Hauskatzenfelle

Historische Nutzung von Hauskatzenfellen

Raederkatzenfell

Raederkatzenfell

Bild: Thomea Wydra, CC-Lizenz

Die Felle von Hauskatzen stellten über viele Jahrzehnte einen nicht unerheblichen Handelsartikel dar. Ihr Fell wurde als Joppen- und Herrenpelzfutter oder zu Westen verarbeitet. Besonders gefragt waren naturfarbig graue und schwarze Felle, die im Handel als Genotten bezeichnet und verhältnismäßig gut bezahlt werden. Sie dienten als Ersatz für Felle des echten Skunk.

Historische Handelsquellen erwähnen, dass besonders hochwertige Felle aus den Niederlanden stammten („friesische Katzen“).

VERARBEITUNG

Bis zum Ersten Weltkrieg wurden Katzenfelle überwiegend zur Fütterung sogenannter „Gehpelze“ verwendet. Aufgrund des leichten Gewichts und des dünnen Leders eigneten sie sich ideal als wärmendes Innenfutter. Erst später kamen sie auch als sichtbarer Außenpelz, etwa für Damenjecken, zum Einsatz.

Im Rauchwarenhandel wurden Katzenfelle wegen ihres dünnen Leders oft „galoniert“ (mit Lederstreifen verbreitert) oder besonders weich zugerichtet, um sie als leichtes Innenfutter für Damen- und Herrenmäntel (Gehpelze) nutzbar zu machen.

VERWENDUNG in TECHNIK und AUSBILDUNG

Bis Anfang 2010 – dem Zeitpunkt, an dem die Einfuhr von Katzenfellen endgültig untersagt wurde – nutzten technische Einrichtungen wie die TÜV-Organisationen sowie Schulen Katzenfelle zur Demonstration elektrostatischer Aufladung, insbesondere von Kunststoffen.

Heute wird insbesondere Schafwollfilz als offizieller Ersatz für Katzenfelle bei Eich- und Prüfprozessen, teils auch spezielles synthetisches Gewebe, verwendet.

Wahrnehmung und medizinische Zuschreibungen

Bis in die Nachkriegszeit waren Pelze aus Hauskatzenfellen vergleichsweise verbreitet. Noch 1970 wurden Katzenfelle in der zoologischen und kürschnerischen Fachliteratur als „angesehene Pelztiere“ beschrieben.

Ihnen wurden traditionell stark wärmende Eigenschaften zugeschrieben, weshalb sie als Rheuma- oder Gichtdecken für ältere Menschen hoch im Kurs standen. Die im historischen Kontext oft erwähnten „heilenden elektrischen Ströme“ des Fells bei Gicht oder Rheuma [1] sind aus heutiger medizinischer Sicht nicht wissenschaftlich belegt. Die subjektiv wohltuende Wirkung basiert rein auf der intensiven, konstanten Trockenwärme des Materials; eine spezifische therapeutische Wirkung durch das Katzenhaar selbst existiert nicht.

Rechtliche Entwicklung

Im Jahr 2002 unterzeichneten die deutschen Pelzfachverbände für ihre Mitglieder - gemeinsam mit dem Welt-Pelzfachverband IFTF, International Fur Trade Federation - eine freiwillige Verzichtserklärung auf den Handel mit Hunde- und Hauskatzenfellen.

Hintergrund war die zunehmende ethische Debatte in westlichen Ländern, die das Haustier strikt vom Nutztier trennte.

Mit der Verordnung (EG) Nr. 1523/2007 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 11. Dezember 2007 [2] wurde ein Verbot des Inverkehrbringens sowie der Ein- und Ausfuhr von Katzen- und Hundefellen sowie von Produkten, die solche Felle enthalten, erlassen. Die Verordnung trat am 31. Dezember 2008 in Kraft. Sie gilt bis heute.

Nach nationalem deutschen Recht ist die Gewinnung von Katzenfellen zudem durch § 17 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) [3] untersagt, da das Töten eines Wirbeltieres (ohne primären Nutzen als Nahrungsmittel oder Seuchenbekämpfung) keinen „vernünftigen Grund“ darstellt und strafbar ist.

Klassifikation der Felle nach Farbe und Muster

Historisch wurden Katzenfelle nicht nach Herkunft, sondern nach Farbe und Muster unterschieden. Zu den gängigen Kategorien gehörten:

° Schwarze Katzen (Genottenkatzen, früher auch Janotte), einfarbig schwarzbraun bis fast schwarz.
°
Blaue Katzen (Kartäuserkatze), sehr selten. Einfarbig dunkelblau.
° Zypernkatzen (auch Cyperkatze), häufig. Gelblichgrau bis blaugrau mit regelmäßigen schwarzbraunen bis schwarzen Querstreifen und Flecken.
° Räder- oder Marmorkatzen, wildgrau bis blaugrau mit regelmäßigen schwarzbraunen bis schwarzen Querstreifen und Flecken. Tabbyzeichnung (gestromt, marmoriert).
° Feuerkatzen, rotgelb mit Flecken und Streifen wie die Zypern- und Räderkatze.
° Donner- und Blitzkatzen, auf schwärzlichem Grund, rot, gelb, auch grau, rot und gelb gefleckt.
° Scheckenkatzen (Bunte Katze), die Grundfarbe ist weiß mit unregelmäßigen größeren schwarzen, roten, grauen Flecken, mitunter auch dreifarbige Flecken.
° Müllerkatzen, hellblauer Grund durchsetzt mit schwarzen Tupfen.

Felle von Rassekatzen

Die gezüchteten Rassekatzen spielten für die Pelzverarbeitung keine nennenswerte Rolle. Langhaarrassen (etwa die Perserkatze) galten aufgrund der Haarstruktur und der Neigung zum Verfilzen für Pelzzwecke als technisch nicht verwendbar.

Herkunft und Handel bis zum Verbot

Die letzten nennenswerten Importe von Katzenfellen in den Westen stammten aus Ostasien, insbesondere aus China. Dort wurden die Felle oft schon vorab zu größeren Decken („Platten“) zusammengenäht, um den Transport und die Weiterverarbeitung zu erleichtern. In China werden Katzenfelle auch heute noch verwertet, allerdings aufgrund des strikten EU-Importverbots ausschließlich für den dortigen, lokalen Markt.

Arten- und Tierschutz

Die Nutzung von Hauskatzenfellen besitzt heute in der westlichen Pelzindustrie keinerlei wirtschaftliche oder praktische Relevanz mehr. Behörden und Tierschutzorganisationen überwachen das Verbot streng, um zu verhindern, dass Katzenfelle unter falscher Deklaration (z. B. als Kunstpelz oder unter Fantasienamen wie „Maopee“) im Online-Handel auftauchen.

Quellen

[1] Klumpp, Erhard (1929): Pelzbüchlein, Pelze und Pelztiere, 4. neubearb. Auflage, Kosmos
[2]
Europäische Union: Verordnung (EG) Nr. 1523/2007 über das Verbot des Inverkehrbringens von Katzen- und Hundefellen. EUR-Lex.
[3]
Deutsches Tierschutzgesetz (TierSchG), § 17.

Artikelinformationen

Skupin, Marcus (2011/2026): Hauskatzenfelle | Welt der Katzen <online>

Autor: Marcus Skupin
Erstveröffentlichung: 2011
Aktualisierung: 12. Juli 2026
URL: https://www.welt-der-katzen.de/schutz/artenschutz/katzenfelle/hauskatzenfelle.html

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