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Stress

Stress bei der Katze erkennen

Hauskatze in Rhodos
Hauskatze in Rhodos © 2019 Marcus Skupin

von Marcus Skupin | Welt der Katzen

Wie fühlt sich meine Katze? Ist sie entspannt oder steht sie etwa unter Stress?

Bei Stress schüttet der Körper schubweise ein Hormon aus, das Cortisol. Um herauszufinden, ob Tiere unter Stress stehen, ist es daher möglich den Cortisolgehalt des Blutes zu bestimmen. Für den normalen Katzenbesitzer allerdings wohl eher eine rein theoretische Möglichkeit.

Doch es geht auch einfacher.

Anhaltspunkte für das Wohlbefinden von Katzen lassen sich nämlich vom Katzenfreund anhand verschiedener Indikatoren erkennen. Deutliche Zeichen liefern beispielsweise die Haltung von Ohren und Schwanz der Katze. Auch die Pupillenstellung oder die Körperhaltung des Tieres sind oft deutliche Hinweise auf das Befinden.

Im Jahr 1992 entwickelte die Wissenschaftlerin McCune ein Punktesystem (Cat-Assessment-Score), mit dessen Hilfe das Befinden von Katzen kategorisiert werden kann. Dieses System wurde von Kassler & Turner (1997) zum Cat-Stress-Score weiterentwickelt.

Das Punktesystem ermöglicht die abgestufte Ermittlung des Stressniveaus durch einfache Beobachtung der Katze. Dabei finden offensichtliche Körpermerkmale sowie das aktuelle Verhalten des Tieres Berücksichtigung.

Im Ergebnis der Einteilung ergeben sich sieben denkbare Stresslevel der Katze, die von völliger Entspannung (Level 1) bis Panik / Todesangst (Level 7) reichen und anhand von insgesamt zwöölf (12) Indikatoren festgestellt werden. Ein Teil der Indikatoren wird zudem noch danach unterteilt, ob die Katze inaktiv (i) oder aktiv (a) wirkt.

Berücksichtigung finden bei der Ermittlung des Stresslevels die Körperhaltung (Körper, Beine, Schwanz und Kopf) sowie Atmung, Schutz des Bauches, Stellung von Augen, Pupillen, Ohren und Vibrissen ebenso wie Lautgebung und Aktivität der Katze.

Level 1: Katze ist komplett entspannt

Hauskatze in Rhodos
Hauskatze in Rhodos © 2019 Marcus Skupin

Die vollkommen entspannte Katze ist inaktiv und liegt mit langgestrecktem Körper auf der Seite oder auf dem Rücken. Ihr Bauch ist sichtbar und damit ungeschützt. Die Beine sind gestreckt und auch der Schwanz ist ausgestreckt bzw. locker um den Körper gelegt.

Die Atmung einer entspannten Katze ist langsam und gleichmäßig. Sie wird den Kopf (Kinn oder Wange) auf dem Untergrund liegend, ihre Augen geschlossen, evtl. halb geöffnet halten und vielleicht gelegentlich einmal Blinzeln.

Pupillen, Ohren und Vibrissen befinden sich in Normalstellung, d.h. die Ohren sind zur Seite oder leicht nach hinten gerichtet und auch die Schnurrhaare werden seitlich gehalten.

Die entspannte Katze schläft, ruht oder döst und gibt im Regelfall keinen Laut von sich. Manche Katzen schnarchen allerdings im Schlaf leicht.

(vgl. die Übersicht: Tabelle)

Level 2: Katze ist schwach entspannt

Eine schwach entspannte Katze kann sich sowohl inaktiv (i) als auch aktiv (a) verhalten (vgl. Tabelle).

