Mythen
Katzen & Hexen - eine alte Verbindung
Mystik der Katze
Der Katze wird nachgesagt, sie könne wahrsagen und sie habe Zauberkraft.
Schon die alten Ägypter ehrten die Katze als heiliges Tier. Bei den Germanen zog sie den Wagen der Freyja durch die Wolken. Mit dem Aufstieg und der Verbreitung des Christentums wandelte sich ihr Bild: Aus dem göttlichen Wesen wurde ein nächtlicher Schatten. Ein gespenstisches Wesen, dem man Zauberkraft und Wahrsagerei zuschrieb.
Verkörperung des Bösen und Begleiterin von Hexen und der Alten Wesen, speziell der Dämonen.
Dunkle Kapitel
So sehr wir Katzen heute lieben, so schwer hatten sie es in manchen Epochen. Sie wurden verfolgt, gefürchtet – und ja, sogar gegessen. Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie sehr sich unser Verhältnis zu ihnen gewandelt hat.
Die Katze in Mittelalter & Neuzeit
Die christliche, katholische Kirche hatte zeitweilig ein sehr gespaltenes Verhältnis zu den Katzen und das obwohl die Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, recht gute Beziehungen zu Katzen gehabt haben soll. Zumindest wird sie gelegentlich mit einer Katze zu ihren Füssen dargestellt. Der Name "Mieze", mit dem Katzen ja häufig benannt werden, soll, so die Volksetymologie, von "Maria" abgeleitet worden sein. Wie Maria, eigentlich ihr Sohn Jesus, (vielleicht) zu einer Katze kam, lässt sich in dem Märchen "Die Spiegelperle" nachlesen.
In den Hexenprozessen der Neuzeit (etwa ab 1500 n. Chr.) und auch bei den vereinzelten Anfeindungen während des Mittelalters (Zeitspanne zwischen Altertum und Neuzeit, etwa von 500 bis 1500 n. Chr.) wurden nur Katzen, die das geheimnisvolle "M" auf der Stirn tragen (Tabbykatzen), oft von Nachstellungen verschont. - Diese Katzen nämlich, so erzählt man sich, sollen direkt von der "Mutter-Gottes-Katze" abstammen.
siehe auch: Katzen in der Religion; Christentum.
Mythen, Magie & Aberglaube
Besondere magische Kräfte "wohnen" angeblich selbst den Körperteilen der Katze inne. Haare, Fett und Katzenkochen sind wichtige Zutaten von Zaubertränken und Salben, die je nach Mischung mit weiteren Ingredienzien und nach Art der Anwendung dazu dienen, unsichtbar und unverwundbar zu machen. Zudem finden sie Verwendung beim Liebeszauber.
Katzen in der alten Medizin
Im 17. Jahrhundert schrieb Johann Joachim Becher in 'Zoologia' [2] über die medizinische Verwendung von Katzen. Ein Spiegel der damaligen Denkweise.
Fett, Fell, Blut, sogar die Nachgeburt einer schwarzen Katze wurden als Heilmittel betrachtet.
Aus heutiger Sicht wirkt das befremdlich, doch es zeigt, wie eng Magie, Medizin und Aberglaube einst miteinander verwoben waren.
"Die wild und zahme Katze, die kommen auch herbey.
Dann in die Apotheck sie geben sechserley:
Das Fett und Fell, den Kopff, den Koth und auch das Blut
Von schwarzen Katzen ist die Nachgeburt auch gut.
1. Das Fett von Katern die bereits verschnitten seynd
Es hilft dem Gliederweh, ist deren reissen Feind.
2. Das Katzenfell thut auf den Bauch und Magen legen,
Es wärmt und thut darin natürlich Hitz erregen.
3. Den schwarzen Katzenkopff zur Aschen nur gebrant/
Er hilft den Augen, ist derhalben wol bekant.
4. Den Katzenkoth mit Senf und Essig wol vermischt/
Schmiert euch / in Podagra dann er die Schmerzen tüscht.
5. Nemmt aus dem Schweif das Blut, es muss ein Katter seyn/
Drey Tropfen in der Fraiß man nützlich nimmet ein.
6. Von einer schwarzen Katz / die da zum ersten trägt
Die Nachgeburt am Hals getragen, sie erlegt
die Augenschmerzen / macht ein schärpfferes Gesicht /
Durch solch verächtlichs Werk wird diese Kur verricht."
Weitere Infos auch unter Katzen in der Medizin.
Weitere magische Informationen rund um die Katze finden sich auch in der Rubrik "Alte Wesen".
Doch bedenke ...
"Die Zeuberer soltu nicht leben lassen." (Erodi 22)
"Ihr sollt nicht abweichen zu den Zeubern und von den Warsagern nichts erforschen das ihr durch sie verunreiniget werdet." (Levit 19)
"Ein Mann oder Weib in welchem der Python oder Waesagende Gesit sein wirdt, soll des Todes sterben mit Steinen sol man sie umbringen." [1]
Sprichworte & "Weisheiten"
„Bei Nacht sind alle Katzen grau.“
„Die Katze aus dem Sack lassen.“
„Einen Katzensprung entfernt.“
Sprichworte verraten viel darüber, wie tief die Katze in unserer Sprache und Kultur verwurzelt ist.
Gleiches gilt auch für die vielen - bis heute in den Köpfen der Menschen "herumspukende" Mythen und Unwissenheit, etwa über den Nutzen von Katzen in der Medizin.
Apropos Nutzen! Was heute für uns als Katzenfreunde kaum vorstellbar ist, war selbst im "aufgeklärten" Europa nicht ganz unüblich. Das Essen von Katzen. Mehr zu diesem grauslichen Thema in meinem Bericht zum "Katzenfleisch".
Zwischen Mythos & Realität
Ob Magie, Aberglaube oder alte Medizin, vieles davon wirkt heute fremd.
Doch all diese Geschichten erzählen etwas über uns Menschen: über unsere Ängste, unsere Hoffnungen und unsere Sehnsucht nach dem Geheimnisvollen.
Ein persönliches Wort
Katzen sind mehr als Haustiere.
Sie sind Gefährten, Rätsel, Spiegel unserer Fantasie.
Und vielleicht liegt gerade darin ihre größte Magie.
„Liebe ist das höchste Gut der Welt. Wo du sie findest, halte sie fest, denn ohne sie kannst Du nicht leben.“
— Marcus Skupin
Quellen:
[1] Siegfriedum, Thomam: Ob die Zeuberer und Zeuberin mit ihrem zauber Pulver Krankheiten oder den Todt selber beybringen können, Erffordt, 1593
[2] Becher, Johann Joachim: Zoologia, 1662
Artikeldaten
Marcus Skupin: Hexenwerk? in Welt der Katzen, www.welt-der-katzen.de <online>, Stand: 20. Mai 2026

