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Coronavirus

Risiko einer gegenseitigen Ansteckung von Mensch und Katze durch Coronaviren ist nach aktuellem Kenntnisstand zu vernachlässigen!
von Marcus Skupin | Welt der Katzen (15. März 2020; Stand: 29.03.2020)

Coronaviren

Biogefahr
Biogefahr © 2020 Welt der Katzen

Coronaviren kommen bei Tieren (Wild-, Nutz- und Haustieren) sowie beim Menschen vor und können Auslöser von Erkrankungen sein.

Zu den Coronaviren gehören zahlreiche variable und behüllte RNA-Viren, die verschiedene Erkrankungen wiederum unterschiedlicher Schweregrade auslösen können.

Die bei Nutz- und Haustieren vorkommenden Erreger unterscheiden sich allerdings deutlich von dem sich aktuell ausbreitenden "neuen" Coronavirus SARS-CoV-2, das beim Menschen zu schweren Atemwegserkrankungen, COVID19, führen kann [1] und sich mit aktuell rund 575.450 Infizierten* und rund 26.700 Toten* in 201 Ländern weltweit [4], davon 52.547 Infizierte* (389 Tote*) in Deutschland (RKI, 29.03.2020, 12.00 Uhr [3]) längst zu einer Pandemie ausgeweitet hat.

Eine große Zahl sogenannter SARS-CoV, also von Coronaviren, die ein Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom (SARS) hervorrufen können, konnte aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen seit dem Jahr 2002 auf Fledermäuse zurückgeführt werden [2]. Fledermäuse dürften also ein natürlicher Reservoirwirt dieser Viren zu sein. Studien zeigen, dass einige der Fledermaus-SARS-Coronaviren das Potential besitzen, auch den Menschen zu infizieren [2]. Des Weiteren werden auch zwei Schlangenarten, die Chinesische Kobra (Naja atra) und der Vielgebänderte Krait (Bungarus multicinctus) sowie das Chinesische Pangolin (Manis pentadactyla), ein in Afrika und Asien vorkommendes Schuppentier, als natürliches Reservoir diskutiert.

Zu diesen Coronaviren gehören neben dem Ebolavirus auch SARS-CoV und SARS-CoV-2 (COVID19) [1].

In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben Coronaviren mehrere Pan-/Epidemien, nämlich SARS (2002/2003; rund 800 Tote), das Middle East Respiratory Syndrome (MERS, 2012, rund 850 Tote), Ebola (in Westafrika zwischen 2014 und 2016 sowie seit 2018 mit insgesamt rund 13.000 Toten) verursacht.

In allen Fällen wurden Fledermäuse / Flughunde als Wirte identifiziert. Im Falle der MERS-Erkrankung erfolgte die Ansteckung der Menschen über den Zwischenwirt Kamel, Im Falle eines SARS-Ausbruchs im Jahr 2004 sollen Zibethkatzen der Zwischenwirt gewesen sein.

Coronavirus beim Tier

Auch bei Haus- und Nutztieren sind Coronaviren seit langem als Auslöser verschiedener Krankheiten bekannt.

Eng mit dem Felinen Coronavirus (FCoV) verwandt ist das Canine Coronavirus (CCV). Die Viren führen bei Katze und Hund zu Durchfällen und Erbrechen. Besonders anfällig für FCoV sind Jungkatzen im Alter zwischen sechs und zwölf Wochen.
Bei Katzen können mutierte Coronaviren, die eigentlich allenfalls Durchfall auslösen sollten, zur tödlichen Felinen Infektiösen Peritonitis, d.h. Bauchwassersucht (FIP) führen. Auch Schweine können eine durch Coronaviren ausgelöste Erkrankung, die epizootische Virusdiarrhoe (engl. porcine epidemic diarrhea; PED) bekommen.

Weder das Coronavirus der Katze noch das des Hundes oder Schweines kann jedoch auf den Menschen übertragen werden und stellt somit eine Gefahr für diesen dar.

SARS-CoV-2 Nachweise bei Haustieren

Bereits Ende Februar 2020 wurde ein Fall bekannt, bei dem ein im Haushalt eines Infizierten lebender Hund (ein 17jähriger Zwergspitz) in Hongkong nachweislich geringe Mengen genetischen Virusmaterials aufwies. Nach wie vor ist unklar, aber wahrscheinlich, dass es sich hierbei um eine passive Verunreinigung durch hohe Virusmengen in der Umgebung gehandelt hat. Bei dem Hund sind weder Krankheitssymptome festgestellt worden, noch waren Antikörper gegen das Virus nachweisbar [1].

