Pampaskatze (Leopardus colocolo)
Ein Leben in der Pampa
von Marcus Skupin | Welt der Katzen
Die Pampaskatze (MOLINA, 1782) ist eine Kleinkatzenart, etwa in Hauskatzengröße, die wie ihr Name bereits verrät, hauptsächlich die Pampa, Gras-Steppen des südamerikanischen Kontinents, bewohnt. Aufgrund genetischer Untersuchungen von O'Brien und Johnson wird die Art künftig der Gattung Leopardus (Leopardus colocolo) und damit den Pardelkatzen, zugeordnet. Ähnliches Verbreitungsgebiet wie die Salzkatze, teilweise Überschneidungen wohl auch mit der Andenkatze.
Pampaskatzen sind überwiegend tagaktiv, besonders in offenen Savannenlandschaften. Dieses Aktivitätsmuster unterscheidet sie deutlich von den nachtaktiven Ozelots. [5]
Die Lebenserwartung der Pampaskatze beträgt zwischen 9 und 18 Jahren.
In Regionen mit hohen Ozelot‑Dichten treten Pampaskatzen deutlich seltener auf. Dieses Muster wird als „Ozelot‑Effekt“ beschrieben: Der dominante Ozelot verdrängt kleinere Feliden durch Konkurrenz und potenzielle 'Intraguild'‑Prädation [5], bei der die Pampaskatze selbst zur Beute des größeren Ozelot wird.
Beschreibung
Pampaskatzen haben ein bräunliches Fell, dass einen rötlichen oder grauen Schimmer aufweisen kann und hauptsächlich an den Seiten auch dunklere Flecken und Streifen zeigt.
REICHENBACH beschreibt die Pampaskatze als weißgrau mit schwarzen, braungesäumten Längsstrichen in mehreren Reihen, Bauch und Hüften weiß, Beine schwärzlichblau, Schnauze, Sohlen und Innenseite der Ohren fleischfarben, schmale Ringe und Spitze des Schwanzes schwarz. [1] Auch Müller beschreibt 1814 eine der nebenstehenden Abbildung entsprechenden Katze mit weissem Fell, die er als "Colorelo-Katze" bezeichnet. [2]
Ein charakteristisches anatomisches Merkmal der Pampaskatzen ist ein Kamm aus längeren Haaren (ca. 7 cm) entlang der Mittellinie des Rückens und des Nackens. Bei Erregung oder Bedrohung kann die Katze diese Nackenmähne aufstellen, wodurch sie optisch deutlich größer wirkt – eine visuelle Verteidigungsstrategie in offenen Graslandschaften. [6]
Die Pampaskatze (L. colocolo) erreicht bei einer Kopf-Rumpflänge von 55-79 cm und einer Schwanzlänge von 22-33 cm. Sie gehören mit 2,5–3,8 kg zu den kleineren südamerikanischen Feliden und liegen damit deutlich unter Ozelot, Jaguarundi und Salzkatze. [5]
Die fünf Arten des Pampaskatzenkomplexes unterscheiden sich durch Fellmuster, Körperproportionen und Schädelmerkmale. Besonders auffällig sind Unterschiede in der Streifen‑ und Fleckenzeichnung sowie in der Form des Jochbogens und der Nasenregion. [4]
Kleine- und Mittlere Pampaskatze
In der zoologischen Literatur finden sich historisch zwei Schreibweisen für den Artnamen: Leopardus colocolo und Leopardus colocola. Die Endung auf -a wird oft in aktuellen Werken verwendet, da der Gattungsname Leopardus maskulin ist, der Artname grammatikalisch angeglichen wurde.
In der Vergangenheit wurde die Pampaskatze häufig der Gattung Felis zugeordnet. Auch taxonomische Bezeichnungen als Oncifelis (Eingruppierung mit Kleinfleckkatze und Chilenischer Waldkatze) sowie Lynchailurus (eigener Gattungsname) sind bekannt.
