Entwicklung im Mutterleib

Entwicklung im Mutterleib

Marcus Skupin | Welt der Katzen Dienstag, 30. Juni 2026 von Marcus Skupin | Welt der Katzen

Wunder des Lebens

Pränatale Entwicklung eines Katzenlebens

Katzenbabys im Mutterleib – Die Entwicklung
Was geschieht wann, zwischen Deckakt und Geburt der Katze? (Erstveröffentlichung: Januar 2014)

Deckakt und Eisprung der Katze

Ei- und Samenzelle

Samen- und Eizelle

© 2019, Marcus Skupin (Quelldatei: public domain)

Mit dem Deckakt sind die reproduktionsbiologischen Voraussetzungen für ein neues Katzenleben geschaffen. Während einige Hundert von insgesamt mehreren Millionen Samenzellen im Ejakulat des Katers (Ejakulatvolumen bis zu 0,3 ml) den Weg zu den Eileitern der Katze "suchen", wandern die durch die induzierte Ovulation freigesetzten Eizellen in die Eileiter der Katze (Ovidukt).

Spermien bleiben im weiblichen Genitaltrakt 48 bis 60 Stunden lebensfähig, die Eizellen hingegen verfügen nach dem Eisprung nur ein über ein enges Befruchtungsfenster von wenigen Stunden. Findet innerhalb von maximal 24 Stunden keine Penetration durch ein Spermium statt, degeneriert die Eizelle.

Die meisten Katzenarten, so üblicherweise auch die Hauskatze, haben einen induzierten Eisprung.
Die Eizellen werden erst durch den Paarungsakt freigesetzt (deshalb gibt es bei Katzen auch keine Periodenblutungen).

Sowohl Ei- als auch Samenzelle besitzen als Keimzellen lediglich einen einfachen, haploiden Chromosomensatz. Dieser beträgt bei der Hauskatze und den meisten Feliden (n = 19), während Arten der südamerikanischen Ozelot-Linie (Gattung Leopardus) evolutionsbedingt einen reduzierten haploiden Satz von (n = 18) aufweisen. Erst durch die Verschmelzung der beiden Zellkerne im Eileiter entsteht die Zygote mit dem jeweils vollständigen, diploiden Chromosomensatz (2n = 38) bzw. bei den betroffenen Arten der Ozelotlinie (2n = 36) des neuen Individuums.

Die Frühentwicklung wird ausschließlich durch das maternale mRNA-Reservoir der Eizelle gesteuert (Maternal-embryonale Transition (MET)). Erst nach einigen Zellteilungen erfolgt die Aktivierung des embryonalen Genoms (Maternal-to-Zygotic Transition (MZT)), das dann die weitere Entwicklung übernimmt.

Abweichende Ovulation einiger Katzenarten

Verschiedene Studien belegen, dass längst nicht alle Katzenarten Eizellen über einen induzierten Eisprung freisetzen.

Fischkatze (Prionailurus viverrinus), Margay (Leopardus wiedii), Nebelparder (Neofelis nebulosa) [10] und Schwarzfußkatze (Felis nigripes) ovulieren primär oder episodisch spontan. Selbst bei der Hauskatze kommt die Spontanovulation in manchen Teilpopulationen regelmäßig vor. [11]

Zygote und Morula

  • 20 bis 30 Stunden nach der Befruchtung

    hat die Zygote eine Größe von etwa 0,13 Millimetern. Die Teilung der befruchteten Eizelle hat noch nicht begonnen. Sie befindet sich (noch immer) auf dem Weg durch den Eileiter zur Gebärmutter der Katze.

  • 60 bis 68 Stunden nach der Befruchtung

    beginnt die Zygote mit der ersten Teilung. Dabei teilt sie sich zunächst in zwei identische Zellen mit gleichem Zellkern (Blastomere).

  • 70 bis 82 Stunden nach der Befruchtung

    erfolgt die nächste Teilung zum 4-Zell-Stadium. Untersuchungen an verschiedenen Säugetierarten haben ergeben, dass im 2-Zell-, 4-Zell- und 8-Zell-Stadium jede der einzelnen Zellen die Fähigkeit besitzt, zu einem vollständigen Individuum zu werden. Die Zellen sind zu diesem Zeitpunkt noch totipotent, aus jeder Zelle könnte mithin ein eigenständiger und vollständiger Organismus entstehen, was beim Embryosplitting (Klonen) eine Rolle spielt [8].

