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Pantherkatzen in Meyers 1908

Der folgende Lexikonartikel stammt aus dem Jahr 1908 und ist daher in Teilen nicht mehr aktuell.

Pantherkatzen (Pardina Gieb. hierzu Tafel »Pantherkatzen I u. II«)

Raubtiergruppe aus der Gattung Katze (Felis L.), große oder mittelgroße Arten mit vollen oder ringförmigen Flecken, ohne Mähne, Quasten, Pinsel, mit kurzen Ohren und run der Pupille, alt- und neuweltlich.

Der Jaguar (die Unze, Onze, F. Onza L., Tafel II, Fig. 1), 1,45 m lang, 80 cm hoch, mit 68 cm langem Schwanz, etwas schwerfälliger gebaut als der Tiger, mit kurzem, dichtem, weichem Pelz, am Hals, an der Brust und Unterseite verlängertem Haar, ist rötlichgelb mit schwarzen Flecken oder gelblichroten, schwarz umrandeten Ringen, die in der Mitte einen oder zwei schwarze Punkte tragen. Im Innern des Ohres, an der untern Schnauze, der Kehle, der Unter- und Innenseite der Beine herrscht Weiß vor. Die Färbung variiert vielfach, auch kommt eine schwarze Spielart vor.
Der Jaguar findet sich in Südamerika von Buenos Aires und Paraguay bis Mexiko und im südwestlichen Teil von Nordamerika, ist aber vielfach stark zurückgedrängt; am häufigsten ist er in den gemäßigten Teiten Südamerikas. Er bewohnt einzeln bewaldete Flußufer, Waldränder in der Nähe der Sümpfe und Moorland. Tags ruht er im hohen Gras der Steppen, in Höhlungen oder im Dickicht; in der Dämmerung und in der Nacht jagt er größere und kleinere Wirbeltiere, auch Alligatoren und Schildkröten. Seine Kraft ist nur der des Löwen und des Tigers vergleichbar, seine Sinne sind scharf, er schwimmt und klettert gut, und sein Gang in leicht und geschwind. Er richtet großen Schaden an und raubt besonders junges Hornvieh, Pferde und Maulesel. Niemals tötet er mehr als ein Stück Vieh auf einmal, er frißt nicht mehr als zweimal von einer Beute, und Aas berührt er nie. Solange er den Menschen nicht kennen gelernt hat, weicht er ihm aus; in bewohnten Gegenden verliert er aber bald alle Scheu, und hat er einmal Menschenfleisch gefressen, so zieht er dies allem andern vor. Farbige fällt er leichter an als Weiße. Wie der Löwe, springt er nicht zum zweitenmal auf dieselbe Beute und kann durch unverwandtes Anschauen verjagt werden. In der Begattungszeit lebt er einige Wochen mit dem Weibchen zusammen, das 2–3 Junge wirft. Diese werden zwar in der Gefangenschaft nicht recht zahm, sind aber gelehrig. Er pflanzt sich auch in der Gefangenschaft fort und erzeugt Bastarde mit Leopard, Panther und Sundapanther. Die Botokuden genießen das Fleisch des Jaguars, das Fell dient zu Fußdecken.

Der Leopard (Pardel, Parder, F. pardus L., Leopardus antiquorum. Tafel II, Fig. 2) ist 1,6 m lang, mit 60 cm langem Schwanz, im Bau dem Jaguar ähnlich, blaß rötlich gelb, auf dem Rücken dunkler, an der Kehle und Vorderbrust weißgelb, auf der Unter- und Innenseite der Gliedmaßen gelblichweiß, mit schwarzen Streifen und länglichrunden Flecken im Gesicht, kleinen schwarzen Flecken am Vorderkörper und an den Beinen und rotgelben, schwarz umrandeten Flecken auf dem Rücken und an den Seiten. Wie beim vorigen, gibt es auch schwarze Spielarten. Er findet sich in fast ganz Afrika. während Asien einige andre Formen besitzt. Zu diesen gehört der Panther (F. panthera, Tafel I, Fig. 1), 2 m lang, mit 85 cm langem Schwanz. ähnlich gefärbt wie der vorige, aber anders gefleckt; die Streifen im Gesicht sind undeutlicher als beim vorigen, der Kopf ist durch kleinere Flecke heller, die rötlichgelben Flecke sind viel größer und werden von 5–8 schwarzen Mondflecken umgeben. Er bewohnt Süd- und Ostasien, wohl auch Palästina, Kleinasien und den Kaukasus; auf Ceylon kommt eine schwarze Spielart vor.

