Sie sind hier: Startseite » KuLi » Fabeln ...

Die Wildkatze und der Affe

Aus Togo

Einmal hatte die Wildkatze den ganzen Tag gejagt, ohne etwas zu fangen.
Sie war müde und setzte sich zum Ausruhen hin, aber die Flöhe wollten sie nicht in Ruhe lassen.

Da sah sie einen Affen vorbeikommen und rief ihn an: »Lieber Affe, bitte, komm her und such mir meine Flöhe ab!«
Der Affe willigte ein, und während er die Flöhe ablas, schlief die Wildkatze ein. Da nahm der Affe den Schwanz der Wildkatze, band ihn an einen Baum und flüchtete. Die Wildkatze wachte auf und wollte fortgehen, aber sie entdeckte, daß ihr Schwanz an einen Baum gebunden war. Sie wollte sich befreien, aber sie tat sich weh dabei, und es gelang ihr nicht. Keuchend blieb sie hängen. Da kam eine Schildkröte vorbei.
»Ich bitte dich, befreie meinen Schwanz«, rief die Wildkatze, als sie sie erblickte.
»Und du wirst mich nicht töten, wenn ich dich befreie?« fragte die Schildkröte.
»Nein, ich werde dir nichts tun«, antwortete die Wildkatze. Darauf befreite die Schildkröte sie, und die Wildkatze ging nach Hause.
Aber dann ging sie zu allen Tieren und sagte zu ihnen: »In fünf Tagen verkündet, daß ich tot sei, und daß ihr kämet, mich zu begraben.«

Am fünften Tage legte sich die Wildkatze auf den Rücken und tat, als ob sie tot wäre. Alle Tiere kamen an und tanzten um sie herum. Plötzlich sprang sie auf und machte einen Satz, um den Affen zu ergreifen. Aber der war schon auf einen Baum gesprungen und entwischt. Darum lebt der Affe auf den Bäumen und kommt nicht wieder auf den Erdboden herunter. Er hat zu viel Angst vor der Wildkatze.

Quellen:

[1] Dähnhardt, Oskar: Natursagen. Eine Samlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden, 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907-1912, S. 203
[2] Basset, René: Contes d' Afriques, p. 213.