Rassestandard bei Katzen

Ein Rasse- oder Zuchtstandard ist die von einem Katzenzuchtverein herausgegebene Beschreibung der charakteristischen Merkmale, die eine bestimmte Katzenrasse ausmachen.

Idealkatze

Der Rassestandard beschreibt das Aussehen einer rassetypischen Idealkatze.

Die im Zuchtstandard aufgeführten Merkmale beziehen sich in den meisten Fällen auf den Phänotyp einer Katze, der sich naturgemäß verhältnismäßig einfach überprüfen (kontrollieren) lässt.

Aus der Beschreibung zahlreicher, phänotypischer Einzelmerkmale lassen sich zum einen entsprechende Zuchtziele ableiten, zum anderen lassen sich die Tiere durch einen Zuchtrichter anlässlich von Ausstellungen vergleichen und es lässt sich in der Folge eine Wertung vornehmen.

Die Rassestandards unterschiedlicher Katzenvereine bzw. -Verbände sind allerdings nicht zwangsläufig enheitlich.

Beispiel eines Rassestandards

Standard der Mexikanischen Nacktkatze (Mexican Hairless)

Körper
Der Körper ist verhältnismäßig lang und von kräftiger, rundlicher Gestalt. Der lange Schwanz läuft zum Ende hin spitz zu.

Kopf
kleiner bis mittelgroßer Kopf, Breite und Höhe entsprechen sich nahezu. Die Schnauze ist deutlich abgesetzt und rundlich. Ausgeprägte Wangenknochen.

Ohren
Die Ohren sind mittelgroß. Sie stehen aufrecht und sind weit auseinander gesetzt.

Augen
große, ovale, schräg stehende Augen, bernsteinfarben

Haut/Fell
Die Haut sitzt locker am Körper. Die Funktionen und Textur entsprechen menschlicher Haut. Sie fühlt sich weich und zart an und bildet an Kopf, Hals und Beinen Falten. Ein leichter Flaum auf dem Rücken und an der Oberseite des Schwanzes insbesondere im Winter ist erlaubt. Schnurrhaare und Wimpern sind erwünscht.

Farben
Alle Farben und jeglicher Weißanteil sind erlaubt.

Punkte:
Körper 35 Punkte
Kopf 25 Punkte
Augen 10 Punkte
Haut/Fell 20 Punkte
Kondition 10 Punkte

Der Rassestandard gibt nicht vor, wie die dort beschriebenen Merkmale oder Eigenschaften zu erreichen sind. Hier sind wieder die Kenntnisse und Fertigkeiten des Züchters gefragt, der sich wie bereits beschrieben, selbständig Gedanken zu der Frage machen muss, wie er einem bestimmten, sich selbst gesetzten Zuchtziel näher kommt.

Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, dass einige der phänotypischen Wunschmerkmale zu ggf. tierschutzrechtlich relevanten Gesundheitsproblemen der Katze im Sinne des § 11b des Tierschutzgesetzes führen können (Stichwort: Qualzucht), was selbstverständlich ausgeschlossen werden muss.
Doch wie kann es zu einer solchen Diskrepanz zwischen erwünschtem Phänotyp und Tierschutzgesetz kommen?

Katzenausstellungen sind Schönheitswettbewerbe. Das Richten erfolgt dort nach dem jeweiligen Rassestandard. Das nach dem Standard geforderte Aussehen einer Rassekatze lässt gewisse Spielräume zu. Die Nutzung dieser Spielräume wiederum ist zu einem gewissen Grad "modeabgängig".

Dies führt dazu, dass der Züchter bei der Verstärkung verschiedener phänotypischer Merkmale - mit denen er auf Ausstellungen Erfolg hat, weil sie den aktuellen Geschmack treffen - Gefahr läuft zu übertreiben.

Ein Beispiel ist das Kindchenschema, dass junge Tiere und auch Menschen in unseren Augen "niedlich ausschauen" lässt und einen Beschützer- und Pflegeinstinkt auslöst (Schlüsselreiz).

Zum Kindchenschema gehören als Merkmale eine kurze, rundliche Schädelform, eine hohe Stirn, große Augen, eine Stupsnase.

Wird nun auf entsprechende Merkmale gezüchtet, so ist dies anfangs vielfach unproblematisch. Eine immer weitere Verstärkung dieser Merkmale ins Extrem führt allerdings zu Schädeldeformationen (Kurzköpfigkeit = Brachyzephalie) und Atemproblemen (extrem kurze Nasen) und damit zu gesundheitlichen Einschränkungen und Schäden der Katzen.

Skupin, Marcus: Haarlose Feliden, Geschichte | Rassen | Haltung, Verlag BoD (2017)