Superfekundation bei Katzen

Superfekundation bei Katzen

von Marcus Skupin | Welt der Katzen

Werden innerhalb eines einzelnen Östrus‑Zyklus mehrere Eizellen durch Spermien unterschiedlicher Kater befruchtet, so spricht man von einer Superfekundation. Die Katze gebirt dann in einem Wurf den Nachwuchs mehrerer Väter.

Bei Katzen ist dieses Phänomen besonders häufig, was auf mehrere reproduktionsbiologische Besonderheiten der Art, eine Kombination aus Biologie, Verhalten und Fortpflanzungsphysiologie, zurückzuführen ist, die Katzen von vielen anderen Säugetieren unterscheidet.

Biologische Hintergründe der Superfekundation bei Katzen

Kurzinfo Superfekundation

Katzen können in einem Wurf Kitten von mehreren Vätern bekommen, weil:

° sie sich während der Rolligkeit oft mit mehreren Katern paaren
° der Eisprung durch den Deckakt ausgelöst wird
° mehrere Eizellen gleichzeitig bereitstehen
° Spermien mehrere Tage überleben
° Embryonen sich später synchron entwickeln

Das ist völlig normal und biologisch sinnvoll.

Häufige Paarungsbereitschaft – saisonal polyöstrisch

Katzen werden mehrfach pro Saison rollig, sobald die Tageslichtdauer etwa 10 bis 12 Stunden erreicht. Wohnungskatzen können durch künstliches Licht sogar ganzjährig rollig werden. Häufigere Rolligkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit für mehrere Paarungen [Skupin 2013/2026].

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Rolligkeitsverhalten
(es werden mehrere Kater angezogen)

Rollige Katzen zeigen typische Verhaltensweisen wie Rollen, Lautäußerungen, verstärktes Markieren und intensive Partnersuche.

Kater erkennen die Rolligkeit früher als Menschen, weil sie Pheromone wahrnehmen, die im Vaginalsekret enthalten sind. Hierdurch kommen oft mehrere Kater gleichzeitig zum Weibchen [Skupin 2013/2026].

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Synchronisierte Rolligkeit in Katzengruppen

Pheromone können dazu führen, dass mehrere Weibchen einer Gruppe synchron rollig werden. Dies erhöht die Paarungsaktivität und die Wahrscheinlichkeit von Mehrfachdeckungen [Skupin 2013/2026].

Physiologische Grundlagen

Induzierte Ovulation - Eisprung durch den Deckakt

Bei Katzen erfolgt der Eisprung nicht spontan. Er wird erst durch mechanische Stimulation während des Deckakts ausgelöst (induzierte Ovulation).

Dies führt zu:

° Freisetzung mehrerer Eizellen innerhalb von 24–36 (48) Stunden
° einem verlängerten Befruchtungsfenster
° erhöhter Wahrscheinlichkeit, dass Spermien verschiedener Kater gleichzeitig im Reproduktionstrakt vorhanden sind

Begünstigt wird dies durch:

° LH‑Peak 30–40 Minuten nach Deckakt, Eisprung 24–36 Stunden später [Johnson 2022]

° 3–5 nötigen Kopulationen innerhalb von 2–3 Stunden nötig, um den LH‑Spiegel zu erreichen [Skupin 2013/2026]

Die Folge: Mehrere Paarungen → mehrere LH‑Peaks → mehrere Eisprünge → mehrere mögliche Väter.

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Viele Eizellen gleichzeitig verfügbar

° Überlappende Follikelwellen ermöglichen bei der Katze die parallele Reifung mehrerer Eizellen [Brown & Comizzoli 2018].

° Im Östrus stehen bis zu 12 reife Eizellen, mithin eine hohe Anzahl befruchtungsfähiger Eizellen bereit [Skupin 2013/2026].

Es wird damit sehr wahrscheinlich, dass mehrere Eizellen befruchtet werden.

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Spermien überleben mehrere Tage

Spermien bleiben im weiblichen Genitaltrakt bis zu 5 Tage befruchtungsfähig. Dadurch können Paarungen an unterschiedlichen Tagen desselben Zyklus zu Befruchtungen durch verschiedene Kater führen [Johnson 2022].

Auch dies steigert die biologische Wahrscheinlichkeit der Befruchtung mehrerer Eizellen deutlich.

Deckakt begünstigt Superfekundation

Der Deckakt der Katze ist kurz, aber hochspezialisiert:

~ Duldungsreflex (Brunststellung)
~ Nackenbiss → Tragstarre
~ Penispapillen stimulieren Mechanorezeptoren und führen zur LH‑Freisetzung
~ Nachrollen nach dem Deckakt ist typisch [Skupin 2013/2026]

Da zur Auslösung des Eisprungs mehrere Kopulationen nötig sind, steigt die Wahrscheinlichkeit der Beteiligung mehrerer Kater.

Embryonale Entwicklung

Die Embryonen der Katze erreichen den 2‑Zell‑Status nach rund 64 Stunden. Blastozysten entwickeln sich nach 124–148 Stunden [Johnson 2022].

Die Implantation, die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter der Katze erfolgt synchron an Tag 13–14 [Johnson 2022].

Die führt dazu, dass auch wenn die Befruchtungen zeitlich versetzt stattfinden, die Entwicklung der Embryonen gleichmäßig erfolgt. Alle Kitten wirken gleich alt.

Evolutionsbiologische Vorteile

Superfekundation bietet verschiedene evolutionsbiologische Vorteile.

~ Genetische Vielfalt erhöht die Überlebenschancen [Brown & Comizzoli 2018]
~ Sicherung der Befruchtung auch bei Deckung durch subfertile (eingeschränkt zeugungsfähige) Kater [Johnson 2022]
~ Weniger Infantizid, da Kater Kitten eher tolerieren, wenn einige ihre eigenen sein könnten [Skupin 2013/2026]

Bedeutung für Katzenhalter und -züchter

Eine rollige Katze kann innerhalb weniger Tage von mehreren Katern gedeckt werden. Ein Wurf kann daher mehrere Väter haben. Kastration ist die einzige sichere Methode, dies zu verhindern [Skupin 2013/2026].

Abgrenzung: Superfekundation vs. Superfetation

Superfekundation

° mehrere Väter
° ein Zyklus
° Embryonen wirken gleich alt, bei Katzen häufig [Johnson 2022]

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Superfetation

° erneute Befruchtung während bestehender Trächtigkeit
° Embryonen unterschiedlich alt, bei Hauskatzen nicht gesichert [Johnson 2022]

Quellen

[1] Johnson, A. (2022). Normal feline reproduction: The queen. Frontiers in Veterinary Science. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10845401
[2] Brown, J. L., & Comizzoli, P. (2018). Female Cat Reproduction. In M. K. Skinner (Ed.), Encyclopedia of Reproduction. vol. 2, pp. 692–701. Academic Press: Elsevier. http://dx.doi.org/10.1016/978-0-12-809633-8.20638-9, ISBN: 9780128118993
[3] Skupin, Marcus (2013/2026). Sexualverhalten der Katze. Welt der Katzen. https://www.welt-der-katzen.de/katzenhaltung/ethologie/verhaltensarten/sexualverhalten.html

Artikelinformationen

Skupin, Marcus (2026), Superfekundation | Welt der Katzen <online>

Autor: Marcus Skupin
Erstveröffentlichung: 29. Juni 2026
URL: https://www.welt-der-katzen.de/katzenhaltung/biologie/fortpflanzung/superfekundation-bei-katzen.html

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