Türkisch Angora

Rasseportrait

Kaldurak
Kaldurak © Ute Kunze

Zart wie seidige Spitze, süß wie der Zuckerguss edler Pralinen und anhänglich wie ein klebriges Karamelbonbon, so ist die Türkisch Angora;
ein Rasseportrait von Ute Kunze, Hosca-Kal Cattery;

Trotz dieser einzigartigen, positiven Attribute führt sie ein recht unbekanntes Dasein im Schatten ihrer bekannteren samtpfotigen Artgenossen, als da wären Maine Coon, Perser, Birmchen… Vielleicht verhalf ihr gerade dieses Schattendasein ihre Ursprünglichkeit zu wahren und sich damit unverfälscht entwickeln zu können. Dabei ist sie doch die älteste Rasse der Welt, Urmutter und Bausteinchen vieler aus ihr entstandener, langhaariger anderer Rassen.

Unkomplizierte Katzenrasse

Die Türkisch Angora ist eine sehr unkomplizierte Katzenrasse. Aufgeweckt, neugierig und intelligent beschäftigt sie ihren Menschen, wann immer sie es möchte. Sie ist eine natürlich elegante Rasse, sehr zart im Erscheinungsbild, aber keineswegs empfindlich. Robust verzeiht sie so mancher Kinderhand einen ungeschickten Stuppser und auch kätzischen Anfängern den einen oder anderen nicht gewollten Fehler. Sie ist keine ruhige Katze, die sich auf einem Sofakissen dekorativ platzieren lässt und sich damit zufrieden gibt, allerdings auch kein nervöser Dauerschreihals, der erst Ruhe gibt, nachdem die Wohnzimmereinrichtung geschreddert ist. Charakterlich ist sie eher ein Stubenhund mit eigenem Kopf, durchaus fähig kleine Kunststücke zu erlernen. Sie ist in der Lage ihren Menschen für ihre eigenen Bedürfnisse zu erziehen, ohne dass er selber realisiert, liebevoll um den Finger gewickelt worden zu sein. Eine Rasse deren Präsenz der Mensch durchaus spürt ohne dass sie aufdringlich wird. Dauerschmusen und –schnurren gehören zu ihrem Pflichtprogramm und kommt sie einmal zu kurz, fordert sie ihre Streicheleinheiten unerbittlich ein.

...gutmütiger Charakter

Lighty
Lighty © Ute Kunze

Ihr einzigartiger, gutmütiger Charakter ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Bereits im 16. Jahrhundert brachten Handelsleute und Seefahrer einige halblanghaarige weiße Angoras aus Kleinasien nach Frankreich und England. Dort fanden diese außergewöhnlichen Katzen reges Interesse bei Adeligen und an Fürstenhöfen. Der französische Staatsmann Kardinal de Richelieu, Louis XV, Louis XVI und Marie Antoinette waren große Liebhaber dieser wundervollen Katzen, um nur einige ihrer adeligen Verehrer zu nennen.

Noch eher trifft man traditionsbedingt die Türkisch Angora in Erzählungen ihrer Heimat an. So beschreibt Mohammed, der Prophet der Islamiten, das Paradies als üppigen Garten mit rauschenden Flüssen, in welchem sich weiß verschleierte Frauen zusammen mit ebenso weißen, pachtvollen Katzen tummeln. Dabei entgeht auch dem weniger aufmerksamen Beobachter nicht, dass weiße Katzen einen besonderen Stellenwert in der islamischen Geschichte einnehmen, da die Farbe Weiß als Zeichen der Rein- und Keuschheit steht. Es heißt sogar, dass Mohammeds Lieblingskatze Muezza eines Tages auf des Propheten Mantel friedlich schlief, als dieser gerufen wurde. Um den Schlaf seiner Katze nicht zu stören, zückte Mohammed sein Krummschwert und trennte den Zipfel des Mantels ab auf dem Muezza lag. Durch des Propheten Vorbild, werden Katzen noch bis heute in der islamischen Welt sehr geachtet. Die Türkei ernannte sie sogar zu ihrer Nationalkatze.

Herkunft / Geschichte

Die geografische Herkunft der Türkisch Angora sind die Hochebenen südlich des Kaukasus. Ein Gebiet, welches früher von Armeniern besiedelt und später von den Türken erobert wurde. Eiskalte Wintermonate und heiße Sommer gehören zu den witterungsbedingten Gegebenheiten dieser Bergregion. Angepasst an diese jahreszeitlichen Verhältnisse schützt sich die Türkisch Angora im Winter mit einem üppigen Winterfell mit voller Halskrause und dichten Hosen. Im Sommer hingegen ist ihr Erscheinungsbild dementsprechend abgehaart und so, der heißen Jahreszeit angepasst. Oftmals ist in dieser Zeit das Fell so kurz, dass nur noch der buschige Schwanz an eine Halblanghaarkatze erinnert. So optimal ausgerüstet überdauerte die Türkisch Angora mehrere Jahrhunderte in ihrer natürlichen Umgebung. Das Fell ist ausgesprochen pflegeleicht, da ihm weitgehend das oftmals filzende Unterfell fehlt. Häufiges Kämmen oder Bürsten ist demnach nicht notwendig, was allerdings nicht heißt, dass die Türkisch Angora es dennoch nicht genießen würde.