Untersuchungen von Rosa Garcia-Perea (1994) legten nahe, dass es sich bei der Pampaskatzen tatsächlich um drei unterschiedliche Arten handelt, die auf unterschiedliche genetische Linien zurückzuführen sind. Daher erhält die Pampaskatze (Leopardus colocola) nun mit der Mittleren Pampaskatze, auch: Argentinische Pampaskatze (Leopardus pajeros) und der Pantanal-Pampaskatze, auch: Brasilianische Pampaskatze oder Kleinen Pampaskatze (Leopardus braccatus) zwei nahe verwandte Arten. [6]
Nach der aktuellen Artenaufteilung beschränkt sich das Verbreitungsgebiet der Pampaskatze (L. colocolo) auf Chile und reicht dort von den subtropischen Wäldern (Zentral-Chile) bis in die trockenen Hochlandsteppen (Nord-Chile).
Von der Mittleren Pampaskatze (Leopardus pajeros | DESMAREST, 1816) waren fünf Unterarten beschrieben.
Anden-Pampaskatze (L. pajeros garleppi); Ecuador-Pampaskatze (L. pajeros thomasi);
Salta-Hochland-Pampaskatze (L. pajeros budini);
Salta-Tiefland-Pampaskatze (L. pajeros crespoi);
Südliche Pampaskatze (L. pajeros pajeros);
Leopardus pajeros ist in Ecuador, Bolivien und Argentinien verbreitet und bewohnt überwiegend Hochlandsteppen.
Seit einer Revision der Gruppe der Pampaskatzen im Jahr 2020 zählt die Anden-Pampaskatze, jetzt unter dem Namen Garlepp-Pampaskatze, als eigene Art (L. garleppi).
Die Pantanal-Pampaskatze (Leopardus braccatus | COPE, 1899) wird in zwei Unterarten
Brasilianische Pantanalkatze (L. braccatus braccatus);
Südöstliche Pantanalkatze (L. braccatus munoai)
eingruppiert.
Viele der heute anerkannten Arten des Pampaskatzenkomplexes wurden historisch als Unterarten von Leopardus colocola geführt. Erst moderne genetische und morphologische Studien führten zur Anerkennung eigenständiger Arten wie L. garleppi und L. munoai. [4]
Verbreitung | Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet der Pampaskatze umfasst neben Teilen Brasiliens weitere Gebiete in Paraguay und Uruguay. Lebensraum sind überwiegend feuchte Graslandschaften, Steppen, Savannen und gelegentlich Wälder.
Studien aus Brasilien zeigen, dass Pampaskatzen extrem habitatgebunden sind: Männchen nutzten zwischen 54 % und 100 % offene Graslandsavannen, ergänzt durch Weideland. Waldanteile im Streifgebiet lagen bei nahezu 0 %. [5]
Radiotelemetrie‑Daten aus dem Emas‑Nationalpark zeigen, dass Pampaskatzen offene Graslandsavannen bevorzugen und landwirtschaftliche Flächen nutzen. Wald und Buschland werden dagegen weitgehend gemieden. [5]
Die verschiedenen Arten des Pampaskatzenkomplexes nutzen sehr unterschiedliche Lebensräume:
• L. garleppi bewohnt Hochlagen bis 5000 m (Páramo, Puna), Trockenwälder, Cerrado und Wüsten.
• L. braccatus nutzt offene Savannen, Cerrado‑Gebiete und Feuchtlandschaften.
• L. munoai ist an die Pampa‑Grasländer gebunden.
• L. colocola lebt in den trockenen Hochlandsteppen Zentralchiles. [4]
Trotz ihrer weiten geografischen Verbreitung über die verschiedenen Arten hinweg sind alle Vertreter des Komplexes primär Bodenbewohner, die dichte Waldgebiete meiden.
