch irgendeine liebenswürdige Eigenschaft, die wir bei den Hunden finden, eigen. [2]

Die Katze als kleiner Hund, eine Annahme, die sich teils bis heute findet und wenig Katzenverständnis verrät.

Sie hat ein sehr hartes Leben, kann viele Schläge vertragen. [2]

Erschreckend!

Die Katze ist weder dankbar noch treu. Sie ist keines Menschen Freund. [2]

Sie hat eine Vorempfindung, eh Gewitter und Erdbeben eintreten und gibt diese durch eine gewisse Unruh zu erkennen. [2]

Korrekt.


Die Katze kann in einem luftleeren Raume unglaublich lange ausdauern. [2]

Erschreckend. Wer hat das getestet?

Die meisten Gifte schaden ihnen nicht und wenn sie dergleichen genossen haben, so geben sie sie durchs Erbrechen wieder von sich. [2]

Unsinn. Die Beobachtung ist richtig, der Rückschluss falsch. Das Erbrechen dient dem Ausspeien von im Magen angesammelten Haaren, die bei der Körperpflege aufgenommen werden.

Ein groß abscheuhen sollen die katzen haben ob allen übelriechenden geschmack / auß welcher ursach sie ihr eigen kaat in ein grüben / so sie vor aufscharret / verdecken und verkratzen: oder als Plinius schreibt / daßmit die Meuß solches riechen / sie sich selber also verrathen. [4]

Dieweil die katz ein gar fräßig Thier ist / so kumpt sien icht zu mechtigem alter. Aristoteles und Plinius schreiben von sechs jahren: bei und gemeinlich zehen jar: so sie verschnitten so werden sie auch elter. [4]

Die katz wird heftig ob dem wasser verletzt / denn die äusserliche feuchte ist wider ihr natur / dieweil sie auch ihre füß nicht gutwillig netzet: wo sie in wasser geworfen / od sonst genetzt / nicht ohn verzug getrocknet wirt / so muß sie zu zeiten sterben. [4]

Lieben sunst ihre gewonte ort / die selbigen vilmer dann ihre herren / so der hund das widerspil thut / liebet mehr seinen herren dann das ort da er erzogen: die katz aber mehr die herberg / dieweil sie auch widerkeert ob sie schon in einen verschlossenen sack an andere ort getragen wird. [4]

Hält sich meists in Häusern auff / da hingegen die wilden sich in Wäldern auffhalten. (1716) [6]

Sie sehen des Nachts so gut als am Tage / weswegen sie manche Mauß / ehe sie sichs versiehet / wegnahmen / und mit ihr das Garaus spielen. (1716) [6]

Sie können brav zubeissen / auch ist der Geruch / wenn sie ihren Harn lassen 7 dem Menschen sehr zuwieder. [6]

Wegen ihrer Falschheit aber werden noch heut alle falsche Freunde denen Katzen verglichen. [6]

[..] Reinlichkeit, auf welche sie sehr viel halten, wie zu ersehen, daß sie f.h. ihren Urin und andere Nothdurfft auf einem reinen Fleck oder weiß Papier, Wäsche, Kleider und dergleichen zu verrichten pflegen. [7]

Die Katze ist ein Zeichen der Freyheit, und von denen alten Schwaben wegen dieser Deutung in denen Fahnen geführt, weil sie eingesperret sich zu todte schreier, wenn sie auch Essen und Trincken hat. [7 mit Verweis auf Cardinal Julius Mazarin]

Quellen des alten Katzen(un)wissens

[1] von Reider, Jacob Ernst; Hahn, K.W.: Gemeinnützige Naturgeschichte der Tiere Bayerns, Die zahme oder Hauskatze, 1832
[2] Müller, Anton: Die Reiche der Natur, Verlag Gottfried Vollmer, Hamburg, 18xx
[3] Magnus, Albertus: Das Buch der Natur, lateinisch 1230-1244; deutsche Übersetzung von Konrad von Mengenberg, zwischen 1349 und 1350
[4] Gesner, Dr. Conrad: Thierbuch, 1563, Übersetzung Conrad Foterder
[5] Becher, Johann Joachim: Zoologia, 1662
[6] von Hellwig, Christoph: Regnum Animale; Thier-Reich, 1716
[7] Carpzov, Christian Benedict: Kattologia, Leipzig, 1716