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Molekularbiologische Untersuchungen

Die gläserne Katze

von Marcus Skupin | Welt der Katzen (Stand: April 2020)

Der medizinische Fortschritt macht es möglich. Was vor einigen Jahren noch wie Science Fiction klang, ist zwischenzeitlich Gang und Gäbe: Gentests für Katzen.

Labore im In- und Ausland bieten heute zahlreiche, molekularbiologische Untersuchungen (kurz: Gentests) an, mit denen schnell und zweifelsfrei feststellbar ist, ob die genetische Anlage für eine bestimmte Färbung bei der Katze vorhanden ist, ob sie die Veranlagung einer Erbkrankheit in sich trägt oder ob tatsächlich "Paule" der Vater der Nachkommenschaft ist.

Für Katzenliebhaber, die eine(n) Freund(in) zum Schmusen suchen, sind Tests auf mögliche Erbkrankheiten hauptsächlich dann interessant, wenn sie vor der Anschaffung ihrer Katze gemacht worden sind und damit bestimmte, rassespezifische Erkrankungen ausgeschlossen werden können. Schließlich wünscht der Katzenbesitzer seinem Kätzchen ein langes, glückliches Leben. Selbst wird der normale Katzenhalter allenfalls dann einen Gentest beauftragen, wenn eine Diagnose über das etwaige Vorhandensein einer Erkrankung erforderlich wird.

Klassischer Kunde für molekularbiologische Untersuchungen der Katze ist der Katzenzüchter. Er muss daran interessiert sein, dass seine Katzen und damit auch deren Nachkommen frei von Erbkrankheiten sind. Wichtig, weil lebensrettend für die Kitten, ist das Wissen über die Blutgruppe von Katze und Kater, da die falsche Konstellation zur sogenannten Blutgruppenunverträglichkeit und damit häufig zum Tod der Neugeborenen führt.

Für den Züchter ist in vielen Fällen auch interessant, ob die Veranlagung für eine bestimmte Fellfärbung rezessiv vorhanden ist und welche Farben somit bei einer geplanten Verpaarung fallen können. So kann er gezielt auf bestimmte Färbungen hin züchten, andere wiederum vermeiden oder gar ausschließen. Möglichkeiten, die zwar zum Teil auch ohne genetische Tests bestehen, dann jedoch nach dem langwierigen Prinzip des "Try and Error" erfolgen müssten.

Welche Möglichkeiten genetischer Analysen Sinn machen, ist von der Katzenrasse abhängig. Bei der erblichen Disposition der Katze eine bestimmte Krankheit zu bekommen, stellt die Fehlinformationen im Erbgut eine genetische Mutation dar, die im Zweifel nur bei dieser Rasse in genau dieser Form vorliegt.

Ein Beispiel: Die Hypertrophe Kardiomyopathie (HCM), die häufigste Herzerkrankung bei Katzen, kommt bei zahlreichen Katzenrassen vor. Betroffen können beispielsweise die Rassen der Maine Coon, Ragdoll, Perser, American Shorthair, Britisch Kurzhaar (BKH), Siam, Burma und die Abessinier sowie jeweils deren Abkömmlinge sein.
Als Auslöser für HCM konnten bisher drei verschiedene Mutationen im Erbgut der Katze identifiziert werden, genauer des Katzengens MYBPC3. Diese Mutationen wurden mit den "sprechenden" Namen A31P, A74T und R820W bezeichnet. - Das Vorhandensein jeder dieser drei Mutationen ist ein Risikofaktor, der dazu führt, dass die betroffene Katze erkranken kann. Sie muss jedoch nicht zwangsläufig erkranken und - um zum Kern der Sache zurückzukommen - nicht bei jeder Katzenrasse tritt jede der genannten Mutationen auf.
Die als HCM 1 bezeichnete Mutation A31P kommt nur bei den Rassen Maine Coon und Ragdoll, die HCM 2 genannte Mutation A74T bei allen Katzenrassen und HCM 3-Mutation R820W nur bei der Ragdoll vor.

Führt nun die Durchführung des genetischen Tests zu dem Ergebnis, dass die betreffende Katze eine der Mutationen aufweist, so kann dieses Tier aus der Zucht genommen werden.