Pampaskatzen leben in Teilen ihres Verbreitungsgebietes in Sympatrie mit Ozelot, Margay, Ozelotkatze und Jaguarundi. Diese Überlappung führt zu potenzieller Konkurrenz um Lebensraum und Beute. [5]
Pampaskatze (Oncifelis colocolo)
Abbildung nach "The natural history of the felinae", Naturgeschichte der Felinae" von Sir William Jardine, 1834
Ernährung
Als Offenland‑Spezialisten jagen Pampaskatzen überwiegend Kleinsäuger der Graslandsavannen. Die Nutzung offener Habitate führt zu einer Beutezusammensetzung, die sich deutlich von Waldkatzen wie Margay oder Oncilla unterscheidet.
Kamerafallen-Studien in Peru und Argentinien zeigen, dass die Katzen kathemeral aktiv sind – sie jagen flexibel sowohl am Tag als auch in der Nacht, zeigen jedoch eine leichte Tendenz zur Nachtaktivität.
Das Beutespektrum wird von kleinen Säugetieren dominiert (vor allem Nagetiere wie Meerschweinchenverwandte und Feldmäuse) [1] , ergänzt durch bodenbrütende Vögel [1], Eidechsen und Insekten.
Fortpflanzung
Paarungszeit ist zwischen April und Juni. Die Wurfgröße liegt bei bis zu 3 Jungtieren.
Forschungslage
Zur Pampaskatze existieren bislang nur sehr wenige reproduktionsbiologische Daten. Die Literatur nennt lediglich einzelne Messwerte zu Hodenvolumen und Spermienkonzentration, was die Art zu einer der am schlechtesten untersuchten Feliden macht. [3]
Schutzstatus
Die IUCN Red List führt den Gesamtkomplex historisch als „Potenziell gefährdet“ (Near Threatened). Durch den wissenschaftlichen Split in fünf Einzelarten hat sich die Bedrohungslage jedoch dramatisch verschärft. Besonders die Muñoa-Pampaskatze (Leopardus munoai) steht unmittelbar vor dem Aussterben. Ihr Lebensraum, die Pampa-Grasländer, wurde in den letzten Jahrzehnten zu großen Teilen in Sojamonokulturen umgewandelt.
Neben dem massiven Lebensraumverlust durch die Agrarwirtschaft sind die Tiere im Jahr 2026 zwei weiteren, akuten Bedrohungen ausgesetzt: Zum einen der Prädation durch invasive Arten und verwilderte Haushunde, zum anderen der Übertragung von Krankheiten (wie Staupe oder Parvovirosen) durch Haustiere sowie dem steigenden Risiko von Verkehrsunfällen durch den Straßenbau. [7]
Quellen
[1] Reichenbach, Heinrich Gottlieb Ludwig: Die Raubsäugethiere In: Die vollständige Naturgeschichte des In- und Auslands, S. 70, Hrsg. v. ders, Leipzig/Dresden, 1852.
[2] Müller, Anton: Die Reiche der Natur. Ein interessantes naturhistorisches Lesebuch für die erwachsenere Jugend, Verlag Gottfried Vollmer, Hamburg, S. 97, 1814
[3] Ceregatti, G. & Feitosa, W.B. (2023): Male reproductive physiology of neotropical felids, Theriogenology Wild 2 (2023) 100023, Elsevier
[4] Nascimento et al. (2021), Taxonomic revision of the pampas cat Leopardus colocola complex (Carnivora: Felidae): an integrative approach, Zoological Journal of the Linnean Society 191(2):575-611, DOI:10.1093/zoolinnean/zlaa043
[5] Oliveira et al. (2010), Ocelot ecology and its effect on the small-felid guild in the lowland neotropics in Biology and Conservation of Wild Felids, Chapter 27
[6] Garcia-Perea, R. (1994): The Pampas cat group (Genus Lynchailurus Severertzov 1858) (Carnivora: Felidae): A systematic and biogeographic review. American Museum Novitates (3096): 1–35.
[7] Espinosa, R., & Sepúlveda, M. A. (2021). Threats to small wild felids in agricultural landscapes of South America: A review. Journal of Nature Conservation, 62, 126019.

