Sie sind hier: Startseite » Katzen A-Z » Medizin » Seuchen

Simian Virus (SIV)

Biogefahr!
Biogefahr! © 2020 Welt der Katzen

Simian-Virus ist die zusammenfassende Bezeichnung verschiedener Viren, deren natürliche Wirte verschiedene Affenarten sind. Einige Arten erkranken an den Viren nicht, auch wenn bei ihnen eine hohe Viruslast nachweisbar ist.

Die unterschiedlichen Viren erhalten die Bezeichnung SIV (Simian Immunodeficiency Virus) bzw. SV (Simian Virus), gefolgt von einer Nummer, die angibt um das wievielte entdeckte Affenvirus es sich handelt (Bsp.: SV40 ist das 40. entdeckte Affenvirus).

Zahlreichen Simian-Viren war es möglich, die Artenschranke zu überwinden und damit infektiös und krankheitsauslösend für Menschen und andere Säugetiere zu werden. - Wann genau dies geschah ist im Einzelfall allerdings nicht immer feststellbar.

Die sicherlich bekannteste Krankheit, als deren Auslöser ein mutiertes Affenvirus gilt ist AIDS. Das HI-Virus (HIV) konnte vermutlich bereits in den 1930er-Jahren die Artenschranke zum Menschen überwinden, obwohl sich AIDS erst rund 50 Jahre später zu einem weltweiten Problem für den Menschen entwickelte.

Bei Schimpansen findet sich das Virus SIVcpz, das eine große genetische Ähnlichkeit zum beim Menschen hauptsächlich vorkommenden Virus des Typs HIV-1 M (major) aufweist.
Auch Gorillas sind Wirte eines SIV. Bei ihnen tritt der Virusstamm SIVgor auf, der nach genetischen Untersuchungen von Virusmaterial recht nahe mit dem Virus HIV-1 O (outlier) "verwandt" ist. Unklar ist allerdings, wie die Gorillas an das Virus SIVgor gekommen sind, denn diese ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen und ergänzen ihren Proteinbedarf vor allem durch Insekten.

Eine weitere Affenart, die als Wirt eines SIV bekannt ist, sind die Halsband-Mangaben. Der bei ihnen nachgewiesene Virusstamm SIVsm (sm = Sooty Mangabey) weist große Ähnlichkeit mit dem HIV-2 Subtyp des AIDS-Virus auf.
Schließlich kommt auch bei Rhesus-Makaken ein SIV vor (SIVmac), welches Ähnlichkeiten mit dem im Jahr 1986 entdeckten HIV-2 Subtypen aufweist.


Grund dafür, dass einige Affenarten nicht an AIDS erkranken (manche aber doch), könnte ein bestimmtes Eiweiß sein (TLR4-Rezeptor), das eine wesentliche Rolle bei der Aktivierung des Immunsystems spielt.
Ist dieser TLR4-Rezeptor in einer Art sehr aktiv, so kann die dauernde Aktivierung des Immunsystems zu AIDS führen. Bei Affenarten, deren TLR4-Rezeptor wenig aktiv ist, bleiben die unkontrollierten Abwehrreaktionen des Immunsystems aus.

Der Sprung über die Artengrenze scheint SIV also in der Vergangenheit mehrfach gelungen zu sein. Es ist davon auszugehen, dass die Zubereitung und der Verzehr von rohem oder nicht ausreichend erhitztem Affenfleisch (Bushmeat) zu einer Infektion des Menschen geführt hat. Dort mutierte SIV dann zum HI-Virus und begann sein tödliches Werk.

Bis heute werden Affen, Schleichkatzen und andere Wildtiere vom Menschen gejagt und verzehrt.

Es dürfte also nur eine Frage der Zeit sein, bis ein weiteres (Simian-) Virus es schafft, die Artenschranke zu passieren und zu einer Gefahr für die Menschheit zu werden.

Vielleicht allerdings ist das schon geschehen ...