Auch bei einem weiteren Hund in Hongkong, einem zweijährigen Deutschen Schäferhund, wurde am 18. März 2020 genetisches Virusmaterial nachgewiesen, ohne dass das Tier Krankheitssymptome zeigte.

Anders verhält es sich allerdings nach Mitteilung belgischer Behörden vom 18. März 2020 mit der Katze eines Infizierten in Belgien.
Das Tier zeigte vorübergehende Symptome wie Atemnot und Verdauungsprobleme. Der anlässlich einer Untersuchung der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Lüttich durchgeführte Test auf SARS-CoV-2-Antikörper fiel positiv aus [5].

Damit wurde erstmals nachgewiesen, dass das neue Coronavirus vom Menschen auf Haustiere übertragen werden kann.

Übertragung des SARS-CoV-2 vom Menschen auf Tiere

Nach bisherigem Kenntnisstand spielen Haus- und Nutztiere bei einer Übertragung des COVID19 auslösenden Coronavirus SARS-CoV-2 wahrscheinlich keine Rolle [2]. Auch wenn, wie zwischenzeitlich belegt ist, das Virus in seltenen Fällen vom Menschen auf ein Tier übertragen werden kann, so besteht nach wie vor kein Grund zu der Annahme, dass hierin ein wesentlicher Faktor bezüglich einer Ausbreitung gesehen werden muss [5].

Trotzdem ist eine gewisse Vorsicht beim Umgang mit Katze und Hund angeraten. So sollten die üblichen Hygienemaßnahmen beim Umgang mit Tieren angewandt werden.
Eine Einschränkung der Kontakte mit Haustieren ist nicht nötig. Erst recht nicht erforderlich ist es, sein Haustier vorsorglich im Tierheim abzugeben!

Selbst Personen, die nachweislich infiziert sind und unter Quarantäne stehen, müssen sich von ihren Vierbeinern nicht trennen. Es versteht sich allerdings von selbst, dass Spaziergänge von Dritten, nicht infizierten Personen, durchgeführt werden müssen.
Im Einzelfall, wenn Krankheitssymptome beim Tier vermutet werden sollten, ist zu empfehlen, das Haustier - vorsorglich - vom Veterinäramt testen zu lassen um dadurch ergänzende Informationen zu möglichen Ansteckungsszenarien zu erhalten.

Übertragung vom Haustier auf den Menschen

Auch nach den aktuellen Erkenntnissen stellen Katzen und Hunde voraussichtlich keine Überträger des Virus dar.

Selbst wenn sich künftig herausstellen sollte, dass eine solche Übertragung des Virus möglich ist, spricht derzeit angesichts der zigtausendfachen Infektionen von Mensch zu Mensch viel dafür, dass man diesen Infektionsweg getrost vernachlässigen kann.

[1] Friedrich-Löffler-Institut, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, https://www.fli.de/de/aktuelles/tierseuchengeschehen/coronavirus/ (abgerufen am 15.03.2020)
[2] Zhou, P., Yang, X., Wang, X. et al. Published: 03 February 2020
A pneumonia outbreak associated with a new coronavirus of probable bat origin (Ein Lungenentzündungsausbruch in Verbindung mit einem neuen Coronavirus wahrscheinlicher Fledermausherkunft) Nature 579, 270–273 (2020). https://doi.org/10.1038/s41586-020-2012-7
[3] Robert-Koch-Institut, https://www.rki.de, abgerufen am 14.03.2020 bzw. 29.03.2020
[4] Weltgesundheitsorganisation, WHO, https://experience.arcgis.com/experience/685d0ace521648f8a5beeeee1b9125cd, abgerufen am 29.03.2020, 12.00 Uhr
[5] Die Welt; Katze positiv auf neuartiges Virus getestet, https://www.welt.de/vermischtes/article206852409/Corona-in-Belgien-Katze-positiv-auf-neuartiges-Virus-getestet.html, abgerufen am 28.03.2020

* bei Veröffentlichung dieses Artikel am 15.03.2020 lauteten die Zahlen noch wie folgt:

147.500 Infizierte weltweit (RKI, 14.03.2020, 15.00 Uhr [3]),
rund 5.000 Tote;
davon 3.795 Infizierte und 8 Tote in Deutschland