Nach derzeitigem Kenntnisstand sind beispielsweise folgende Gen-Analysen bei der Katze möglich:

Test

Beschreibung

Rasse

Allgemein

Abstammung

alle

Blutgruppe

alle

Fell

Haarlänge

alle

Albino

alle

Amber

alle

Chocolate

alle

Cinnamon

alle

Agouti

alle

Burmafaktor

alle

Pointfaktor (Siam)

alle

Verdünnung

alle

Handschuhe

weiße Handschuhe

Birma

Erbkrankheiten

RdAC-PRA

Progressive Retina Atrophie (CEP290)

Abbessinier, Somali, Ocicat,

Rdy-PRA

Progressive Retina Atrophie (CRX)

Abessinier, Somali,

PK

Pyruvatkinase-Defizienz

Abessinier, Somali,

PKD

Polyzystische Nierenerkrankung

BKH, Domestic Shorthair, Exotic Shorthair, Birma, Perser, Perserabkömmlinge, Ragdoll, Selkirk Rex,

GM1

GM1-Gangliosidose

Korat, Siam,

GM2

GM2-Gangliosidose

Burma, Korat,

HCM1

Hypertrophe Kardiomyopathie, Mutation 1 (A31P)

Maine Coon, Ragdoll,

HCM2

Hypertrophe Kardiomyopathie, Mutation 2 (A74T)

alle

HCM3

Hypertrophe Kardiomyopathie, Mutaton 3 Ragdoll (R820W)

nur Ragdoll

SMA

Spinale Muskel Atrophie

Maine Coon

GSD IV

Glycogen Speicherkrankheit, Typ IV

Norweger

MPS1

Mucopolysaccharidosis Type VI,VI Mild und MPSVII (MPS1, MPSM und MPS7)

alle

Viele der etablierten Unternehmen, decken zwischenzeitlich standardmäßig einen bestimmten Umfang genetischer Tests ab. Nicht jeder Test kann allerdings in jedem Labor beauftragt werden. Ob ein Labor einen möglichen, spezifischen Gentest anbietet, hängt im Einzelfall von der Anzahl der zu untersuchenden Proben, der Frage inwieweit ein Test bereits etabliert, d.h. allgemein anerkannt ist und natürlich auch von patentrechtlichen Gegebenheiten ab.

Die Durchführung der Tests ist denkbar einfach. Bei einigen Laboren kann ein kostenloses Testkit (Wattestäbchen bzw. Bürstchen und Röhrchen oder Umschlag) bestellt werden. Besitzer oder Tierarzt nehmen einen Abstrich aus der Maulhöhle der zu untersuchenden Katze, indem die Watte mehrfach kräftig über die innere Maulschleimhaut des Tieres gerieben wird. Anschließend wird das Stäbchen in das Röhrchen geschraubt bzw. in den Umschlag gesteckt und in das Labor geschickt. Das Ergebnis liegt in der Regel binnen weniger Tage vor.
Wird ein kostenloses Testkit nicht angeboten, können in der Regel übliche Wattestäbchen aus dem Handel benutzt werden. Selbstverständlich kann der Tierarzt als Grundlage für den Test auch eine EDTA-Vollblutprobe an das Labor senden.

Apropos Tierarzt: Sofern der Test offiziell verwertet werden soll, ist es ratsam (und von einigen Katzenvereinen auch vorgeschrieben) den Abstrich vom Tierarzt vornehmen zu lassen. Dieser liest bei der Gelegenheit den Mikrochip des Tieres aus und ist so in der Lage, dessen Identität zweifelsfrei zu bestätigen.

Die Kosten, die bei den einzelnen Laboren für die Durchführung eines Gentests anfallen, sind sehr unterschiedlich. Ein Test auf die genetische Disposition einer Polyzystischen Nierenerkrankung (PKD) beispielsweise, schlägt je nach Labor zwischen 26,00 € und 46,15 € jeweils zuzüglich Umsatzsteuer zu Buche.

Für einen Gentest zur Klärung der Frage, ob eine Katze Verdünnung trägt, können ebenfalls Kosten zwischen 26,00 € und 42,00 € zuzüglich Umsatzsteuer anfallen.

Preislich unschlagbares Angebot im Vergleich ist das genetische Screening der australischen Firma Animal Genetics. Zum Preis von knapp 40.00 Euro erhält der Kunde alle folgenden Tests: Abstammung, Blutgruppe B, Haarlänge, Albino, Chocolate, Cinnamon, Agouti, Burmafaktor, Pointfaktor (Siam), Verdünnung, RdAC-PRA, PKD, HCM 3 und MPS1.

Ob im Einzelfall tatsächlich all diese Tests sinnvoll sind, ist allerdings eine Frage, die jeder für sich beantworten muss.

Wird der Abstrich vom Tierarzt vorgenommen, fallen für dessen Tätigkeit ein paar Euro extra an. Wer mit einem Labor Kontakt aufnehmen möchte, findet hier einige Kontaktdaten der Labore. Die deutschen Labore liegen bei den Preisen übrigens eher in der oberen Preisklasse. Bei Einsendung mehrerer Proben gelten allerdings oftmals Rabattstaffeln.



Die zahlreichen, wenn auch nicht ganz übersichtlichen Möglichkeiten, seine Katze(n) im In- und Ausland - teils wichtigen - genetischen Tests unterziehen zu lassen, erfordern es, dass der Züchter sich genauer mit diesem Thema beschäftigt. Das Ende der molekularbiologischen Möglichkeiten in der Katzenzucht ist sicherlich noch lange nicht erreicht.

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