Auswahl deiner Katze
Welche Katze passt zu mir? Eine umfassende Entscheidungshilfe
von Marcus Skupin | Welt der Katzen
Die Entscheidung für eine Katze ist wunderschön, sollte jedoch gut überlegt sein. Menschen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie eine Katze sein soll: verschmust, unabhängig, verspielt, ruhig, pflegeleicht oder besonders hübsch.
Damit du die richtige Wahl treffen kannst, findest du hier eine klare, strukturierte Orientierung.
Inhaltsübersicht
- Erwartungen & Lebenssituation klären
- Verantwortung & langfristige Verpflichtung
- Information ist wichtig
- Checkliste: Bin ich bereit für eine Katze?
- Rasse, Felltyp & Charakter - was passt zu Dir?
- Katze oder Kater? Unterschiede verstehen
- Herkunft: Tierheim, Züchter oder Bauernhof?
- Woran erkenne ich ein gutes Tierheim?
- Woran erkenne ich einen guten Züchter?
- Die Prägephase: Warum sie so wichtig ist
- Typische Probleme nicht oder schlecht sozialisierter Katzen
- Wie alt soll die Katze sein? Jung vs. älter.
- Eine oder zwei Katzen?
- Die Katze entscheidet oft selbst
- Beginn einer besonderen Beziehung
- Weitergehende Informationen >
- Quellen
- Artikelinformationen
Erwartungen & Lebenssituation klären
Viele Menschen haben romantische Vorstellungen:
° eine Katze, die abends auf dem Schoß liegt
° ein elegantes Tier, das frei durch die Natur streift
° ein treuer Begleiter im Homeoffice
° ein Spielkamerad für die Kinder
° eine ruhige Wohnungskatze für kleine Räume
° eine Katze, die auf dem Hof Mäuse fängt
Andere suchen eine Katze, die „einfach nur da ist“, ohne viel Aufwand. Als Gesellschafterin oder Freundin.
Typologie der Lebenssituation & geeignete Katze
Zu den typischen Lebenssituationen katzenbegeisterter Menschen, passen meist die im Folgenden genannten 'Typen' von Katzen.
~ Für Menschen, die viel arbeiten: ruhige, selbstständige Katze
~ Für Familien: gut sozialisierte, menschenbezogene Katze
~ Für Anfänger: unkomplizierte, nicht zu scheue Katze
~ Für Homeoffice: sozial orientierte, verschmuste Katze
Verantwortung & langfristige Verpflichtung
Katzen sind Lebewesen, Geschöpfe, die Fühlen vielleicht sogar auch "Denken" können. Katzen werden zudem oft 15–20 Jahre alt.
Sie brauchen täglich Zeit, Aufmerksamkeit, Pflege und regelmäßige Tierarztbesuche.
Zudem kosten Anschaffung von Katze (Schutzgebühr / Kaufpreis) und benötigtem Zubehör wie Kratzbaum und Transportbox (einmalig) und Haltung der Katze, etwa für Futter, Impfungen, Behandlung von Krankheiten (regelmäßig) Geld.
Zusätzliche Informationen > Notwendiges für die Katz'
Information ist wichtig
Grundsätzlich kann und soll man sich bei den Überlegungen was für eine Katze in Frage kommt, ruhig zunächst einmal an bereits vorhandenen Vorstellungen von einer Katze orientieren.
Im nächsten Schritt gilt es dann sich zu informieren, ob Wunsch und Wirklichkeit auch zueinander passen.
Gute Quellen
~ Internet & Fachseiten (etwa: www.welt-der-katzen.de)
~ Tierheime: ehrliche Beratung, viele Charakterinfos zu den einzelnen Katzen
~ Züchter: informieren umfassend über die jeweiligen Rassekatzen
~ Bücher & Ratgeber
~ Katzenausstellungen: viele Rassen im direkten Vergleich
Checkliste: Bin ich bereit für eine Katze?
Habe ich täglich Zeit für Futter, Pflege & Zuwendung?
Ist meine Wohnsituation langfristig stabil?
Habe ich genug Platz (besonders bei reinen Wohnungskatzen)?
