Jaguarundi (Puma yagouaroundi)
Wieselkatze aus Mittelamerika
von Marcus Skupin | Welt der Katzen
Der Jaguarundi (Puma yagouaroundi / Herpailurus yagouaroundi, veraltet auch Felis yagouaroundi oder Felis eyra), entspricht von der Größe her etwa einer großen Hauskatze.
Die taxonomische Neueinteilung als Puma yagouaroundi geht auf genetische Analysen zurück, die zeigen, dass Jaguarundi und Puma eine gemeinsame Entwicklungslinie bilden.
Er ist auch unter dem Namen Wieselkatze bekannt, was sicher darauf zurückzuführen ist, dass seine äußere Erscheinung weniger an eine Katze, sondern mehr an ein Wiesel erinnert.
Im Gegensatz zu anderen südamerikanischen Katzenarten, die nur 36 Chromosomen aufweisen, besitzen Jaguarundis die sonst bei Katzen üblichen 38 Chromosomen.
Beschreibung
Die langgestreckte Körperform und die kurzen Beine verleihen dem Jaguarundi eine marderartige Silhouette, die ihn deutlich von anderen neotropischen Kleinkatzen unterscheidet.
Jaguarundis haben eine bräunlich bis gräuliche "einfarbige" Fellfärbung, mit deutlichem Agouti, die in unterschiedlichen Farbmorphen, als graue und rötliche Variante vorkommt. Jaguarundis mit rötlichem Phänotyp wurden früher fälschlich als eigene Unterart (Herpailurus eyra) angesehen. Tatsächlich kommen beide Farbschläge in einem Wurf vor. Auch braun-schwarze (melanistische) Exemplare [5] sind bekannt; diese finden sich häufig in Regenwaldregionen.
Die Tiere weisen eine Kopf-Rumpf-Länge von rund 50 cm bis 83 cm auf. Hinzu kommt der Schwanz, der zwischen 27 cm und 59 cm lang sein kann. Das Gewicht von Jaguarundis beträgt von 3 kg bis 9 kg.
Lebensraum | Verbreitung
Die Katzen kommen in verschiedenen Lebensräumen von sumpfigen Gegenden über trockene Dornbusch- bis hin zu Regenwäldern, vor. Jaguarundis halten sich bevorzugt im Tiefland auf, konnten jedoch in Einzelfällen bis in Höhen von rund 3.200 Metern nachgewiesen werden. Sie bevorzugen häufig die Nähe fließender Gewässer und schwimmen gut.
Ihr Verbreitungsgebiet erstreckte sich vom südlichen Texas (dort leider seit 1986 ausgestorben [4]) über Mittelamerika bis ins nördliche Argentinien.
Lebensweise
Jaguarundis leben als primär tagaktive (diurnale) Einzelgänger. Mehr als zwei Drittel ihrer Aktivitäten findet zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang statt.
Diese Tagaktivität ist ungewöhnlich und unterscheidet die Art von fast allen anderen neotropischen Kleinkatzen. Sie wird als ökologische Anpassung interpretiert, da Jaguarundis so den nachtaktiven Ozelots und Margays ausweichen.
Die Ureinwohner Südamerikas sollen Jaguarundis gezähmt und zur Jagd auf Nagetiere genutzt haben.
Jaguarundis verfügen über ein Repertoire verschiedener Lautfolgen. Neben den kätzisch üblichen Lauten wie Knurren, Schreien und Schnurren verwenden sie auch das typische Zirpen vieler wilder Katzenarten. Insgesamt sind dreizehn unterscheidbare Lautfolgen beschrieben.
Jaguarundis bewegen sich bevorzugt in niedriger Vegetation und zeigen eine für Katzen ungewöhnlich flache Fortbewegung.
Ernährung
Die Ernährung des Jaguarundi, der grundsätzlich ein Bodenjäger ist, besteht aus Kleinsäugern, Reptilien und Vögeln. Die Auswertung von Kotproben in Belize ergab einen großen Anteil von Mäusen und Ratten bei den Beutetieren. Auch Überfälle auf Haustiere (Hühner) sind recht häufig.
Zudem ernähren sich Jaguarundis bei Bedarf auch von Insekten und Früchten.
In Agrarlandschaften spielen Jaguarundis eine wichtige Rolle als natürliche Kontrolle von Nagetieren.
Fortpflanzung
In tropischen Regionen zeigen Jaguarundis kaum saisonale Einschränkungen der Fortpflanzung, während Populationen in gemäßigten Zonen eine leichte Konzentration der Paarungen im späten Winter und Frühjahr aufweisen.
Der Jaguarundi zeigt eine besonders hohe Sertoli-Zell-Effizienz (SCI/Total ≈ 24), was auf eine sehr effektive Spermienentwicklung hinweist [1]. Der Wert deutet auf eine überdurchschnittliche Fertilität hin, die bei neotropischen Kleinkatzen selten ist.
Der Zyklus des Jaguarundi dauert etwa 53-54 Tage. Die Paarungsbereitschaft hält nur wenige Tage an.
Nach einer Gestationsperiode von 70 bis 75 Tagen (meist 72-75 Tagen) kommen 1 bis 4 [2] häufig jedoch nur 2 bis 3 Junge zur Welt, die anfänglich noch ein getupftes Fell zeigen. Das anfängliche getupfte Jungtierfell dient der Tarnung. Es kommt bei vielen Feliden vor und verschwindet später vollständig.
Die vollständige Entwöhnung erfolgt meist nach 10–12 Wochen.
Jaguarundis werden - in Gefangenschaft - bis zu 15 Jahren alt. In freier Wildbahn wird die Lebenserwartung auf 7–10 Jahre geschätzt. Sie hängt dort von Habitatqualität und Prädationsdruck ab.
Jaguarundi
© 2006, Marcus Skupin
Schutzstatus
Der Jaguarundi wird von der IUCN als ‚Least Concern‘ eingestuft, jedoch gelten viele Populationen als rückläufig, insbesondere in stark fragmentierten Landschaften.
Quellen
[1] Ceregatti, G. & Feitosa, W.B. (2023): Male reproductive physiology of neotropical felids, Theriogenology Wild 2 (2023) 100023, Elsevier
[2] Sunquist, M. & Sunquist, F. (2002): Wild Cats of the World. University of Chicago Press
[3] Campbell, T. A., & Young, J. K. (2012): The jaguarundi in Texas: history and status. Wildlife Society Bulletin, 36(1).
[4] Lombardi, Jason V. et al. (2022): Status and distribution of jaguarundi in Texas and Northeastern México: Making the case for extirpation and initiation of recovery in the United States, Ecology and EvolutionVolume 12, Issue 3 e8642, https://doi.org/10.1002/ece3.8642
[5] de Oliveira, Tadeu G (1998), Herpailurus yagouaroundi, in Mammalian Species No 578, pp 1-6
Artikelinformation
Skupin, Marcus (2011/2026): Jaguarundi | Welt der Katzen <online>
Autor: Marcus Skupin
Erstveröffentlichung: 2011
Aktualisierung: 1. Juli 2026
URL: https://www.welt-der-katzen.de/wildekatze/kleinkatzenamerika/jaguarundi/

