Salzkatze (Leopardus geoffroyi)
Allgemeines
von Marcus Skupin | Welt der Katzen
Salzkatzen (Leopardus geoffroyi, D'Orbigny & Gervais, 1844) sind eine zu den Pardelkatzen gehörende Katzenart mit einer durchschnittlichen Kopf-Rumpflänge von bis zu 75 cm (43 cm bis 88 cm), die in zahlreichen Lebensräumen Südamerikas, insbesondere in trockenem Busch- und Grasland sowie trockenen Wäldern, vorkommen. Sie werden auch als "Kleinfleckkatzen" bezeichnet und wurden früher der Gattung Oncifelis zugeordnet.
In der Literatur finden sich zahlreiche weitere, meist lateinische Synonyme für die Salzkatze.
Der deutsche Name Salzkatze leitet sich von ihrem Vorkommen in extremen, salzhaltigen Lebensräumen ab. Salzkatzen kommen insbesondere in den großen Salzwiesen und dornigen Salzbuschsteppen (Salinas) im Nordwesten Argentiniens und Boliviens vor.
Beschreibung
Die Katzen erreichen ein Gewicht von 5-8 kg. Kleine Exemplare bringen ein Körpergewicht von knapp 2 kg auf die Waage. Die Schwanzlänge beträgt etwa 25 bis 40 cm.
Dabei zeigt die Art einen klaren geografischen Größenunterschied (Bergmannsche Regel): Während Tiere im tropischen Norden selten mehr als 2 bis 3 kg wiegen, erreichen Exemplare im subantarktischen Patagonien im Süden regelmäßig bis zu 8 kg. In feuchten Wald- und Sumpfgebieten treten zudem häufig komplett schwarze (melanistische) Morphen auf.
Lebensraum | Verbreitung
Das Verbereitungsgebiet der Kleinfleckkatze erstreckt sich über Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Paraguay und Uruguay.
Man findet die verbreitete Katzenart bis hinauf in Höhen von etwa 3.300 Metern. Vielleicht ein Grund weshalb die Kleinfleckkatze von William Jardine, 1834 auch als "Felis himalayanus" bezeichnet wurde. - Ein irreführender Name, denn der Himalaya liegt ja bekanntlich nicht in Amerika sondern in Asien. *1
Im Gegensatz zur Pampaskatze, die nahezu das gleiche Verbreitungsgebiet bewohnt und mit der die Salzkatze historisch oft verwechselt wurde, meidet die Kleinfleckkatze offene Landstriche und bevorzugt dichte Bodendeckung.
In tropischen Regenwäldern kommt die Salzkatze nicht vor.
Kleinfleckkatze (Salzkatze)
Abb. n. Elliot, 1883; noch als Felis geoffroyi
Verhalten
Salzkatzen sind strikt nachtaktiv und verbringen den Tag schlafend im Geäst.
Kleinfleckkatzen unterscheiden sich im Verhalten zu den anderen amerikanischen Kleinkatzenarten dadurch, dass sie Wasser nicht meiden. Dies hat ihnen in Südamerika auch die Bezeichnung als Fischkatzen (nicht zu verwechseln mit der asiatischen Fischkatze) eingebracht.
Die Salzkatze gehört sogar zu den wenigen Kleinkatzen, die regelmäßig fischen.
Beobachtungen zeigen:
° aktives Waten in seichten Gewässern
° Greifen von Fischen mit den Vorderpfoten
° Nutzung von Ufervegetation als Deckung
Diese Verhaltensweisen sind innerhalb der Katzenfamilie relativ selten.
Eine verhaltensbiologische Besonderheit ist zudem ihre Fähigkeit, sich – gestützt auf ihren Schwanz – wie ein Erdmännchen auf die Hinterbeine zu stellen, um die Umgebung im hohen Gras zu überblicken.
Ernährung
Kleinfleckkatzen ernähren sich von kleinen Säugetieren, Insekten, Vögeln sowie Amphibien und Reptilien und Fischen.