Ende des 19. Jahrhunderts waren viele der halblanghaarigen Schönheiten auch in mittleren Gesellschaftsschichten zu finden. Andere Halblanghaarkatzen, überwiegend aus dem asiatisch-/russischen und amerikanischen Gebieten gesellten sich dazu und wurden miteinander verpaart. Über die Zeit wurde so die Perserkatze geschaffen, die damals natürlich noch ganz anders als heute aussah und dementsprechend auch noch Angora genannt wurde. Mit Aufkommen des Persers geriet die Türkisch Angora immer mehr ins Hintertreffen. Stammbäume in denen mehrere Rassemischungen zu finden waren, überwogen zu diesem Zeitpunkt. Die Türkisch Angora wurde so lange in Perserzuchtprogrammen eingesetzt, bis der Persertyp dominierte. 1899 wurde letztmalig öffentlich über eine reine Türkisch Angora berichtet, danach geriet diese Rasse in Vergessenheit und war in Europa und den USA nicht mehr so einfach reinrassig erwerbbar.

In den 60er Jahren ging der Bestand reinrassiger Türkisch Angora selbst in ihrem Heimatland der Türkei auf ein bedrohliches Maß zurück. Einige wenige Exemplare wurden dort in den Zoos von Ankara und Istanbul gehalten um den Fortbestand dieser Rasse zu gewährleisten. Gezielte Zuchtprogramme der türkischen Tiergärten und eine handvoll in die USA exportierter Türkisch Angora verhinderten den bevorstehenden Exitus dieser natürlichen Rasse.

Zu diesem Zeitpunkt erfuhr, ein dem amerikanischen Militär angehöriges Ehepaar von diesem Erhaltungszuchtprogramm. Walter und Lisa Fallon Grant exportierten im November 1962 zwei Katzen vom Ankara Zoo in die USA: Yildiz, ein odd-eyed weißer Kater und Yildizek, ein amber-äugig weißes Katzenmädchen. Damit wurde der Grundstein für die rassereine Zucht dieser Katzen gelegt. Angesteckt durch die wunderbare elegante, orientalische, seidige Erscheinung, entdeckten immer mehr Züchter ihr Interesse an der Türkisch Angora und ließen sich von ihrem Charme einfangen. Einige der ersten Züchter aus dieser Zeit waren Lynn Pierce, Barbara Azan, Mr. und Mrs. Torio, Gisela Stoschek, Freddie Sue Pickering und Elaine Gesel. Viele von ihnen züchten nicht mehr oder sind nicht mehr unter uns, aber alle diese Pioniere der Türkisch Angora Zucht hinterließen uns ein wunderbares Vermächtnis: Kleine samtpfotige Nachfahren, ihrer allerersten Katzen und Blutlinien….

Ein ganzes Jahrzehnt später bemühten sich auch die ersten deutschen Züchter um die Etablierung der Türkisch Angora hier in Europa. In diesem Zusammenhang gebührt unser Dank dem Zoologen Dr. Michael Reimann, der ca. 30 Katzen aus der Türkei für seinen Katzenpark in Braunweiler importierte und der Züchterin Nadja Mardak, die sich ebenfalls mit einigen Türkeiimporten an der Fortentwicklung der Seidenschönheiten beteiligte.

Anerkennung der Rasse

Trisha
Trisha © Ute Kunze

Den offiziellen Einzug in die adelige Welt der blaublütigen Schönheiten hielt die Türkisch Angora 1970, durch ihre Anerkennung bei dem größten Katzenverein (CFA), allerdings nur in der Farbe Weiß. Es dauerte weitere acht Jahre, ehe der CFA auf Bestreben der Züchterin Aletha Hendrickson auch die farbigen Tiere anerkannte.

Nun galt es diesen wunderschönen Katzen auch hier in Europa den Championstatus zuzusprechen. 1988 in Brüssel war es dann endlich so weit, die FIFE erkannte die weiße Türkisch Angora als eigenständige Rasse an. Wie damals in den USA, wurden die wunderschönen farbigen Varianten der Türkisch Angora stiefkindlich behandelt und ausgegrenzt. Auch hier in Europa dauerte es einige Jahre, bis die farbigen Türkisch Angora schlussendlich doch anerkannt wurden. Die Anerkennung bei der FIFE gelang dann 1994 anlässlich der FFH Ausstellung in Bülach. Der FIFE Standard wurde dem CFA Standard weitgehend angeglichen.