Eine andre Spielart ist der Sundapanther (Langschwanzpanther, F. variegata Wagn.), mit kleinerm Kopf, länglichem Hals, sehr gestrecktem Leib, mindestens rumpflangem Schwanz; er hat so dicht stehende kleine und dunkle Flecke, daß das Fell einen schwarzblauen Schimmer erhält.

Eine dunklere Abart dieses Tieres ist der Schwarzpanther oder schwarze Leopard (F. [Leopardus] melas) auf den Großen Sundainseln, besonders auf Java und Sumatra. Die Lebensweise dieser Tiere stimmt im wesentlichen überein. Der Leopard ist ebenso schön wie gewandt, kräftig wie kühn, klug und listig; er bewohnt die afrikanischen Waldungen, streift weit umher, lebt ebensoviel auf Bäumen wie im Busch, läuft nicht schnell, macht aber gewaltige Sprünge; auch schwimmt er gut und berückt selbst das flüchtigste Wild. Er mordet alle Geschöpfe, die er bewältigen kann, und richtet unter den Herden oft ein furchtbares Blutbad an. Den erwachsenen Menschen greift er in der Regel nicht an, aber verwundet stürzt er sich auf ihn und bringt ihm furchtbare Wunden bei. Kinder raubt er, wo er kann. Das Weibchen wirft 3–5 Junge. Man führt gegen den Leoparden überall einen Vernichtungskrieg, jagt ihn auf die verschiedenste Weise und fängt ihn vielfach in Fallen. Das Fell dient zu Fußdecken und Schabracken und wird von den Eingebornen als Siegeszeichen getragen. Leopard und Panther lassen sich vollkommen zähmen und abrichten. Bei den alten Ägyptern war das Leopardenfell das Abzeichen hoher priesterlicher Würde, auch die Göttin Saseh trägt gewöhnlich das Fell eines Pardels. Von den Römern wurden Pardel und Panther viel zu Kampfspielen benutzt. Julius Capitolinus am Ende des 3. Jahrh. brauchte zuerst den Namen Leopard, weil man glaubte, daß das Tier ein Bastard von Löwe und Panther sei. Leoparden waren nach der Mythe Ammen des Bacchus und lieben daher auch den Wein.

Der Irbis (F. uncia Ehrbg., Tafel I, Fig. 2) ist 1,3 m lang, mit 90 cm langem Schwanz, langen Beinen, gekräuseltem, im Grunde wolligem, am Bauch weichem und schlaffem Pelz, auf weißlich graugelber Grundfarbe am Kopf klein und voll schwarz gefleckt, am Hals mit schwarzen, ringförmigen und am Rumpf mit Tüpfelflecken. Er bewohnt Mittelasien bis Sibirien, besonders im Westen, und überfällt gern von Bäumen aus seine Beute.

Der Ozelot (Pardelkatze, F. pardalis L.), 90 cm lang, mit 40 cm langem Schwanz, auf der Oberseite bräunlichgrau, unterseits gelblichweiß, mit reihenweise angeordneten schwarzen Flecken und schwarz geringeltem Schwanz, findet sich vom südlichen Teil Nordamerikas bis Nordbrasilien, meist in tiefen Wäldern, wo er Vögel und Säugetiere jagt; doch kommt er gelegentlich auch in die Bauernhöfe und richtet unter dem Geflügel ein Blutbad an. Er lebt paarweise, das Weibchen wirft selten mehr als zwei Junge. Jung eingefangene Tiere werden sehr zahm.

Zu den P. im weitern Sinne rechnet man wohl auch einige kleinere südamerikanische Arten mit geflecktem Fell, wie den Marguay (F. tigrina Schreb.) und F. macrura Wied. Das Fell des Leoparden und Irbis wird bei uns meist naturalisiert und liefert schöne Decken, das des Ozelots gibt kleine Vorlagen, auch näht man mehrere zu großen Decken zusammen.

Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15, Leipzig 1908, S. 367-368

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