Fortpflanzung
Der Nachwuchs der Kleinfleckkatzen kommt nach einer Tragzeit, die zwischen 62 und 76 (meist 72-76) Tagen liegt, in unzugänglichen Büschen oder Felsspalten zur Welt. Meist werden zwischen 1 und 3 Kitten geboren. Das Geburtsgewicht variiert zwischen 65 und 90 Gramm.
Spermaqualität
Bei der Salzkatze treten gebogene Schwänze (≈17 %) und gebogene Mittelstücke mit Zytoplasmatröpfchen (≈12 %) besonders häufig auf. [2]
Hybridisierung
In der Heimtierzucht erlangte die Salzkatze Bekanntheit, da Kreuzungen mit der Hauskatze die seltene Hybridrasse 'Safari-Katze' hervorgebrachten. Aufgrund der unterschiedlichen Chromosomensätze und ethischer Bedenken ist diese Wildkatzenkreuzung heute jedoch stark umstritten.
Unterarten der Salzkatze
Kleinfleck-/Salzkatzen werden in vier Unterarten unterteilt.
° Bolivianische Kleinfleckkatze (L. geoffroyi euxanthus);
° Paraguay-Kleinfleckkatze (L. geoffroyi paraguae);
° Salzkatze (L. geoffroyi salinarum);
° Südliche Kleinfleckkatze (L. geoffroyi geoffroyi);
Moderne genetische Studien (etwa O’Brien et al.) zeigen, dass die Unterarten von Leopardus geoffroyi nur geringe genetische Differenzierung aufweisen.
Einige Taxonomen schlagen daher vor, die Unterarten zu reduzieren oder ganz aufzugeben.
Die IUCN führt derzeit keine Unterarten mehr.
Felis himalayanus, irreführendes Synonym
Abb.: "The natural history of the felinae", Naturgeschichte der Felinae" von Sir William Jardine, 1834
Gefährdungsstatus
Nachdem die Salzkatze im 20. Jahrhundert durch den massiven Pelzhandel (über eine halbe Million exportierte Felle) stark dezimiert wurde, haben sich die Bestände dank des Handelsverbots durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES Anhang I) stabilisiert.
Bis in die 1980er-Jahre wurde sie wegen ihres Fells bejagt. Mit Übernahme der Art von CITES, Anhang I nach Cites, Anhang II im Jahre 1992 endete der legale Pelzhandel.
Heute sind die Hauptbedrohungen:
~ Lebensraumverlust durch Landwirtschaft
~ Hybridisierung mit Hauskatzen (regional)
~ Straßenverkehr
~ Konflikte mit Geflügelhaltern
Die IUCN Red List stuft die Art heute global als „nicht gefährdet“ (Least Concern) ein, wenngleich lokale Populationen durch Habitatverlust und Agrarwirtschaft schrumpfen.
Kleinfleckkatze
Salzkatze, auch Kleinfleckkatze genannt.
© 2006, Marcus Skupin
Fotos - Salzkatze
Anmerkungen
*1 Historische Synonyme entstanden durch frühe Naturforscher, die isolierte Populationen als eigene Arten beschrieben.
Felis himalayanus ist ein klassisches Beispiel für eine Fehlzuordnung, da die Art nie im Himalaya vorkam. Solche Synonyme sind wichtig für die Quellenkritik zoologischer Literatur.
Quellen:
* Atlas of Mammalian Chromosomes; herausgegeben von Stephen J. O'Brien,Joan C. Menninger,William G. Nash; S. 513, John Wiley und Söhne, ISBN: 978-0-471-35015-6; 2006
[2] Ceregatti, G. & Feitosa, W.B. (2023): Male reproductive physiology of neotropical felids, Theriogenology Wild 2 (2023) 100023, Elsevier
Artikelinformationen
Skupin, Marcus (), Salzkatze in Welt der Katzen <online>
Aktualisiserung: 1. Juli 2026