Sind alle Haushaltsmitglieder einverstanden?
Habe ich monatlich Geld für Futter und Spreu übrig?
Kann sich jemand um meine Katze kümmern, wenn ich krank oder im Urlaub bin?
Bin ich bereit notwendige Tierarztkosten (Impfungen, Notfälle) zu tragen?
Rasse, Felltyp & Charakter - was passt zu Dir?
Rasse- oder Hauskatze?
° Rassekatzen: vorhersehbarer Charakter, bestimmtes Aussehen, vom Züchter
° Hauskatzen: robust, individuell, oft aus Tierheimen
Tabelle: Felltypen, Ressebeispiele & Eigenschaften
| Felltyp | (Rasse-)Beispiele | Pflegeaufwand | typische Eigenschaften |
|---|---|---|---|
| Nacktkatzen | Sphynx, Don Sphynx | mittel | aktiv, meist verschmust |
| Kurzhaar | Siamkatze, EKH, Hauskatze | gering | aktiv, pflegeleicht |
| Halblanghaar | Hl. Birmakatze, Maine Coon | mittel | meist verschmust, ruhiger |
| Langhaar | Perser | hoch | sanft, ruhig, braucht häufige Fellpflege |
Katze oder Kater? Unterschiede verstehen
Die Unterschiede in der nachstehenden Tabelle sind Tendenzen. Keine Regeln. Individuen sind naturgemäß immer unterschiedlich. Eine Kastration hat deutlichen Einfluss auf das künftige Verhalten.
Tabelle: Kater vs. Katze
| Merkmal | Kater | Katze |
|---|---|---|
| Charakter | oft gemütlicher, verschmuster | meist eigenständiger, wachsamer |
| Revierverhalten | stärker ausgeprägt | etwas geringer ausgeprägt |
| Sozialverhalten | häufig tolerant | wählerischer |
| ... nach Kastration | meist ruhiger | meist ausgeglichen |
Herkunft: Tierheim, Züchter oder Bauernhof?
Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten zu einer Katze zu kommen. Hier die häufigsten:
Tierheim
° viele Infos zum Charakter
° oft bereits kastriert & geimpft
° ideal für Menschen, die Verantwortung übernehmen wollen
Züchter
° geeignet, wenn du eine bestimmte Rasse suchst
° Kitten wachsen sozialisiert auf
Bauernhofkatzen
Hier ist Vorsicht geboten:
° Bauernhofkatzen sind häufig scheu, nicht sozialisiert oder sogar krank.
Woran erkenne ich ein gutes Tierheim?
1. Sauberkeit & stressarme Haltung
Die Räume sind gepflegt, gut belüftet und nicht überfüllt. Die Tiere wirken entspannt, nicht panisch oder apathisch.
2. Ehrliche, transparente Informationen
Das Tierheim spricht offen über Krankheiten, Verhalten, Ängste oder Vorgeschichte – nichts wird beschönigt.
3. Gesundheitsstandards
Katzen sind geimpft, entwurmt, kastriert (wenn alt genug) und werden tierärztlich betreut. Quarantänebereiche sind vorhanden.
4. Seriöser Vermittlungsprozess
Schutzvertrag, angemessene Schutzgebühr, Vor‑ oder Nachkontrollen. Keine übereilte Vermittlung.
5. Gute Beratung & Unterstützung
Das Tierheim hilft bei der Auswahl, erklärt Besonderheiten der Tiere und bleibt auch nach der Adoption ansprechbar.
Woran erkenne ich einen guten Züchter?
1. Saubere, gepflegte Umgebung
Die Katzen leben im Haushalt, nicht im Keller, in abgeschlossenen Räumen oder gar in Käfigen. Alles wirkt sauber, ruhig und liebevoll geführt. Der Züchter hat nicht zu viele Würfe gleichzeitig.
2. Sozialisation der Kitten
Die Jungtiere wachsen mit Kontakt zur Katzenmutter, mit Menschenkontakt, Alltagsgeräuschen und anderen Katzen auf. Keine Abgabe vor 12 Wochen.
