Krallen & Zähne

Die Waffen der Katze

Katzengebiss

Zähne der Katze

Abb. n. "The natural history of the felinae", Naturgeschichte der Felinae" von Sir William Jardine, 1834

Die Waffen der Katze bestehen aus dem starken Gebiss und den scharfen, spitzen, sichelförmigen Krallen.

Marcus Skupin | Welt der Katzen (2002), Stand: 25. April 2021

Krallen und Gebiss der Katzen dienen der Jagd, der Verteidigung, der Nahrungsaufnahme, der Körperpflege und dem Festhalten. Kurz: Beides sind wichtigste "Werkzeuge" im gesamten Leben einer Katze.

Krallen

Katzenkrallen

Krallen der Katze

Abb.: "Krallen der Katze", freie Enzyklopädie Wikipedia; GNU-Lizenz für freie Dokumentation.

Die Krallen sind die wohl wichtigsten Werkzeuge der Katzen. Sie bestehen, wie die menschlichen Fingernägel, aus Keratin und verlängern das letzte Zehenglied.

Katzenkrallen sind spitze, scharfe und sichelförmig gebogene Waffen, die zur Jagd, zur Verteidigung und beim Klettern eingesetzt werden. Darüber hinaus dienen sie auch der Kommunikation, dann nämlich wenn die Katze sogenannte Kratzspuren als Reviermarkierungen einsetzt.

Zum Schutz vor Abnutzung können alle Katzen ihre Krallen einziehen (Geparde allerdings nur eingeschränkt). Dies geschieht durch eine Art "Klappmechanismus" in der Katzenpfote, bei dem die zuständigen Muskeln entspannt werden, dadurch das dritte neben das zweite Zehenglied gezogen und durch Bänder in dieser Position gehalten wird. Die Krallen verschwinden dabei im Fuß der Katze und werden so vor unnötiger Abnutzung geschützt.

Die Katze verfügt übrigens über 18 Krallen, von denen je 5 Krallen an den Vorderpfoten und je 4 Krallen an den Hinterpfoten zu finden sind.

Zähne

Katzengebiss

Katzengebiss

Abb.: "Gebiss der Katze", freie Enzyklopädie Wikipedia; GNU-Lizenz für freie Dokumentation.

Die zweite Waffe der Katze, die Zähne sind auf das Halten und Zerteilen von Beute abgestimmt. Katzenzähne sind demgemäß scharf. Mahlzähne, mit denen Nahrung "zermahlen" wird, benötigt die Katze als reiner Fleischfresser nicht. Sie schluckt und verdaut Fleischbrocken komplett.

Eine schöne Beschreibung des Katzengebisses liefert PÖPPIG (1847):
"Stark hervortretende Knochenkämme und ungemeine Weite der Schläfengrube deuten auf eine im höchsten Grade entwickelte Beißkraft, die durch den kurzen und wenig gebogenen Unterkiefer vermehrt wird. Die Einlenkung des letzteren ist übrigens noch von der Art, dass sie keine Seitenbewegung gestattet und die Kraft der Beißmuskeln um so verminderter erhalten wird, als die Thätigkeit derselben nur in einer und zwar in senkrechter Richtung erfolgt. Die Einfachheit, aber große Stärke des Gebisses steht mit jenem Baue in Harmonie.
Auf die sehr kleinen Schneidezähne folgen gewaltig große Eckzähne, endlich Backenzähne, die, mit vorzugsweis glashartem Schmelz überzogen, querüber keinen großen Durchmesser haben, zusammengedrückt und keilförmig gestaltet ohne Schwierigkeit in einen Gegenstand eindringen. Der Reißzahn des Oberkiefers ist dreispitzig, derjenige des Unterkiefers zweispitzig, und beide gleiten so genau und schneidend an einander vorüber, dass, in diesem Falle, die früher angewendete Vergleichung dieses Theiles des Raubthiergebisses mit Scherenblättern vollkommen gerechtfertigt erscheint. Der einzige Höckerzahn steht im Oberkiefer als letzter der Reihe, ist so klein, dass er kaum über den Kieferrand vorragt, hat eine platte Gestalt und eigentlich keinen Gegner im Unterkiefer, scheint aber dem hintersten Zacken des unteren Reißzahnes entgegenwirken zu können." [2]

Ausgewachsene Hauskatzen haben - wie auch die meisten wilden Katzenarten - ein Gebiss mit 30 Zähnen. Junge Katzen hingegen verfügen noch nicht über alle Backenzähne (die Molaren fehlen). Ihr Milchgebiss weist daher nur 26 Zähne auf.

Die Zahnformel für die Katze

 

Milchgebiss

(26 Zähne)

 

bleibendes

Gebiss

(30 Zähne)

 

oben

3i

1c

3p

3I

1C

3P

1M

unten

3i

1c

2p

3I

1C

2P

1M

Die Buchstaben sagen dabei Folgendes aus:

M = Molare = Backenzähne
P = Prämolare = Vor-Backenzähne (p = Milch-Vorbackenzähne)
C = Canini = Fangzähne, Eckzähne (c = Milch-Eckzähne)
I = Incisivi = Schneidezähne (i = Milch-Schneidezähne)

Es wird jeweils nur eine Seite des Kiefers beschrieben, so dass die Zahl mit 2 multipliziert werden muss. Milchzähne werden mit Kleinbuchstaben, bleibende Zähne mit Großbuchstaben bezeichnet.

