Sie sind hier: Startseite » Katzen A-Z » Biologie » Anatomie

Krallen & Zähne

Die Waffen der Katze

Zähne der Katze
Zähne der Katze © 2013 Welt der Katzen / Abbildung nach "The natural history of the felinae", Naturgeschichte der Felinae" von Sir William Jardine, 1834

Die Waffen der Katze bestehen aus dem starken Gebiss und den scharfen, sichelförmigen Krallen.

von Marcus Skupin | Welt der Katzen
Stand: 20.02.2017

Krallen

Krallen der Katze
Krallen der Katze Dieses Bild basiert auf dem Bild "Krallen der Katze" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.

Die Krallen sind die wohl wichtigsten Werkzeuge der Katzen. Sie bestehen, wie die menschlichen Fingernägel, aus Keratin und verlängern das letzte Zehenglied.

Katzenkrallen sind spitze, scharfe und sichelförmig gebogene Waffen, die zur Jagd, zur Verteidigung und beim Klettern eingesetzt werden. Darüberhinaus dienen sie auch der Kommunikation, dann nämlich wenn die Katze sogenannte Kratzspuren als Reviermarkierungen einsetzt.

Zum Schutz vor Abnutzung können alle Katzen ihre Krallen einziehen (Geparde allerdings nur eingeschränkt). Dies geschieht durch eine Art "Klappmechanismus" in der Katzenpfote, bei dem die zuständigen Muskeln entspannt werden, dadurch das dritte neben das zweite Zehenglied gezogen und durch Bänder in dieser Position gehalten wird. Die Krallen verschwinden dabei im Fuß der Katze und werden so vor unnötiger Abnutzung geschützt.

Zähne

Katzengebiss
Katzengebiss Dieses Bild basiert auf dem Bild "Gebiss der Katze" aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.

Die zweite Waffe der Katze, die Zähne sind auf das Halten und Zerteilen von Beute abgestimmt. Katzenzähne sind demgemäß scharf. Mahlzähne, mit denen Nahrung "zermahlen" wird, benötigt die Katze als reiner Fleischfresser nicht. Sie schluckt und verdaut Fleischbrocken komplett.

Eine schöne Beschreibung des Katzengebisses liefert PÖPPIG (1847):
"Stark hervortretende Knochenkämme und ungemeine Weite der Schläfengrube deuten auf eine im höchsten Grade entwickelte Beißkraft, die durch den kurzen und wenig gebogenen Unterkiefer vermehrt wird. Die Einlenkung des letzteren ist übrigens noch von der Art, daß sie keine Seitenbewegung gestattet und die Kraft der Beißmuskeln um so verminderter erhalten wird, als die Thätigkeit derselben nur in einer und zwar in senkrechter Richtung erfolgt. Die Einfachheit, aber große Stärke des Gebisses steht mit jenem Baue in Harmonie.
Auf die sehr kleinen Schneidezähne folgen gewaltig große Eckzähne, endlich Backenzähne, die, mit vorzugsweis glashartem Schmelz überzogen, querüber keinen großen Durchmesser haben, zusammengedrückt und keilförmig gestaltet ohne Schwierigkeit in einen Gegenstand eindringen. Der Reißzahn des Oberkiefers ist dreispitzig, derjenige des Unterkiefers zweispitzig, und beide gleiten so genau und schneidend an einander vorüber, daß, in diesem Falle, die früher angewendete Vergleichung dieses Theiles des Raubthiergebisses mit Scheerenblättern vollkommen gerechtfertigt erscheint. Der einzige Höckerzahn steht im Oberkiefer als letzter der Reihe, ist so klein, daß er kaum über den Kieferrand vorragt, hat eine platte Gestalt und eigentlich keinen Gegner im Unterkiefer, scheint aber dem hintersten Zacken des unteren Reißzahnes entgegenwirken zu können." [2]

Ausgewachsene Hauskatzen haben - wie auch die meisten wilden Katzenarten - ein Gebiss mit 30 Zähnen. Junge Katzen hingegen verfügen noch nicht über alle Backenzähne (die Molaren fehlen). Ihr Milchgebiss weist daher nur 26 Zähne auf.

Die Zahnformel für das Milchgebiss lautet:

oben: 3i 1c 3p
unten: 3i 1c 2p

Die Zahnformel für das bleibende Gebiss:

oben: 3I 1C 3P 1M
unten: 3I 1C 2P 1M

Die Buchstaben sagen folgendes aus:

M = Molare = Backenzähne
P = Prämolare = Vor-Backenzähne
C = Canini = Reisszähne
I = Incisivi = Schneidezähne

es wird jeweils nur eine Seite des Kiefers beschrieben, so dass die Zahl mit 2 multipliziert werden muss. Milchzähne werden mit Kleinbuchstaben, bleibende Zähne mit Großbuchstaben bezeichnet.

Eine abweichende Anzahl von Zähnen (28) existiert bei kurzköpfigen Katzenarten wie den Luchsen, Asiatischer Goldkatze, Afrikanischer Goldkatze und Karakal (x1).

Die Zahnformel dieser Katzenarten für das bleibende Gebiss lautet daher:

oben: 3I 1C 2P 1M
unten: 3I 1C 2P 1M

Zahnwechsel

Der Zahnwechsel der Katze beginnt in ihrem 4. Lebensmonat und geht Schrittweise vor sich. Zunächst brechen nach etwa 103 bis 135 Tagen die neuen Schneidezähne (Incisivi), gefolgt von den Backenzähnen, den Molaren nach etwa 130 bis 162 Tagen durch. Schließlich folgen die Eckzähne (Canini) nach 149 bis 153 Tagen und zum Schluß die Vorbackenzähne (Prämolare) nach etwa 150 bis 174 Tagen.

Das Gebiss der Katze ist auf das Zerteilen und Fressen von Fleisch ausgerichtet.
Die Fangzähne (Eckzähne) dienen wie der Name bereits sagt dem Fangen aber auch dem Halten und Töten ihrer Beutetiere. Fangzähne sind deutlich vergrößert und werden zumeist in den Nacken oder die Kehle der Beute geschlagen, wobei Halsschlagader oder Rückenmark durchtrennt werden. Einige Katzenarten nutzen die Fangzähne auch zum "Aufbrechen" gepanzerter Beutetiere.
In der Übergangsphase vom Milchgebiss zum permanenten Gebiss gibt es eine kurze Phase, während der sich die Wurzeln der bleibenden Eckzähne herausbilden und sich gleichzeitig die Wurzeln der Milch-Eckzähne zurückbilden. In diesem Zeitraum ist die Katze auf die Ernährung durch die Mutter angewiesen, da sie - selbst wenn sie bereits selbständig Beute fangen kann - nicht in der Lage ist Beutetiere zu töten. Die Eckzähne funktionieren in diesem Zeitraum nicht [1].

Mit Hilfe der Schneidezähne wird das Fleisch regelrecht von den Knochen der Beute geschnitten. Die Zähne arbeiten wie eine Schere zusammen und zerteilen größere Beutestücke bei Bedarf in "mundgerechte" Stücke, während kleinere Teile komplett verschlungen werden.

Quellen:

[1] Seidensticker, John; Lumpkin, Susan: Cats in Question, The Smithsonian Answer Book
[2] Pöppig, Eduard: Illustrierte Naturgeschichte des Thierreichs, Band 1, S. 91 bis 111, Leipzig, Verlagsbuchhandlung J.J.Weber, 1847