3. Gesundheitsnachweise & Transparenz
Impfungen, Entwurmungen, Gesundheitschecks, ggf. Gentests. Die Katze verfügt über Ahnentafel / Stammbaum. Der Züchter spricht offen über Risiken und mögliche Erbkrankheiten.
4. Seriöser Verkaufsprozess
Es gibt Verträge, angemessene Preise, klare Regeln – und der Züchter stellt selbst viele Fragen, um die passenden Menschen und das passende Zuhause zu finden. Er bringt vielleicht sogar das Kätzchen in das neue Heim.
5. Fachwissen & Beratung
Ein guter Züchter kennt seine Rasse, erklärt Charakter, Bedürfnisse und mögliche Probleme. Er bleibt auch nach der Abgabe immer ansprechbar.
Die Prägephase: Warum sie so wichtig ist
Die ersten 12 Lebenswochen entscheiden darüber, wie gut eine Katze später mit Menschen, Geräuschen und Alltagssituationen, also etwa mit Kindern, Besuchern, Staubsauger, klappernden Geräuschen, Türen schlagen, Transportbox oder anderen Tieren zurechtkommt.
Timeline Prägephase
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0 bis 3 Wochen
Grundprägung, kaum direkter Kontakt
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3 bis 7 Wochen
wichtigste Phase für Kontakt zum Menschen
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7 bis 12 Wochen
Festigung des Sozialverhaltens
-
ab 12 Wochen
Abgabe möglich
Typische Probleme nicht oder schlecht sozialisierter Katzen
1. Reizarmut (sensorische Deprivation)
Katzen, die ohne genügende und unterschiedlichste Umweltreize aufwachsen, können häufig nur ein begrenzt anpassungsfähiges Referenzsystem entwickeln. Dies kann zu Störungen, etwa Ängsten führen.
2. Mangelnde Sozialisation
Ist eine Katze nur ungenügend sozialisiert, ist es recht wahrscheinlich, dass sie im späteren Leben Schwierigkeiten mit der Anpassung an sich ändernde Lebensumständen haben und sich nicht adäquat verhalten wird.
Denkbar ist mangelnde Sozialisation gegenüber dem Menschen sowie gegenüber anderen Katzen.
Die fehlende Sozialisation gegenüber dem Menschen führt dazu, dass die Katze scheu und äußerst zurückhaltend reagiert, sich nicht oder kaum "handeln" lässt und eher wie ein Wildtier denn wie eine Hauskatze reagiert. Einen Bezug zu einer solchen Katze herzustellen ist meist sehr schwierig und langwierig, da erlerntes Vertrauen zum Menschen fehlt. Häufig kann mit der nötigen Geduld nur eine Bindung an eine einzelne Person erreicht werden.
Katzen die gegenüber anderen Katzen nicht genügend sozialisiert sind, können Schwierigkeiten im innerartlichen Umgang zeigen. In Betracht kommt neben fehlendem Kontakt zu erwachsenen Katzen (so bei Handaufzucht) auch eine mangelhafte Sozialisation bei einzeln aufgewachsenen Kätzchen, da Lerneffekte, die im gemeinsamen Spiel eintreten würden, fehlen.
Wie alt soll die Katze sein? Jung vs. älter.
Ob Du eine junge Katze oder ein schon älteres Tier aufnehmen solltest, hängt ebenfalls von Deinen Erwartungen und Vorstellungen ab.
Beide Möglichkeiten haben Vor- und Nachteile, die es zu bedenken gilt.
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Junge Katze aufnehmen
Vorteile
° Lange gemeinsame Lebenszeit. Du begleitest das Kätzchen von Beginn an und kannst eine besonders enge Bindung aufbauen.
° Anpassungsfähigkeit. Junge Katzen gewöhnen sich leichter an neue Umgebungen, andere Tiere oder Kinder.
° Spiel- und Lernfreude. Jungkatzen sind neugierig, aktiv und lassen sich gut formen (Kratzbaum statt Sofa).
Nachteile
° Höherer Erziehungsaufwand. Kätzchen müssen erst lernen, was erlaubt ist und was nicht.
