Sie sind hier: Startseite » Katzen A-Z » Religion

Katze und Judentum

von Marcus Skupin (ןיפוקס קראמ) | Welt der Katzen

Wie im Christentum, so wird natürlich gerade im Judentum die Schöpfungsgeschichte der Welt erzählt.

[...]

23. Und es wurde Abend und wurde Morgen: der fünfte Tag.

24. Und Gott sprach: Es bringe hervor die Erde Leben-Atmendes nach seiner Art, Vieh und Gewürm und Getier des Landes nach seiner Art; und es wurde also.

25. Also machte Gott das Getier des Landes nach seiner Art und das Vieh nach seiner Art und alles Gewürm des Erdbodens nach seiner Art, und Gott sah, dass es gut war.

26. Und Gott sprach: Lasst uns machen einen Menschen in unserem Bilde nach unserer Ähnlichkeit; und sie sollen bewältigen die Fische des Meeres und das Federvieh des Himmels und das Vieh und die ganze Erde, und all das Gewürm, das sich regt auf Erden.

27. Und Gott schuf den Menschen in seinem Bilde, im Bilde Gottes schuf er ihn; Mann und Frau schuf er sie.

28. Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die Erde und macht sie euch Untertan, und bewältiget die Fische des Meeres und das Federvieh des Himmels und alles Getier, das sich regt auf Erden.

29. Und Gott sprach: Siehe, ich gebe euch alles Kraut Samen tragend, das auf der Fläche der ganzen Erde ist und jeden Baum, an welchem Baumfrucht, Samen tragend, zum Essen für euch.

30. Und allem Getier des Landes und allen Vögeln des Himmels und allem, was sich reget auf der Erde, worin ein Lebensodem (gebe ich), alles grüne Kraut zum Essen; und es wurde also.

(Die Torah – 1. Buch Moscheh: Bereschit)

Im Talmud, der aus zwei Teilen, der Mischna sowie der Gemara besteht, wird erklärt, wie die biblischen Regeln im Alltag anzuwenden sind.

Zahlreiche Textstellen beschäftigen sich auch mit der Katze. Katzen konnten beispielsweise wie auch Wiesel und Igel zur "Reinigung der Häuser" genutzt werden.

Einige "theologische" Beispiele:

Mischna Thora, Gesetz über Diebstahl und verlorene Gegenstände 15, 17: "eine böse Katze, die Kinder tötet, soll nicht am Leben erhalten werden ..."

--
Rabbi Solomon ben Abraham Adret, (1235 - 1310): "Es geschieht jeden Tag, dass sich eine Katze an einen Ort begibt, an dem sich Hühner aufhalten, ohne dass wir beunruhigt wären. .. es ist möglich, dass die Katzen, die man bei uns findet, in Anwesenheit von Geflügel gezähmt wurden... es gibt auch Leute mit der Ansicht, solange wir nicht erblicken, wie eine Katze ein Huhn verfolgt und angreift, sollten wir nicht bangen; nur in einem solchen Fall sollten wir besorgt sein."

--
Rabbi Jochanan: "Würde die Tora nicht verliehen worden sein, so könnten wir Keuschheit von der Katze lernen (Erub. 100 b)."

--

Katzentiere im Talmud

Die Katze fand schon früh, ihres Nutzens halber, Aufnahme in die Wohnungen der Menschen. Sie vertilgt die Mäuse, die Wiesel und frisst selbst Schlangen, deren Gift ihr unschädlich ist, wobei nur für die Bewohner des Hauses die Gefahr obwaltet, daß die Katze einige Schlangenknochen zurückläßt, die alsdann in die Fersen der Menschen dringen und von tödtlichen Folgen werden könnten.

Auch gewährt die Katze mit ihrem weichen, schönen Felle einen Nutzen. Dahingegen bringt sie durch ihre Gefräßigkeit viel Schaden und durch ihre Gebissigkeit sogar Gefahr. Sie tötet junges Geflügel, junge Lämmer und Ziegen und wagt sich sogar an großes Geflügel. Sie hat fünf Krallen, weshalb man einst eine Henne, welcher eine nachsetzende Katze mit der Pfote ins Gesicht schlug, untersuchte und an der verwundeten Stelle fünf Blutflecken fand. Auch Säuglingen kann sie, wenn sie unbewacht bleibt, lebensgefährlich werden, aus welchem Grunde den Kindern vor der Brust ein Schutzleder umgebunden zu werden pflegte.
Ihre Fangwuth ist umso größer, wenn der Beute eine Ausflucht zur Rettung sich darbietet, in welchem Falle die von ihr beigebrachten Wunden jedesmal roth nterlaufen sind, während dieselben sonst die Brandröthe nicht zeigen.