    Der aus Blastomeren bestehenden "Zellhaufen" wird Blastula genannt. Zwischenzeitlich hat er die Gebärmutter der Katze erreicht und schwimmt dort herum, ohne sich bereits eingenistet zu haben.

    Zellteilung
  • 96 Stunden (4 Tage) nach der Befruchtung

    nach der Befruchtung besteht der Zellklumpen aus 32 Zellen, die in Kugelform angeordnet sind und Morula, "Maulbeere" genannt werden. Die einzelnen Zellen der Morula prägen erst im nächsten Entwicklungsschritt ihre spätere Bestimmung aus.
    Da bisher kein Wachstum stattgefunden hat, dies wird durch die Zona pellucida verhindert, hat sich die Größe des "Zellhaufens" übrigens bis zu diesem Stadium kaum verändert. Die einzelnen Zellen sind durch die Teilung immer kleiner geworden. Der Embryo ist noch immer winzig und hat etwa eine Größe von 1,3 Millimetern. Er befindet sich nun in einem der Gebärmutterhörner (Uterushorn).

Blastozyste, Ektoderm und Entoderm

Blastozyste

Blastozyste

Abb: Wikipedia (gemeinfrei)

5-6 Tage nach der Befruchtung bildet die Blastula einen Hohlraum aus, dessen äußere Zellen, die etwa 0,6 mm großen Trophoblasten, kurze Zeit später die Plazenta bilden werden (Blastozyste). Der Hohlraum selbst wird sich zum Verdauungstrakt des Embryos entwickeln.
Die Trophoblasten bilden ein Hormon (Gonadotropin), dass die Gebärmutterschleimhaut für das Einnisten des Embryo vorbereitet. Bei einer Schwangerschaft bleibt das Corpus luteum (Gelbkörper) über die gesamte Trächtigkeitsdauer (also 63 bis 65 Tage) aktiv. Es ist Hauptquelle für das schwangerschaftserhaltende Progesteron, da die zonäre, endotheliochoriale Plazenta der Katze im Gegensatz zu anderen Säugetieren kaum eigenes Progesteron produziert. Erst kurz vor der Geburt fällt der Progesteronspiegel rapide ab.

Die Zellen sind ab diesem Stadium nur noch pluripotent. Aus einem Teil von ihnen kann jetzt nur noch die Plazenta entstehen, während die restlichen Zellen sich "nur noch" zu den einzelnen Teilen des Embryos entwickeln können.
Etwa gleichzeitig bilden sich drei sogenannte Keimblätter, in dem sich verschiedene Zonen der Blastula falten (Gastrulation). Ektoderm und Entoderm sind die primären Keimblätter, zwischen ihnen wird sekundär das Mesoderm gebildet.
Aus den Keimblättern werden sich bald die verschiedenen "Körperteile" des Embryos bilden. Bisher wurden die Prozesse des Kätzchenwerdens hauptsächlich durch die Gene der Eizelle gesteuert. Nun wird sich bald herausstellen, ob die Kombination der beiden haploiden Chromosomensätze aus Samen- und Eizelle "zusammenpasst". Treten fehlerhafte Kombinationen einzelner Gene auf, so stirbt der dann nicht lebensfähige Embryo ab. - Doch bis dahin sind noch ein paar Tage Zeit. Der Embryo ist jetzt etwa 1,5 mm x 1 mm groß. Seine Form wird damit leicht länglich.

13 Tage (2 Wochen) nach der Befruchtung. Der Katzenembryo nistet sich in der Gebärmutterwand ein, indem sich die Trophoblasten an der Gebärmutterschleimhaut anheften (Nidation).
Aus dem ersten Keimblatt, dem Ektoderm bildet sich zunächst das größte Organ der Katze, die Haut (Epidermis). Zudem entwickelt sich ein Plättchen, faltet sich zu einer Nut und formt sich in den nächsten Tagen weiter zu einem Rohr. Diese Neuralleiste wird bald das Zentrale Nervensystem (ZNS) der Katze bilden. Auch die Sinnesorgane und die Kopfmuskulatur sind - im Gegensatz zur sonst mesodermalen Muskulatur - ektodermal.
Die Zellen des zweiten Keimblattes, des Entoderms werden zu Schleimhäuten, Drüsen, Organen wie Leber, Lunge, Blase, Schilddrüse und dem Verdauungssystem.
Die Zellen des dritten Keimblattes, des Mesoderm, bilden die Wirbelsäule (Chorda), das Skelett, Muskulatur und Bindegewebe ebenso wie die übrigen inneren Organe der Katze (Herz, Milz, Niere).
Zunächst werden seitlich der Mittellinie des Embryos Somiten (Urwirbel) abgeschnürt. Der Embryo wird in seitenverkehrt identische Strukturen unterteilt. Im Laufe der weiteren Entwicklung bilden sich Wirbel, Muskelgewebe (außer im Kopfbereich), Leder- und Unterhaut. - Nun lassen sich auch bereits Kopf- und Schwanzende des Embryos unterscheiden.