° Sehr energiegeladen. Jungkatzen benötigen viel Beschäftigung, sonst werden sie schnell gelangweilt oder destruktiv.
° Unkalkulierbarer Charakter. Das spätere Wesen und das Temperament lassen sich schwer vorhersehen.
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Ältere Katze aufnehmen
Vorteile
° Ruhigeres Wesen. Ältere Katzen sind meist entspannter, weniger zerstörerisch und brauchen weniger 'Action'.
° Charakter steht fest. Tierheime und Züchter können Auskunft darüber geben, wie die Katze 'tickt' und was sie mag oder auch nicht mag.
Nachteile
° Kürzere gemeinsame Zeit. Je nach Alter ist die gemeinsame Zeit kürzer als bei Jungkatzen.
° Mögliche gesundheitliche Beschwerden, chronische Erkrankungen und höhere Tierarztkosten sind wahrscheinlicher.
° Schwieriger bei Veränderungen. Ältere Katzen tun sich mit neuen Umgebungen oder anderen Tieren häufig schwer. Die Eingewöhnungszeit ist dann meist länger.
Eine oder zwei Katzen?
Wenn noch keine Katzen im Haushalt leben, ist es in den meisten Fällen die harmonischere und artgerechtere Entscheidung, zwei Katzen aufzunehmen.
Katzen sind – ihres Rufes als Einzelgänger zum Trotz – soziale Tiere, die von einem passenden Artgenossen enorm profitieren.
Ein Katzenpaar kann miteinander spielen, raufen, kuscheln und kommunizieren, was den natürlichen Bedürfnissen viel besser entspricht als die ausschließliche Interaktion mit Menschen. So sinken Stress, Langeweile und Verhaltensauffälligkeiten deutlich, und auch für dich wird der Alltag entspannter, weil die Tiere sich gegenseitig auslasten und emotional stützen.
Besonders bei reinen Wohnungskatzen ist ein Sozialpartner fast immer die bessere Wahl, denn er sorgt für Ausgeglichenheit, Sicherheit und ein insgesamt glücklicheres Katzenleben.
Die Haltung einer Einzelkatze kann hingegen sinnvoll sein, bei
° sehr menschenbezogener, älterer Katze
° Katze mit schlechten Erfahrungen mit Artgenossen (Mobbing)
° medizinischen Gründen
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Empfehlung
Bei Wohnungshaltung: grundsätzlich (fast immer) Paarhaltung
Jungkatzen (Kitten): nie einzeln
Die Katze entscheidet oft selbst
Selbst wenn du eine bestimmte Vorstellung hast – manchmal sucht sich die Katze ihren Menschen aus.
Im Tierheim oder beim Züchter merkst du schnell, welche Katze auf dich reagiert, sich etwa auf deinem Schoß niederlässt und sich dort während Deines ganzen Besuchs nicht mehr wegbewegt.
(In solchen Fällen werden ehedem vorhandene Vorstellungen von Farbe und Geschlecht der Wunschkatze vielfach plötzlich völlig unwichtig!)
Die Entscheidung ist gefallen.
Beginn einer besonderen Beziehung
Eine gut durchdachte Entscheidung bildet die Grundlage für ein harmonisches und langfristig stabiles Zusammenleben zwischen Katze und Mensch.
Weitergehende Informationen >
Quellen
[1] Skupin, Marcus (2001): Auswahl einer Katze, Welt der Katzen <online>
[2] Schroll, Sabine; Dehasse, Joel (2009): Verhaltensmedizin bei der Katze, Enke Verlag, Stuttgart
[3] Skupin, Marcus (2010): Endlich eine Katze, Anschaffung und Haltung, BoD
[4] Bradshaw, John (2015): Die Welt aus Katzensicht, Franckh Kosmos Verlag
[5] Deutscher Tierschutzbund, https://www.tierschutzbund.de
Artikelinformationen
Skupin, Marcus (2026): Auswahl deiner Katze, Welt der Katzen <online>
Autor: Marcus Skupin
Veröffentlichung: 2001
Aktualisierung: 26. Juni 2026
URL: https://www.welt-der-katzen.de/katzenhaltung/haltung/auswahl/
