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Seraphim

Saraf
Saraf

Die Seraphim ("Entflammer", "Erglüher" [10]) sind Alte Wesen, die heute meist zu den höheren Engeln (Lichtengeln [4] oder Feuerengel) gezählt werden. Ursprünglich wurden sie, ähnlich der Cheruben, als eigene Form der Kreaturen, als Wüstenwesen, betrachtet.

Seraphim ist die Mehrzahl des hebräischen "saraf" (Seraph), was soviel wie "verbrennen" bedeutet und sich auf die ägyptische Uräusschlange (Naja nigricollis) bezieht [2]. Das Spucken von Gift, eine Eigenart der Speikobras, wird mit dem Spucken von Feuer gleichgesetzt. Damit sind die Seraphim eine mächtige Waffe in der Verteidigung des Guten gegen das Böse.

Ihr Name "Seraphim" deutet auf das Bewegliche, Glühende dieser Engelnaturen, welche nach Art des Feuers die tiefer stehenden Wesen ebenfalls erglühen machen, reinigen und jegliches Dunkel verscheuchen. Er offenbart ihren Charakter, der kein Verhüllen und kein Erlöschen zuläßt, der immer sich gleichmäßig verhält, lichtartig und lichtspendend und so Verscheucher und Vernichter jeder lichtlosen Verdunkelung ist [10].

Die Seraphim bilden den 9. Chor der Engel, mithin deren höchste Ordnung. Oberhaupt der Seraphim soll der Erzengel Uriel sein [9]. Als regierende Fürsten werden auch Metatron und Seraphiel genannt.

Jesaja 6

1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel.

2 Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie (Jes 6, 1-2) [1].

Engel im Sonnenlicht
Engel im Sonnenlicht Abb. n. Joseph Turner, 1846

Aus vorstehendem Text (Jes. 6,2) sowie aus Num 21,6 ergibt sich eine Beschreibung der Seraphim, als feurige Schlangen, die mit 3 Flügelpaaren, also sechs Flügeln ausgestattet sind (Anm. 1). Zwei Flügel befinden sich am Kopf, zwei weitere Flügel werden um die Hüfte geschlagen und das dritte Flügelpaar befindet sich an den Füßen [9].

Seraphim verfügen sowohl über eine Stimme, die die Menschen verstehen können, als auch über eine (menschliche?) Hand (vgl. Jes. 6, 6-7). In dieser Hand sollen sie eine Schriftrolle mit den Worten: "Heilig, heilig, ..." halten.
Das die Seraphim Kopf und Füsse mit je einem Flügelpaar verbergen wird als Symbol der Ewigkeit gedeutet, deren Beginn und Ende den Menschen verborgen bleibt [5].

Seraphim sind sechsflügelige (manchmal auch nur vierflügelige) Symbole des Lichts, der Glut des göttlichen Feuers (Ez. 1,5 f; Jes 6,1 ff) und stehen Gott am nächsten. Sie sind die höchsten Engel, sind Sinnbild der Erhabenheit Gottes, dem selbst diese blitzartigen Geister dienen [3].

Seraphim sind immer um den Schöpfer und kommen seiner frühesten Erleuchtung am nächsten. Sie sind dem Schöpfer am ähnlichsten. Die Bezeichnung Seraphim lehrt deutlich, dass sie sich ständig um göttliche Dinge, Beständigkeit, Wärme und Scharfsinn bewegen und dass diese anhaltende, unbezwingbare und unflexible ewige Bewegung brodelt und dass das Untergebene kräftig assimiliert und erhöht wird, um neues Leben zu geben und sie wieder in die gleiche Hitze entfachen; und Reinigung durch Feuer und Brandopfer und die lichtähnliche und lichtauslösende Eigenschaft, die niemals verborgen oder verbraucht werden kann und immer dieselbe bleibt, die jede Art von Dunkelheit zerstört und zerstreut. [6].
Die Seraphim sind der Widerschein höchster Gottesliebe [7][9] und beten Gott ununterbrochen an [7].

Teilweise [8] wird die These aufgestellt, die Seraphim müssten in Anlehnung an den Lebensbaum der Kaballah vielleicht in drei jeweils zweiflügelige Untergruppen aufgeteilt werden, "Ain Soph Aur-Seraphim", "Kether-Seraphim" und "Daath-Seraphim", die sich dann insgesamt im sechsflügeligen Saraf manifestieren.

Anmerkungen

Anm. 1: In der Ägypten wurden Uräen etwa seit 2000 BC mit zwei Flügeln dargestellt. Auf judäischen Siegeln wiederum erfolgte die Darstellung meist vierflügelig [2].

Quellen:

[1] Deutsche Bibelgesellschaft: Lutherbibel 1984, Jes. 6, 1
[2] Riede, Peter: Serafim in WiBiLex, Wissenschaftliches Bibellexikon, 2011, https://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/28429/ (abgerufen am 16.08.2020)
[3] Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18, Leipzig 1909, S. 354
[4] Damen Conversations Lexikon, Band 9, 1837, S. 211-212
[5] Vollmer, Wilhelm: Wörterbuch der Mythologie. Stuttgart 1874, S. 411
[6] Areopagita, Dionysius: Die himmlische Hierarchie, vol. 2. S. 1-66, Cap. VI, 1899
[7] Aquin, Thomas von: Summa Theologica, 13. JH AD
[8] Frater Lysir: ENGEL - Band 1: Angelistische Mächte und Hierarchien
[9] Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer, S. 153-154, Leipzig 1885
[10] Areopagita, Dionysius (ps.): De caelesti hierarchia, Himmlische Hierarchie, ca. 475, Übersetzer Stiglmayr, Josef, 1911 http://www.unifr.ch/bkv/buch96.htm (abgerufen am 20.11.2020)