Embryonalentwicklung der Katze

Embryomodell

Embryo

Abb.: nach Ellenberger, Anatomie d. Haussäugetiere, 1912

15 Tage nach der Befruchtung zeigt der Embryo die typische Haltung, in dem der Kopf etwas zum Bauch hin gebogen ist. Er ist jetzt zwischen 2 und 10 Millimeter groß. Die Neuralleiste entwickelt sich zum Neuralrohr. Die Augenblase entsteht.

17-18 Tage nach der Befruchtung bildet sich das Mäulchen sowie vier Kiemenbögen, die sich später wieder zurückbilden werden. Kleinhirn und die Anlagen von Augen und Ohren sind erkennbar. Die Anlage der Linse des Auges wird angestossen. Die Urwirbel werden zu einem Dermatomyotom (außen) und einem Sklerotom (innen) umgestaltet.

18-19 Tage nach der Befruchtung hat die Größe des Embryos zwischen 7 und 18 mm erreicht. Die Entwicklung der Gliedmaßen beginnt mit eine Knospung und nach dem Kleinhirn sind nun auch Großhirn und Stammhirn angelegt.

20 Tage nach der Befruchtung; der Embryo hat jetzt etwa die Größe einer Haselnuss. Die Plazenta bildet einen gürtelförmigen Ring um die Fruchtblase.

21 Tage (3 Wochen) nach der Befruchtung sind die Vorderbeine voll entwickelt, während die Hinterbeine noch einfache Auswüchse darstellen. Der Schwanz ist länger geworden, da sich die Wirbelsäule ausbildet. Aus den vorderen Kiemenbögen haben sich Anlagen der Gehörgänge gebildet. Das Kleinhirn ist nun gefurcht, Herz, Blutkreislauf, Magen-Darm-Trakt, Lunge, Leber und Nieren und primitive Geschlechtsorgane entwickeln sich.

23 Tage nach der Befruchtung: Das Körperskelett entwickelt sich weiter. Zu diesem Zeitpunkt besteht es noch aus Knorpelmasse. Zehen sind erkennbar. Das Gesicht mit Schnauze, Augenlidern und Ohrmuscheln nimmt erkennbare Züge an. Die Hirnanhangdrüse entsteht. Hier werden künftig zahlreiche Hormone gebildet, die für die Körpersteuerung und das Wachstum des Kätzchens benötigt werden.

24 Tage nach der Befruchtung ist es möglich, den Tastsinn des Embryos nachzuweisen.

25-27 Tage nach der Befruchtung ist der Embryo auf etwa 21 bis 40 Millimeter angewachsen. Neben der Fortentwicklung der früher angelegten Organe beginnt nun die Verkalkung des Skeletts. Auch bilden sich die Milchzähne, die allerdings noch für längere Zeit im Kiefer eingebettet bleiben.

Fötale Entwicklung der Katze

Katze, Fötus

Katzenföten (Hauskatze)

© Marcus Skupin, 2013

28-32 Tage (4-5 Wochen) nach der Befruchtung sind die inneren Organe des Kätzchens bereits komplett angelegt, wenn auch noch unreif. Der Fötus selbst hat jetzt eine Größe von 25-50 Millimetern und wird von der Fruchtblase, die etwa die Größe eines Tischtennisballs hat umgeben. Das Wachstum nimmt jetzt erheblich zu.

33 bis 38 Tage nach der Befruchtung wachsen die Krallen an den Zehen des Fötus. Die Haut ist glatt. Fell werden die Kätzchen erst in einigen Tagen bilden. Die Anlagen der Sinushaare sind bereits vorhanden. Der Fötus hat jetzt eine Größe von 35 bis 60 Millimetern.