Die weissen Katzen sind gebissiger als die schwarzen und wegen ihrer Gefährlichkeit darf derjenige, der eine böswillige Katze tödtet, sie als herrenlos betrachten und demgemäß ihr Fell sich aneignen (Choschen Mispat § 266, 4). Hier wird die Katze genannt, wobei man vielleicht an die bekannte Tollheit der Katze zu denken habe, in welchem Zustand sie allerdings gefährlich ist. Die Katzen haben nämlich vor enigen kampferartigen, ätherischen Pflanzen, wie Teucrium officinalis, eine solche Idiosynkrasie, daß sie in ihrer Nähe in eine Art Tollheit verfallen.

Ihre Nahrung besteht, wie erwähnt, aus kleinen Raubthieren, wie Mäuse, Ratten und Wieseln. Man pflegte ihr das Blut des weiblichen Abflusses aufzubewahren; doch soll in Folge des Genusses davon (in magischer Hinsicht) der Mensch entkräftet werden (Sabbat 75, b).
Ihre Feindschaft zu den letzteren (i.e. Wieseln) gab zu Bezeichnung der falschen Freundschaft zweier Feinde Gelegenheit zu dem Sprichwort: "Katze und Wiesel halten Hochzeit miteinander". Zuweilen überfrisst sich die Katze an Mäusen und geht daran zu Grunde.
Sie verscharrt ihre Exkremente, weshalb sie als Bild der Sittsamkeit dargestellt wird, was aber Plinius damit erklärt, weil die Katze befürchtet, es könnten Mäuse durch den Geruch ihrer Exkremente vertrieben werden. - Man bediente sich auch zu dem selben Zweck der Katzenexkremente (s. Art Maus). Die Katze hat für Alles, im Gegensatz zum Hunde, ein schlechtes Gedächtniß, was von dem Genuß von Mäusen erklärt wird (Horajoth 13, a).
Indessen verlässt sie die einmal gewählte bequeme Wohnung nicht, weshalb man sie wenig zu bewachen nöthig hat.

Sie gehört zum Thiergeschlecht. Ihre Tragzeit beträgt 52 Tage (Becheroth 8, a), was so ziemlich genau ist, da auch nach Voigt (I.c.1. S. 277) dieselbe 55 Tage dauert. - Die Bärmutter einer schwarzen Katze diente zu mystischen Zwecken (Berachoth 6, a). Im Kampfe mit der Ratte muß sie zuweilen unterliegen.

Der Leopard
Im Alterthume hatte man für die verschiedenen Geschlechter des Panthertiers besondere Namen. [...] Die Römer nannten jenes (Anm.: das Männchen): Pardus, dieses (anm.: das Weibchen): Pantera. Später gab man beiden Geschlechtern den gemeinsamen Namen: Variae, wegen des buntfleckigen Felles ("Nunc Varias et pardos, qui mares sunt, appellant in eo omni genere cereberrimo in Afrique Syriaque", vgl. Plin. h. n. 8, 17, 23). Die Araber hatten für Panther, Leoparden, Tiger und Unze den gemeinsamen Namen "Namiron", weil bei allen diesen Thieren auf die Buntfleckigkeit des Felles Rücksicht genommen wurde. So scheint auch das hebräische רמנ ein genereller Name für die verschiedenen buntgefleckten Thiere zu sein. Es übersetzen die Wörterbücher das Wort durch "Pardus" und "Panther", Elias durch: Tiger; dahingegen Raschi durch: Leopard, in welchem Sinne es im Talmud verstanden werden zu müssen wir glauben möchten,da derselbe für Tiger und Panther [andere hebräische Bezeichnungen] hat.

Der Leopard wird von den Alten als Bastard des Panthers und der Löwin angesehen; auch die Rabbiner halten den רמנ für einen Bastard, aber als den von dem Eber und der Löwin. So sagt Bartenoro (Anm.: Rabbi Obadja von Bertinoro, 1465 - 1515): Der Namar wird von dem Waldschwein und der Löwin geworfen; diese nämlich steckt zur Brunstzeit den Kopf in Walddickicht und ruft brüllend das Männchen herbei, sobald aber der Eber das Gebrüll hört, so kommt er herbei und coirt die Löwin, der Namar ist demzufolge als Bastard weniger stark als frech und räuberisch." In jener Mischna heisst es nämlich: Sei fest und unerschütterlich wie der Namr, was aber Raschi durch "angoisse" erklärt. Es bezeichnet dieser Ausdruck die bange, furchtsame Erwartung, welche man dem Leoparden zuschrieb, wann er seine Beute erwartet, da er, wie erwähnt, nicht sowohl stark als räuberisch ist und daher mit einer gewissen Aufregung auf seine Beute lauert. - Hierher gehört auch die Angabe des Talmuds, daß der רמנ in Polygamie lebt und wahrscheinlich als verachteter Bastard, der Sittlichkeit, als Gegenstück dargestellt wird (Kidushin 70, a). Seine Gefährlichkeit für Menschen und Heerden wird öfter erwähnt; doch ist er zähmbar. Seine Tragzeit beträgt drei Jahre.

Quellen:

[1] Lewysohn, Dr. L.: Die Zoologie des Talmuds, Die Katze, Der Leopard (§§ 116, 118, Auszug) Selbstverlag, Worms (1858)