Aktive Katzen stehen oder bewegen sich bei schwacher Entspannung mit geradem Rücken und gestreckten Beinen. Der Schwanz ist hochgestellt oder hängt locker herunter. Der Kopf bewegt sich leicht, die Augen sind geöffnet. Die Pupillen befinden sich in Normalstellung, die Ohren können entweder in Normalstellung oder auch nach außen oder hinten gedreht gehalten werden, sind jedoch bei der schwach entspannten Katzen nie angelegt.
Die Schnurrhaare werden in Normalstellung oder nach vorn gerichtet gehalten.

Die Katze ist aufmerksam und aktiv bis hin zum Spiel. Die Atmung ist langsam.

Inaktive Katzen sitzen oder sie liegen halb seitlich bzw. in Bauchlage. Der Bauch kann dabei sichtbar, also ungeschützt sein. Die Beine sind angewinkelt bzw. untergeschlagen, die Hinterbeine können ausgestreckt sein und auch der Schwanz ist ausgestreckt bzw. locker um den Körper gelegt.

Die Atmung einer schwach entspannten, inaktiven Katze ist langsam und gleichmäßig. Sie wird den Kopf aufstützen oder am Körper halten. Die Augen der Katze sind halb oder auch ganz geöffnet, können aber auch geschlossen sein, falls das Tier gerade döst oder schläft.
Die Pupillen befinden sich in Normalstellung, die Ohren können entweder in Normalstellung oder auch nach außen oder hinten gedreht gehalten werden, sind jedoch bei der schwach entspannten Katzen nie angelegt.
Die Schnurrhaare werden in Normalstellung oder nach vorn gerichtet gehalten.

Die schwach entspannte, inaktive Katze schläft, ruht, döst, kann jedoch auch aufmerksam sein und wird im Regelfall keinen Laut von sich geben.

(vgl. die Übersicht: Tabelle)

Level 3: Katze ist angespannt

Hauskatze in Rhodos
Hauskatze in Rhodos © 2019 Marcus Skupin

Eine angespannte, inaktive Katze liegt in Bauchlage oder sitzt. Sie hält ihre Beine angewinkelt. Der Schwanz wird nah am Körper gehalten, evtl. auch bogenförmig nach hinten.

Die angespannte aktive Katze steht oder bewegt sich oftmals in der sogenannten Hyänenstellung, d.h. der Körper wird hinten tiefer gehalten als vorn. Die Beine sind gestreckt, der Schwanz wird aufgerichtet oden nach unten gehalten. Er zuckt eventuell.

Der Bauch einer angespannten Katze wird geschützt und ist damit nicht sichtbar. Die Atmung ist langsam.
Der Kopf wird eingezogen direkt über dem Körper gehalten. Die Augen sind geöffnet, die Pupillenstellung ist normal. Die Ohren befinden sich in Normalstellung, nach außen oder hinten gedreht, jedoch nicht angelegt. Bezieht sich die Anspannung beispielsweise auf eine Beobachtung, so sind die Ohren aufmerksam ach vorn gerichtet. Die Vibrissen werden in Normalstellung oder nach vorn gehalten.

Angespannte Katzen verhalten sich meist still, in manchen Situationen wird jedoch auch miaut. In Abhängigkeit von der speziellen Situation sind angespannte Katzen wach, ruhen oder zeigen aktives Erkundungsverhalten.

(vgl. die Übersicht: Tabelle)

Level 4: Katze ist stark angespannt

Eine stark angespannte, inaktive Katze liegt zusammengezogen in Bauchlage oder sitzt. Sie hält ihre Beine angewinkelt. Der Schwanz wird eng am Körper anliegend gehalten.

Die stark angespannte aktive Katze steht oder bewegt sich oftmals in einer deutlichen Hyänenstellung, d.h. der Körper wird hinten tiefer gehalten als vorn. Die Beine werden vorn gestreckt und hinten etwas eingeknickt. Der Schwanz wird gespannt nach unten oder im Bogen nach vorn gehalten, zuckt oder schlägt.

