Sie sind hier: Startseite » KuLi » Lexika » Damen Lexikon 1836

Damen Lexikon 1836

Der folgende Lexikonartikel stammt aus dem Jahr 1836 und ist daher in Teilen nicht mehr aktuell.

Katze. Das Geschlecht der Katzen umfaßt den Löwen, Tiger, Jaguar, Panther, Leoparden, die Unze, den Luchs u. A. m., zeichnet sich durch abgerundete Schnauze, bewegliche Krallen, sechs spitzige Vorderzähne, Mordlust, Kraft und Behendigkeit aus.

Wir sprechen hier nur von der allgemein verbreiteten Hauskatze, deren Kennzeichen glattes, reinliches Fell, schlanker Bau, Gelenkigkeit, Antipathie gegen Mäuse und Ratten, scharfes Gesicht und Gehör etc. sind. Nahrung und Gewohnheiten der Katzen sind bekannt. Ihr Feind ist der Hund, doch kann man beide Thiere so an einander gewöhnen, daß sie friedlich aus einer Schüssel essen, mit einander spielen und unzertrennlich sind.
Die Veränderung des Wetters wirkt auf ihr elektrisches Haar, das, wenn man es mit flacher Hand streicht, im Dunklen elektrische Funken sprüht. Man findet die Katzen fast von allen Farben; meistens gefleckt. Dreifarbige und blaue sind eine Seltenheit. Man wirft den Katzen Falschheit und Tücke vor, doch verletzen sie nur, wenn sie gereizt werden, und es gibt Beispiele von seltener Anhänglichkeit an ihre Herren. Genäschigkeit ist allen eigen.

Sie sind in 18 Monaten völlig ausgewachsen, werfen jährlich 3–12 Junge, welche blind zur Welt kommen. Bei den Russen und Chinesen wird ihr Pelzwerk geschätzt. Das Katzenfleisch ist genießbar und hat Aehnlichkeit mit dem des Hasen.

Merkwürdig ist die Antipathie mancher Menschen gegen die Katzen, die in ihrer Nähe, selbst wenn sie sie nicht bemerken, in Ohnmacht fallen. Gegen die Raute haben die Katzen einen Widerwillen, lieben aber Baldrian und Katzenkraut. Sie fressen Mäuse, rohes Fleisch, kleine Vögel, Fische und das Meiste, was der Mensch genießt. Bei den Muhamedanern werden sie sehr geachtet, wie sie es auch bei den Römern und Aegyptern waren. Petrarka hat seine Lieblingskatze verewigt; man zeigt das treue Thier ausgestopft noch jetzt zu Vauclûse.

Eine zweite Art ist die wilde Katze, welche sich durch einen dicken, braun geringelten Schwanz, gestreiftes Fell, platten Kopf, längere Haare und stärkeren Bau unterscheidet. Sie lebt in Wäldern auf Bäumen oder in Erdhöhlen, tödtet junge Rehe, Hasen, Kaninchen, wildes Geflügel etc. und frißt auch Fische. Abarten sind die angorische, die Cyper-, die libysche, malabarische, die fliegende Katze u. A.

Herloßsohn, Carl (Herausgeber): Damen Conversations Lexikon, Band 6, 1836, S. 111-112

  • Tiger in DamenLexikon 1834

    Tieger. Der eigentliche Königstieger oder der T. von Bengalen ist das blutgierigste Thier des ganzen Katzengeschlechts; denn nicht, wie der Löwe, von Hunger getrieben, sondern aus wahrer Mordlust...