42 Tage (6 Wochen) nach der Befruchtung ist der Fötus auf eine Länge von etwa 50-80 Millimetern gewachsen. Das Wachstum der Haut schreitet voran. Sie nimmt an Dicke zu und bildet nun auch erste Falten aus. Der Fötus hat nun vollständige, geschlossene Lider am Auge. Das Innenohr entwickelt sich weiter und auch Darmzotten sind bereits vorhanden.

44 Tage nach der Befruchtung hat der Fötus eine Größe zwischen 60 bis 95 Millimetern. Das Fellwachstum beginnt.

48 Tage (7 Wochen) nach der Befruchtung haben sich Pigmente in der Haut eingelagert. Der Fötus zeigt nun seine spätere Färbung und ist jetzt zwischen 65 und 125 Millimeter groß.

60 Tage nach der Befruchtung ist der Fötus voll entwickelt und lebensfähig. Trotzdem benötigt der Organismus des Kätzchens eigentlich noch einige Tage um an Größe und Gewicht zuzulegen.

63 bis 68 Tage (9 Wochen) nach der Befruchtung. Es ist geschafft. Um den 65. Tag kommt der Katzennachwuchs mit einem durchschnittlichen Gewicht von 80 bis 120 Gramm zur Welt.

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Quellen

* Bommas-Ebert, Ulrike / Teubner, Phillip / Voß, Rainer (2006); Kurzlehrbuch Anatomie und Embryologie, Thieme Verlag, ISBN: 978-3-1313-5532-4
* Gurwitsch, Alexander, Dr. (1907); Atlas und Grundriss der Embryologie der Wirbeltiere und des Menschen; Lehmann's Medizin Handatlanten, Band XXXV.; J.F. Lehmann Verlag,
* Knospe, Clemens, Dr. (2013), Vergleichende Embryologie der Hauskatze: für Studierende und Praktiker der Veterinärmedizin; CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1, ISBN: 978-1-4823-4383-0
* Leipoldt, A. (o.J.); Embryologie der Hauskatze, Internet, Abruf am 14.01.2014 unter http://pawpeds.com/pawacademy/reproduction/embryology/index_de.html
* Tierklinik.de; Internetabruf am 09. Oktober 2015; http://www.tierklinik.de/medizin/reproduktion/embryologie
* Vetstudy; Internetabruf am 09. Oktober 2015; vetstudy.johanneslink.de/pafiledb3/uploads/Embryologie.doc
* Walde / Nell / Schäffer / Köstlin (2008); Augenheilkunde - Lehrbuch und Atlas Hund, Katze, Kaninchen und Meerschweinchen, 3., überarb. u. erw. Aufl., Verlag Schattauer, ISBN: 978-3-7945-2307-8
[8] Skupin, Marcus (2020): Klone, welt-der-katzen.de, online (03.05.2020)
[9]
Skupin, Marcus (2026): Die Plazenta der Katze, Welt der Katzen - Fortpflanzung, online
[10]
Brown, J.L. et al. (1995), Natural Versus Chorionic Gonadotropin-Induced Ovarian Responses in the Clouded Leopard (Neofelis Nebulosa) Assessed by Fecal Steroid Analysis, In Biology of Reproduction, Band 53, Ausgabe 1, Seiten 93–102, https://doi.org/10.1095/biolreprod53.1.93
[11]
Stewart, Rosemarie A., Pelican, M., Crosier, E., et al. (2012): Oral Progestin Priming Increases Ovarian Sensitivity to Gonadotropin Stimulation and Improves Luteal Function in the Cat, BIOLOGY OF REPRODUCTION, 87(6):137, 1–11, Published online before print 24 October 2012. DOI 10.1095/biolreprod.112.104190

Artikelinformationen

Autor: Marcus Skupin | Welt der Katzen
Titel: Pränatale Entwicklung der Katze, Entwicklung im Mutterleib
www.welt-der-katzen.de (online)
Erstveröffentlichung: 14. Januar 2014
letzte Aktualisierung: 30. Juni 2026
URL: https://www.welt-der-katzen.de/katzenhaltung/biologie/fortpflanzung/entwicklung-im-mutterleib.html

Liebe ist das höchste Gut der Welt! Wo Du sie findest, halte sie fest - denn ohne sie kannst Du nicht leben.

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