Eigenschaften...

Die Türkisch Angora ist eine grazile, mittelgroße Rasse, deren orientalische Anmut an die Heimat der mandeläugigen Schönheit erinnern soll. In jedem Aspekt ist der Körper lang und schlank. Ein zu grober oder schwerer Körperbau sind Fehler. Schon alleine der schlanke Körper, lässt sie extrem elegant wirken. Ihren gleichmäßigen, keilförmigen Kopf, mit den mandelförmigen Augen, zieren große, aufrecht gestellte Ohren, die dicht beieinander stehen. Lange schlanke Beine enden in kleinen, zierlichen, runden Pfoten. Besonders eindrucksvoll wirkt es, wenn der buschige lange Schwanz breiter als der Körper ist und einer Schleppe gleich, majestätisch getragen wird. Diese in allen Rassemerkmalen geforderte Eleganz und Anmut der Türkisch Angora, sollte das Gesamtbild dieser grazilen, mittelgroßen Rasse abrunden. Muskulös und feingliedrig, umspielt von ihrem seidigen, halblanghaarigen Fell und doch natürlich und ursprünglich. Eine Türkisch Angora präsentiert sich aufgeweckt, aufmerksam und stolz, als ob sie von ihrer majestätischen Anmut wüsste.

Die wohl bekannteste und derzeit umstrittenste Farbe der Türkisch Angora, ist die Farbe Weiß. Unglücklicherweise muss bei der Zucht mit weißen Katzen zu einem sehr geringen Prozentsatz mit hörgeschädigtem weißen Nachwuchs gerechnet werden. Daher sollte Sie bei Interesse an dieser Farbe darauf achten, dass sowohl das weiße Elterntier, wie auch der weiße Nachwuchs audiometrisch auf dessen Hörfähigkeit getestet wurde. Ansonsten ist die weiße Fellfarbe lediglich ein Deckmantel für die sonst sehr große Farbpalette dieser bezaubernden Katzen. Es gibt sie in Weiß, Schwarz und Rot, die verdünnten und Silbernen Varietäten dieser beiden Farben, mit und ohne Scheckung und mit und ohne Tabby. Nicht anerkannt und erwünscht sind die Farben Chocolate, der Pointfaktor, Lilac und Fawn.

Die Türkisch Angora hat einen unstillbares Verlangen zu Spielen. Das liegt sicherlich an ihrer enormen Intelligenz und Instinktsicherheit, die sich durch ihr jahrhunderte langes Überleben in freier Natur besonders ausbildete und entwickelte. Heute ist sie ein Stubentiger geworden und hat es nicht mehr nötig in der freien Natur zu überleben, ihre Intelligenz und Natürlichkeit blieb und möchte befriedigt werden. Türen öffnen um ihrem Menschen nahe zu sein, wie ein Supervisor alles beobachten damit auch gar nichts dem kleinen vorwitzigen Katzennäschen entgeht. Ist mal niemand da, der mit ihr spielt… Kein Problem! Schnell ist die Badewanne als Eishockeyfeld umfunktioniert und der verloren geglaubte Flaschenverschluss der Eishockeypuck. Immer wieder wird sie ihren Mensch mit neuen Verhaltenweisen überraschen. Ein Leben mit einer Türkisch Angora ist niemals langweilig. Fast unmerklich bezieht sie ihren Menschen in ihr Spiel ein, da es eine wahre Freude ist, ihr zuzusehen und ihren Aufforderungen zu folgen. Ihre Anhänglich- und Anschmiegsamkeit, macht diesen neugierigen, quirligen Clown zu einer idealen Familienkatze für Menschen jeden Alters. Auch als Zweitkatze oder als Gesellschaft für andere Vierbeiner, wenn es nicht gerade eine Maus ist, ist sie bestens geeignet.

Zur Einzelkatzenhaltung eignet sie sich allerdings nicht. Die Türkisch Angora behält ihre ungestüme Lebensfreude nur dann, wenn Sie genügend Zuwendung und Aufmerksamkeit bekommt. Einsamkeit und sei es auch nur für ein paar Stunden täglich, verzeiht die Türkisch Angora nur selten. Wenn Sie berufstätig sind und vorhaben ihr Herz an diese fantastische Rasse zu verlieren, dann sollten Sie sich Ihrer zukünftigen Katze zu liebe gleich für zwei Exemplare entscheiden. Sie werden dafür aber auch mit doppelt soviel Freude und einem doppelten Kuschelfaktor belohnt.