Der Bauch einer stark angespannten Katze wird geschützt und ist damit nicht sichtbar. Die Atmung ist langsam.
Der Kopf wird eingezogen direkt über dem Körper gehalten bzw. an den Körper gepresst. Bewegungen des Kopfes finden kaum, meist überhaupt nicht atatt. Die Augen sind weit geöffnet oder eng geschlossen, die Pupillen sind normal können jedoch auch teilweise erweitert sein. Die Ohren werden nach außen oder hinten gedreht. Bezieht sich die Anspannung auf eine Beobachtung, so sind die Ohren aufmerksam ach vorn gerichtet. Die Vibrissen werden in Normalstellung oder nach vorn gehalten.

Stark angespannte Katzen verhalten sich entweder still oder Miauen, auch klagend. In Abhängigkeit von der speziellen Situation sind angespannte Katzen wach, ruhen oder zeigen aktives Erkundungsverhalten. In beunruhigenden Situationen liegen sie ggf. eng eingerollt, verkrampft, zeigen sich alarmiert und reagieren mich einem Fluchtversuch.

(vgl. die Übersicht: Tabelle)

Stressindikatoren und Stresslevel

Stressindikatoren bei der Katze
Stressindikatoren bei der Katze

Level 5: Katze ist ängstlich, steif

Eine ängstliche Katze sitzt oder liegt zusammengezogen in Bauchlage um den Bauch zu schützen. Ist das ängstliche Tier aktiv, so steht es in deutlicher Hyänenstellung. Die Beine sind in jedem Fall angewinkelt, stehend geduckt. Der Schwanz liegt eng am Körper, bei stehenden Katzen eventuell in einem Bogen nach vor.

Ängstliche Katzen atmen langsam bis schnell. Die Augen sind weit geöffnet, die Pupillen erweitert. Die Vibrissen werden nach vorn gehalten, können jedoch auch seitlich anliegen (Normalstellung). Der Kopf ist zwischen die Schultern gezogen, die Ohren angelegt, d.h. seitlich oder nach hinten abgeflacht.

Mögliche Lautgebung sind klagendes Miauen, Jaulen oder Knurren. Die Tiere sind alarmiert und reagieren ggf. mit einem Fluchtversuch.

(vgl. die Übersicht: Tabelle)

Level 6: Katze ist sehr ängstlich

Ist die Katze sehr ängstlich, so liegt sie zusammengezogen in Bauchlage oder kauert auf ihren vier Pfoten, um den Bauch zu schützen. Die Beine sind angewinkelt. Der Schwanz wird eng am Körper anliegend gehalten und bewegt sich nicht. Bewegungen erfolgen geduckt oder kriechend. Das Tier zittert.

Der Kopf wird eng am Körper gehalten, zwischen die Schultern gezogen und ist meist der Gefahr abgewandt. Die Ohren sind angelegt, die Augen weit aufgerissen und die Pupillen extrem erweitert. Die Vibrissen werden eng an den Kopf, nach hinten angelegt.

Sehr ängstliche Katzen sind alarmiert, bewegungslos oder allenfalls tief geduckt schleichend. Je nach Angstsituation sind sehr ängstliche Katzen still, Miauen klagend, jaulen oder knurren.

(vgl. die Übersicht: Tabelle)

Level 7: Katze ist in Panik oder Todesangst

Eine Katze, die in Panik ist und Todesangst hat, kauert bewegungslos zitternd auf allen vier Pfoten am Boden. Die Beine sind eingeknickt, der Schwanz liegt eng am Körper an.

Die Atmung panischer Katzen geht schnell, die Augen sind aufgerissen, die Pupillen extrem erweitert. Ohren und Vibrissen sind komplett nach hinten und unten angelegt.

Als Lautäußerungen kommen klagendes Miauen, Jaulen oder Knurren in Betracht.

(vgl. die Übersicht: Tabelle)

Kontrolluntersuchungen zur Verlässlichkeit der v.g. Punkteeinteilung ergaben übrigens, dass die Ergebnisse aus der Tabelle zu 90 Prozent zutreffen.

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