Eine abweichende Anzahl von Zähnen (28) existiert bei kurzköpfigen Wildkatzenarten wie den Luchsen, Asiatischer Goldkatze, Afrikanischer Goldkatze und Karakal [1] sowie bei Geparden. Ihnen fehlt meist der 2. Vorbackenzahn (Pm 2 / P2) [3]. Einzelne Individuen allerdings verfügen über Pm 2.

Auch Margay und Oncilla sowie die von Severtzow als Noctifelis benannte Nachtkatze (Leopardus guigna) wiesen Pm2 in der Regel nicht auf [3].

Zahnformel kurzköpfiger Wildkatzenarten

 

bleibendes

Gebiss

(28 Zähne)

 

oben

3I

1C

2P

1M

unten

3I

1C

2P

1M

Zahnentwicklung & Milchzähne

Neugeborene Kätzchen sind noch zahnlos. Die Milchzähne entwickeln sich in den ersten Lebenswochen.

Etwa zwischen dem 14. bis 21. Lebenstag (also 2-3 Wochen nach der Geburt) brechen die ersten Milchzähne durch. Die Incisivi (Schneidezähne) lassen sich bereits kurz vorher im Kiefer des Katzenbabys ertasten. Das Kätzchen bekommt jeweils 6 Milchschneidezähne im Ober- und im Unterkiefer.

Etwa 1 Woche später, zwischen dem 21. und 28. Lebenstag der Katze (also mit 3-4 Wochen) folgen den Incisivi die Canini, die Eck-/Fangzähne. Die Zahl der Milcheckzähne beträgt jeweils 2 im Unter- und im Oberkiefer.

Als nächstes folgen die vorderen Backenzähne (Prämolaren) zwischen dem 28. und 42. Lebenstag des Kitten (nach 4-6 Wochen). Im Unterkiefer wachsen zwei Prämolaren, im Oberkiefer 3 Prämolaren. Nun ist das Milchgebiss mit 26 Zähnen komplett.

Hintere Backenzähne sind im Milchgebiss der Katze nicht enthalten. An der Entwicklung des Milchgebisses lässt sich zusammenfassend das Alter von Katzenbabys recht gut bestimmen.

Zahnwechsel

Der Zahnwechsel der Katze beginnt in ihrem 4. Lebensmonat und geht Schrittweise vor sich. Zunächst brechen im bleibenden Gebiss nach etwa 103 bis 135 Tagen die neuen Schneidezähne (Incisivi), gefolgt von den Backenzähnen, den Molaren nach etwa 130 bis 162 Tagen durch. Schließlich folgen die Eckzähne (Canini) nach 149 bis 153 Tagen und zum Schluß die Vorbackenzähne (Prämolare) nach etwa 150 bis 174 Tagen, die erst erneuert werden, nachdem die hinteren Backenzähne durchgebrochen sind (da die Katze sonst ggf. über einen Zeitraum von 2 bis 3 Wochen keinerlei Backenzähne hätte).

Das Gebiss der Katze ist auf das Zerteilen und Fressen von Fleisch ausgerichtet.
Die Fangzähne (Eckzähne) dienen wie der Name bereits sagt dem Fangen aber auch dem Halten und Töten ihrer Beutetiere. Fangzähne sind deutlich vergrößert und werden zumeist in den Nacken oder die Kehle der Beute geschlagen, wobei Halsschlagader oder Rückenmark durchtrennt werden. Einige Katzenarten nutzen die Fangzähne auch zum "Aufbrechen" gepanzerter Beutetiere.

In der Übergangsphase vom Milchgebiss zum permanenten Gebiss gibt es eine kurze Phase, während der sich die Wurzeln der bleibenden Eckzähne herausbilden und sich gleichzeitig die Wurzeln der Milch-Eckzähne zurückbilden. In diesem Zeitraum ist die Katze auf die Ernährung durch die Mutter angewiesen, da sie - selbst wenn sie bereits selbständig Beute fangen kann - nicht in der Lage ist, Beutetiere zu töten. Die Eckzähne funktionieren in diesem Zeitraum nicht [1].

Mit Hilfe der Schneidezähne wird das Fleisch regelrecht von den Knochen der Beute geschnitten. Die Zähne arbeiten wie eine Schere zusammen und zerteilen größere Beutestücke bei Bedarf in "mundgerechte" Stücke, während kleinere Teile komplett verschlungen werden.

Quellen:

[1] Seidensticker, John; Lumpkin, Susan: Cats in Question, The Smithsonian Answer Book
[2] Pöppig, Eduard: Illustrierte Naturgeschichte des Thierreichs, Band 1, S. 91 bis 111, Leipzig, Verlagsbuchhandlung J.J.Weber, 1847
[3] Schwangart, Friedrich: Südamerikanische Busch-, Berg-, und Steppenkatzen, Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Heft 49, 1941

Liebe ist das höchste Gut der Welt! Wo Du sie findest, halte sie fest - denn ohne sie kannst Du nicht leben.

Marcus Skupin, 1982

Katzensprache

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Kompendium der Katzensprache Edition Welt der Katzen, Band 8 Die Katze setzt neben der Lautsprache, die weit mehr ist, als ein einfaches "Miau", zahlreiche Ausdrucksmöglichkeiten der Körpersprache...

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